Bildungskonto für Lehrabsolventen statt Unternehmer-Geschenke und verkürzte Berufsschulzeit

Linz (AKO) Als beschäftigungspolitisch völlig sinnlos und ohne positive Auswirkung auf die Qualität der Lehrlingsausbildung bezeichnet AK-Präsident Hubert Wipplinger die Forderung des ÖVP-Wirtschaftsbundes, dass die Kosten der Lehrlingsentschädigung während der Berufsschulzeit vom Staat getragen werden sollen. Und völlig absurd sei die Forderung der Jungen ÖVP, die Berufsschulzeit zu kürzen. Wipplinger schlägt stattdessen die Einrichtung eines Bildungskontos für Lehrabsolventen vor.

Das vom ÖVP-Wirtschaftsbund geforderte Unternehmer-Geschenk zur Senkung der Kosten der Lehrlingsentschädigung würde allein für Oberösterreich 37 Millionen Euro verschlingen. Das entspricht in etwa dem sechsfachen Betrag, der derzeit für das OÖ Bildungskonto, also zur Förderung der Weiterbildung aller Arbeitnehmer, aufgewendet wird.

"Durch diese Lohnsubventionierung würde massiv in den Arbeitsmarkt und in die Kollektivvertragshoheit eingegriffen, ohne dass dabei etwas Vernünftiges für die Lehrlingsausbildung herauskommt", so der AK-Präsident. "Den Vorteil haben einzig und allein die Betriebe: Mit einem Schlag verbleiben 20 Prozent der Kosten für die Lehrlingsentschädigung in deren Kassen." Die Lehrbetriebe sind in den letzten Jahren genügend entlastet worden, erinnert Wipplinger etwa an die Streichung der Dienstgeberbeiträge zur Krankenversicherung oder die Verlängerung der Probezeit. Völlig absurd sei für ihn der Vorschlag des Obmannes der Jungen ÖVP, Bernhard Baier, die Berufsschulzeit um ein Drittel zu kürzen. "Das käme einer Abqualifizierung zu einer Hilfskraft gleich und würde nicht nur den Lehrlingen ihre berufliche Zukunft verbauen, sondern auch der Wirtschaft immensen Schaden zufügen. Baiers Vorschlag würde uns bald zum Hilfskräfteladen Europas werden lassen!", kritisiert Wipplinger.

Aufgrund der schwächeren Geburtenjahrgänge wird in den nächsten Jahre eher einen Wettbewerb der Betriebe um Lehrlinge und damit künftige Facharbeiter entstehen. Das einzig erkennbare Motiv für eine weitere " finanzielle " Entlastung der Betriebe ist die Profit-Maximierung der Unternehmer durch diese neuerliche Umverteilung, die von der Bundesregierung auch noch unterstützt wird.

"Wenn die Bundesregierung tatsächlich in die Lehrlingsausbildung investieren will, dann soll sie diesen Betrag doch den Lehrlingen zugute kommen lassen und mit der Lehrabschlussprüfung jedem Lehrling ein Bildungskonto in der Höhe von 4500 Euro zur persönlichen beruflichen Weiterbildung einrichten", schlägt AK-Präsident Wipplinger vor. Das ist sinnvoller für die Qualifikation der Fachkräfte am Wirtschaftsstandort (Ober)Österreich, sinnvoller für die Wirtschaft und ein richtungsweisender Beitrag zum lebensbegleitenden Lernen.

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