"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar "Haider vor dem Putsch?" (von Manfred Posch)

Ausgabe 01.08.2002

Klagenfurt (OTS) - Wiedereinmal geh'n ihm die Medien auf den Leim. Jörg Haiders Maschinerie läuft wie geschmiert. Die schwer bis überhaupt nicht kalkulierbaren Hervorbringungen des LH zu verschweigen, wäre allerdings kein richtiges Rezept. Dem Mann, der als österreichischer Politiker Weltruf besitzt (ist nicht als Kompliment gemeint), muss - korrekt - entgegengetreten werden.

Wie er es selbst mit Korrektheit hält, bleibt der Beurteilung seiner Parteifreunde, vor allem aber seinen politschen Gegnern überlassen. Im Zuge der Vlaams-Blok-Causa versuchte der FP-interne Kritik mit Hilfe des Tadels gegenstandslos zu machen, sie käme von "Opfern der politsch korrekten Tugendgesellschaft". Mit anderen Worten: Eine Gesellschaft, die auf Tugend hält, scheint Haider offensichtlich suspekt zu sein. Was für ein Landeshauptmann!

Das Treffen Haiders mit Vertretern berüchtigt rechtsextremer Parteien lässt nun nicht nur die Frage offen, um wen es sich bei dem FP-Altobmann handelt. Es geht letztlich um die Position, das Ansehen Kärntens im Alpen-Adria-Raum, ja in ganz Europa. Mag schon sein, dass Kärnten dem aus der Lüneburger Heide oder aus England kommenden Besucher trotz diverser zum Teil unappetitlicher "Rechts-Details" hervorragend gefällt. Doch macht eine in politscher Hinsicht permanent unangenehm auffallende Region als Spaß- und Eventzentrum auf Dauer keine gute Figur. Der Schaden ist ohnehin schon bedeutend genug.

Die Tändelei mit Rechtsextremen schärft den Blick auch sozusagen rückwirkend. Die von Haider nach Bildung der blau-schwarzen Regierung unterzeichnete Präambel, in der von Toleranz- und Humanitätsverpflichtung die Rede ist, bleibt vor dem Hintergrund der vergangenen Tage gegenstandslos. Und die Österreicher müssen (sollten) sich fragen, welchen Wert eine Haider-Signatur eigentlich besitzt.

Gefragt muss weiters werden, ob der LH seiner Partei nicht längst schon wesentlich mehr schadet als nützt. Erstmals regt sich nicht nur punktueller Widerstand; die FP-Obfrau bemüht sich zwar, gelassen zu wirken, doch wie lange wird sie Haiders Attacken noch gewachsen sein? Großkalibrige FP-ler wie Prinzhorn oder Sichrovsky kritisieren das Zusammentreffen mit Figuren wie Dewinter markant.Setzt der Einfache alles daran, sich selbst vom Sockel zu stürzen? Oder bereitet er -nicht zum ersten Mal - einen blauen Putsch vor?

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