ÖBB-Bilanz 2001: Umsatz- und Ergebnisplus trotz konjunkturellem Gegenwind

Heurige Ergebnisse werden auf Vorjahresniveau erwartet

Die ÖBB konnten im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz schwächerer Konjunktur an Umsatz und Ergebnis zulegen. Das heurige Jahr und die nahe Zukunft sind von massiven Investitionen und dem Wandel zur "Kundenbahn" gekennzeichnet. Das Geschäftsergebnis 2002 wird auf Vorjahresniveau erwartet. ****

Vorstand seit genau einem Jahr im Amt
Bei seinem Amtsantritt vor genau einem Jahr fand der Vorstand der ÖBB eine Ausgangslage vor, bei welcher der Schuldenabbau im Vordergrund stand und die durch drei kritische Faktoren gekennzeichnet war:

Wesentliche Teile des Absatz-EGT wurden durch Einmaleffekte außerhalb des Kerngeschäftes erzielt
Schuldenabbau stand im Vordergrund
Massiver Investitionsstau insbesondere im Personenverkehr

Ergebnis der Analysen
Die Einmaleffekte außerhalb des Kerngeschäfts stammten u.a. aus Leasingtransaktionen, durch die z.B. 1999 und 2000 Sondererträge von rund 7 Mio. EUR p.a. generiert wurden. "Inzwischen ist bereits fast das gesamte infrage kommende bewegliche Anlagevermögen der strukturierten Leasingfinanzierung zugeführt, wodurch der zukünftige Handlungsspielraum eingeschränkt ist", kommentierte Generaldirektor Rüdiger vorm Walde bei der Bilanzpressekonferenz diese Entwicklung. Ferner wurden in den Vorjahren Kapitaerhöhungen vom Bund um jeweils 363 Mio. EUR angelegt und haben rund 17 Mio. EUR an Zinsertrag in den Jahren 1999 und 2000 zum Ergebnis beigesteuert. Knapp 30 Mio. EUR wurden jährlich aus Veräußerungen von nicht betriebsnotwendigem Immobilienvermögen erzielt. Naturgemäß wurden bislang zunächst die relativ einfach und mit guten Renditen verkaufbaren Objekte auf den Markt gebracht. Im verbleibenden Immobilienportfolio befinden sich nunmehr überwiegend Objekte, deren ertragsstarke Vermarktung zunächst eine zeit- und investitionsintensive Entwicklung voraussetzt - also weniger leicht zu realisieren ist. Darüber hinaus erzielte der Immobilienbereich jährlich rund 35 Mio. EUR aus Vermietungs- und sonstigen Vermarktungsaktivitäten, die nicht dem Eisenbahn-Carriergeschäft zuzuordnen sind.

Analyse Investition
Der Investitionsstau ist darauf zurückzuführen, dass in den Jahren 1993 bis 1998 deutlich weniger als der frei verfügbare Cash-Flow investiert wurde. So wurde im Jahr 1999 ein Cash-Flow von EUR 280 Mio. erzielt, jedoch nur 254 Mio. EUR davon für Investitionen verwendet. Dazu vorm Walde: "Es wurden Verbindlichkeiten, die bei der Eröffnungsbilanz übernommen wurden, abgebaut, aber deutlich weniger Zukunftsinvestitionen als zur Substanzerhaltung erforderlich durchgeführt."

Analyse Qualität
Diese kritischen Faktoren führten zu einem schlechten qualitativen Erscheinungsbild. Die ÖBB werden von der Öffentlichkeit praktisch ausschließlich über den Personenverkehr wahrgenommen. Dennoch wurde dieser in der Vergangenheit in seiner Bedeutung für das Unternehmen gegenüber dem Güterverkehr als nachrangig eingestuft. Vorm Walde:
"Wir haben eine enorme Qualitätseinbuße im Personenverkehr geerbt -die wir so rasch wie möglich aufholen werden. Denn ohne eine zeitgemäße Leistungsqualität im Personenverkehr, die an der Entwicklung von Komfort und Qualitätsniveau beim PKW gemessen wird, können die ÖBB als Gesamtunternehmen aber keine dauerhafte Akzeptanz beim Publikum in Österreich, in der EU und bei der österreichischen Politik erfahren." Der Vorstand betrachtet eine Qualitätsoffensive im Personenverkehr deshalb als strategischen Hebel für die Zukunftsfähigkeit der ÖBB insgesamt.

Geschäftsjahr 2001: Positive Fahrgast- und Tonnagenentwicklung Unter den geschilderten Ausgangsbedingungen hat sich das Geschäft der ÖBB positiv entwickelt. Die ÖBB konnten im Jahr 2001 den Umsatz auf 2,10 Mrd. EUR gegenüber 2,06 Mrd. EUR im Jahr 2000 steigern. Ausschlaggebend dafür waren Aufkommenszuwächse im Güterverkehr um 1,7 Mio. Tonnen und ein leichtes Plus im Personenverkehr von 1,3 Mio. beförderten Fahrgästen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit konnte mit 122,1 Mio. EUR gegenüber 117,2 Mio. EUR verbessert werden. "Ein zufriedenstellendes Ergebnis, vor allem wenn man die deutlich gestiegene Abgabenbelastung ins Kalkül zieht", kommentierte Generaldirektor vorm Walde den Jahresabschluss. Tatsächlich hat sich die Abgabenbelastung im Geschäftsjahr 2001 nochmals erhöht. Die Energieabgabe erhöhte sich nochmals um 6,2 Mio. EUR auf 32 Mio. EUR, womit die ÖBB europaweit den höchsten Strompreis zahlen. Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung stiegen für die ÖBB nochmals um 1 Prozent auf insgesamt 40 Mio. EUR und beim Infrastrukturbenützungsentgelt, das an die SchIG abzuführen ist, kam es zu einer Erhöhung um 5,3 Prozent auf 298 Mio. EUR. Daneben wirkten auch außerplanmäßige Abschreibungen in der Höhe von 34 Mio. EUR -insbesondere bei Güterwagen - ergebnisdämpfend.

Im Unternehmensbereich Absatz war die Entwicklung positiv. Im Güterverkehr konnten die ÖBB die Umsatzerlöse von knapp 1,1 Mrd. EUR auf knapp 1,2 Mrd. EUR steigern. Bei der Transportleistung bedeutete dies eine Erhöhung von 84,7 Mio. Tonnen auf 86,4 Mio. Tonnen.

Im Personenschienenverkehr betrug der Umsatz - mit einem geringfügigen Plus -1,0 Mrd. EUR. Das Fahrgastaufkommen auf der Schiene wurde auf 183,3 Mio. gegenüber 182,7 Mio. beförderten Personen im Jahr 2000 gesteigert.

"Die Investitionen im Absatz wurden infolge unserer Modernisierungsoffensive von 338 Mio. EUR auf 387 Mio. EUR hochgefahren", führte Vorstandsdirektor Ferdinand Schmidt auf der Bilanzpressekonferenz aus. Der Produktiv-Personalstand im Absatz konnte dagegen von 27.174 Mitarbeitern im Jahresdurchschnitt auf 26.341 gesenkt werden.

Im Infrastrukturbereich hat sich der Beitrag des Bundes gem. § 2 Bundesbahngesetz bei 1,1 Mrd. EUR stabilisiert und lag damit fast exakt auf dem Niveau des Jahres 1999. Die Investitionen im Infrastrukturbereich, über deren Höhe nicht die ÖBB entscheiden können, wurden von 809 Mio. EUR im Jahr 2000 auf 732 Mio. EUR im abgelaufenen Geschäftsjahr reduziert. Der Produktiv-Personalstand konnte auch in der Infrastruktur gesenkt werden: im Jahresdurchschnitt von 23.518 Mitarbeitern auf 22.168 im Jahr 2001.

Erstes Halbjahr 2002: Investitions- und Serviceschub
Für das laufende Geschäftsjahr erwarten die ÖBB im Personenverkehr leicht steigende Fahrgastzahlen. Im Güterverkehr wird der Trend zu steigenden Tonnagen seine Fortsetzung finden. Es wird in diesem Jahr voraussichtlich die 90 Mio. Tonnen Fracht-Grenze erreicht.

"Im Personenverkehr beginnen die nach der Analysephase eingeleiteten Maßnahmen, welche die ÖBB in Richtung kundenorientierte Bahn bringen sollen, bereits zu greifen. Das Angebot wird dabei sowohl qualitativ als auch quantitativ ausgeweitet", erläutert Schmidt. Das größte Projekt, die komplette Erneuerung von 720 Fernreisewagen mit einem Investitionsvolumen von rund 220 Mio. EUR, wurde kürzlich präsentiert und die ersten drei Zugpaare der neuen "ÖBB EuroCity" sind bereits auf Schiene. Den Kunden stehen moderner Komfort, Klimaanlagen, verbesserter Handyempfang, Steckdosen für elektronische Devices und die neu eingerichtete Business-Class zur Verfügung. Nach den Verbindungen Wien-Feldkirch sowie Wien und Salzburg nach Zürich werden in einem Monat die "ÖBB EuroCity"-Züge auch auf der Südbahn zwischen Wien-Graz, bzw. Wien-Villach unterwegs sein.

Nicht nur im Fernverkehr, sondern auch im Nahverkehr werden die ÖBB laufend Verbesserungsmaßnahmen durchführen. Das besondere Augenmerk liegt auf der Angebotsausweitung für Pendler. Anlassbezogen wird es auch in Zukunft spezielle Angebote für verschiedene Zielgruppen geben, um den Werbeslogan "Bahn wirkt." unter Beweis zu stellen. Aktuell fahren Jugendliche, die nicht älter als 19 Jahre sind, noch bis 8. September um nur 19 EUR in ganz Österreich - wohin sie wollen, so oft sie wollen. Alleine der Erfolg dieser Aktion gibt den ÖBB recht. Zur Halbzeit sind bereits 55.000 Tickets abgesetzt und ein Ende des Ansturms zeichnet sich noch nicht ab. "Wir wollen weiterhin ein kräftiges Lebenszeichen von uns geben und Österreich wissen lassen, dass die Bahn das alternative Verkehrsmittel Nummer 1 ist", erklärt ÖBB-Generaldirektor Rüdiger vorm Walde abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

ÖBB Kommunikation
Pressestelle
Tel: 01 / 93000-32233
Fax: 01 / 93000-25009
e-mail: pressestelle@kom.oebb.at
www.oebb.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NBB0001