Ehrlicher alias Sodann: Vom Staatsfeind zum Botschafter des Ostens

Stuttgart (OTS) - Der Schauspieler erzählt in Reader's Digest über seine DDR-Vergangenheit und seine Rolle als Integrationsfigur für die neuen Länder

Die meisten kennen ihn als Kommissar Ehrlicher. Aber Peter Sodann ist nicht nur der kauzige Ermittler im ARD-Tatort. Er ist Intendant, Kulturunternehmer, Literaturfan und vor allem ein Querkopf, der "seine Freiräume immer genutzt hat." Seine Fernsehrolle nutzt er um Vorurteile abzubauen. "Ich versuche, mit dieser Figur den Osten zu vertreten", sagt Sodann in einem Gespräch mit dem Magazin Reader's Digest (August-Ausgabe).

Dabei hat er in der ehemaligen DDR einiges durchgemacht. Als er mit 14 Jahren eine Lehre als Werkzeugmacher beginnt, ist er gerade mal 1,40 Meter groß. "Da ich mich mit Körperkraft nicht durchsetzen konnte, musste ich eine große Schnauze entwickeln." Noch als Jugendlicher entdeckt er die Schauspielerei. Aber die Theaterhochschule lehnt ihn wegen "Talentlosigkeit" ab. Also gründet Sodann das Studentenkabarett "Rat der Spötter". Während die Fachleute der Theaterhochschule plötzlich doch noch sein Talent entdecken und ihn zum Studium zulassen, findet die Stasi das Programm gar nicht lustig. Die sechs Kabarettisten kommen in Haft.

Aber Sodann bleibt auch nach der neunmonatigen Untersuchungshaft, was er ist: ein Querkopf. Immer wieder wird er beim Staatsrat in Berlin vorstellig. "Wir wollten die DDR ja nicht stürzen. Wir wollten sie verbessern", erzählt der heute 66-Jährige. Seine Hartnäckigkeit hat Erfolg. Er kann zu Ende studieren, bekommt erste Engagements als Schauspieler. Später wird er Schauspieldirektor, erst in Magdeburg, 1980 dann in Halle.

Dort macht sich der gebürtige Sachse einen Namen. Es ist seine Idee, die baulich maroden Kaisersäle zu restaurieren und zu einer Kulturinsel mit Theatern, Kinos und Bühne umzuformen. Deshalb sucht Sodann Schauspieler auch nach ihren handwerklichen Fähigkeiten aus, weil jeder mitanpacken muss. Ende 1989 fällt die Mauer und gleich danach sollen die Bestände der Bibliotheken der "Deutsch-Sowjetischen Freundschaft" auf den Müll. Der leidenschaftliche Literatursammler Sodann, der Jesus, Einstein und Lenin "drei Heilige" nennt, schreitet ein. "Bücher wirft man nicht auf den Müll. Und man verbrennt sie auch nicht wie die Nazis", erzählt der vierfache Vater im Gespräch mit Reader's Digest. Er gewährt den Büchern Asyl auf der Kulturinsel. Typisch Sodann: ein bisschen dickköpfig, aber auch ein bisschen bauernschlau.

Nicht umsonst bekommt er im Juni 2001 das Bundesverdienstkreuz. Das Multitalent schmunzelt darüber noch heute. Er sei vielleicht nicht der einzige Künstler, der sowohl den Nationalpreis der DDR als auch das Verdienstkreuz der Bundesrepublik erhalten habe, "aber ganz bestimmt der einzige, der außerdem als Staatsfeind im Gefängnis saß". Für nähere Informationen zu diesem Reader's Digest-Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Die August-Ausgabe von Reader's Digest ist ab 29. Juli 2002 an zentralen Kiosken erhältlich.

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