"Unica - vergessen, verkannt": Ö1-CD-Reihe mit Musik aus Renaissance und Barock

exemplarische Erstaufführungen bzw. Weltersteinspielungen als CD-Reihe

Wien (OTS) - "Musik aus Brixen: Sätzl, Stadlmayr, Walther" bildet den Auftakt der Ö1-CD-Reihe "Unica - vergessen, verkannt", die im Rahmen der ORF-Edition "Alte Musik" aufgelegt wird und dem internationalen Interesse an Musik früherer Jahrhunderte durch ein spezielles Konzept Rechnung trägt: "Unica" bietet Musik aus Renaissance und Barock in exemplarischen Erstaufführungen bzw. Weltersteinspielungen.****

In Bibliotheken und Archiven ist weltweit eine Vielzahl von Musik erhalten, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist, deren kultureller Wert erst durch rezente Forschungen wieder erfasst wird. Vor einigen Jahren wurde in Kiew das berühmte Archiv der "Berliner Singakademie" (galt bis dahin als Kriegsverlust) wieder entdeckt, heuer wurde es an Deutschland zurückgegeben. Vor allem Werke von Carl Philipp Emanuel Bach blieben in dieser Sammlung als Unica erhalten. Dieses musikhistorisch äußerst wertvolle Archiv enthält aber auch viele Kompositionen italienischer, französischer und österreichischer Meister. In der Ö1-Reihe "Unica" werden die bedeutendsten Kompositionen der Sammlung erstmals auf Tonträger präsentiert. Neben dem Archiv der "Berliner Singakademie" werden internationale Bestände wie die der "Biblioteca Marciana" in Venedig oder die der Österreichischen Nationalbibliothek als Quellen für die Projekte der Reihe "Unica" herangezogen. Die Kompositionen werden für die CD-Reihe nach neuesten wissenschaftlichen Forschungen und Erkenntnissen über die historische Aufführungspraxis eigens ediert, zur Interpretation werden international renommierte Künstler wie Ton Koopman, Konrad Junghänel und Hiro Kurosaki sowie Ensembles wie das "Amsterdam Baroque Orchestra", die "Accademia di San Rocco" (Venedig) und das "Piccolo Concerto Wien" engagiert.

Das Repertoire der "Unica"-Reihe umspannt weltliche und geistliche Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts und reicht von Konzerten, Kammermusik und Solowerken bis zu Messen und Passionen. In modernster Technik aufgenommen, werden die einzelnen Projekte - meist als Live-Mitschnitte von Konzerten für Ö1 - auf CD veröffentlicht. Die Begleittexte zu den CDs werden in deutsch, englisch und französisch abgedruckt, da die Aufnahmen auch international vertrieben werden.

Ein Highlight der "Unica"-Reihe wird die "Matthäus-Passion" von Carl Philipp Emanuel Bach sein. Ö1 ist es gelungen, für die Erstaufführung dieser im Archiv der Berliner Singakademie wiederentdeckten "Matthäus-Passion" aus dem Jahr 1769 den international renommierten Dirigenten, Cembalisten und Organisten Ton Koopman zu gewinnen. Bei zwei Konzerten in der Minoritenkirche in Wien (29. und 30. August; Beginn: 20.00 Uhr) leitet er seine Ensembles "Amsterdam Baroque Orchestra & Choir" sowie die Solisten Deborah York, Franziska Gottwald, Jörg Dürmüller und Klaus Mertens. Das Konzert am 30. August wird live auf Ö1 übertragen. Der Mitschnitt wird als Weltersteinspielung auf CD in der "Unica"-Reihe erscheinen.

Neun Titel der "Unica"-Reihe für 2002/03 geplant

Mit "Musik aus Brixen: Christoph Sätzl ‚Messen' - Johann Stadlmayr ‚Messe & Miserere' - Johann Jakob Walther ‚Orgelwerke'" (Prishna Ensemble, Christoph Hammer, Florian Appel) ist soeben die Auftakt-CD der "Unica"-Reihe erschienen: Musik aus dem 17. Jahrhundert, die in Brixen gespielt wurde. Zum ersten Mal wird in dieser Produktion mit dem jungen Prishna Ensemble aus Brixen (dessen 1. CD hiermit auch veröffentlicht wird) Musik aus Südtirol dokumentiert. Zu den Mitgliedern des Prishna Ensembles gehören internationale Stars, wie der Zinkenist Bruce Dickey. Bei der Produktion handelt es sich um Live-Mitschnitte, die als Konzertsendungen auf Österreich 1 vorgestellt wurden.

Weitere geplante Veröffentlichungen: Carl Philipp Emanuel Bach "Kantaten für Hamburg" (Wiener Kammerchor - Wiener Akademie - Martin Haselböck). Erstaufnahmen mit festlichen Kantaten des Bach-Sohnes, die sich im Archiv der "Berliner Singakademie" erhalten haben.

Luigi Boccherini "Stabat mater" (Emanuela Galli - Piccolo Concerto Wien). Erstaufnahme des "Stabat Mater" von Boccherini in der Urfassung. Bisher waren von dieser berührenden Komposition lediglich Umarbeitungen bzw. Bearbeitungen erhältlich. Das Ensemble Piccolo Concerto Wien präsentiert die Urfassung.

"Alt-Bachisches Archiv" - Werke der Familie Bach (Cantus Cölln -Konrad Junghänel). Johann Sebastian Bach sammelte die Kompositionen seiner Ahnen. Dieses sogenannte "Alt-Bachische Archiv", das sich in der Sammlung der "Berliner Singakademie" erhalten hat, dokumentiert nicht nur den "musikalischen Nachlass" der Familie Bach vor Johann Sebastian, sondern gibt auch einen bemerkenswerten Eindruck der deutschen Musik in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Carl Philipp Emanuel Bach "Matthäus Passion", 1769 (Amsterdam Baroque Orchestra & Choir - Ton Koopman). Erstaufnahme der "Matthäus-Passion" von 1769. Carl Philipp Emanuel Bach - lange Zeit Generalmusikdirektor der Stadt Hamburg - zählt mit seinen Werken zu den interessantesten Komponisten des 18. Jahrhunderts. Für Hamburg verfasste er einige Passionen, die sich zum Großteil im verloren geglaubten Archiv der "Berliner Singakademie" erhalten haben. Seine erste Matthäus-Passion aus dem Jahr 1769 ist in mehrfacher Hinsicht eine Besonderheit: Zum einen verwendet Carl Philipp Emanuel Bach in diesem Werk auch Musik seines Vaters, Johann Sebastian, zum anderen setzt er hier - für eine Passionsmusik äußerst ungewöhnlich - auch Hörner und Pauken im Orchester ein. Diese Produktion schließt eine große Lücke in der deutschen Musikgeschichte der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Georg Friedrich Händel "Konzerte für Cembalo" (Wolfgang Glüxam -Gradus ad Parnassum Wien - Hiro Kurosaki). Erstaufnahme von Orgelkonzerten Händels, den Originaldrucken entsprechend gespielt am Cembalo. Zwischen den Teilen seiner Oratorien ließ Georg Friedrich Händel seine bekannten "Orgelkonzerte" spielen. Kaum bekannt ist, dass diese Konzerte zu Lebzeiten und mit Genehmigung des Komponisten wahlweise für Orgel oder Cembalo im Druck erschienen. Während es einige Aufnahmen der Orgelkonzerte gibt, existiert kurioserweise keine auf Cembalo mit Begleitung von historischen Instrumenten.

Evaristo Felice dall'Abaco "Concerti a 4 op. 2" (Il Tempio Armonico - Alberto Rasi). Barockmusik und Italien sind untrennbar mit dem Namen Antonio Vivaldi verbunden. Obwohl der Veroneser Evaristo Felice dall'Abaco herrliche Konzerte schrieb, sind diese heute nur Spezialisten bekannt. Seine Sammlung op. 2, dem Herzog von Bayern gewidmet, beinhaltet Kammerkonzerte - u. a. auch ein Cellokonzert -, die weit über Gebrauchmusik hinausgehen. Das erst vor kurzem gegründete Ensemble "Il Tempio Armonico" aus Verona unter der Leitung von Alberto Rasi, einem Künstler aus den Reihen Ton Koopmans, veröffentlicht hiermit seine erste CD.

Johann Theile "Matthäus-Passion" (Cappella Nova Graz - Otto Kargl). Erstaufnahme der "Matthäus-Passion" von Theile mit - der Praxis der Zeit entsprechend - eingefügten Motetten. Eine Produktion, die dokumentiert, wie eine Passionsmusik in Deutschland vor Johann Sebastian Bach geklungen hat.

Baldassare Galuppi "Vokal- und Instrumentalmusik" (Accademia di San Rocco). Erstaufnahme von Werken Galuppis aus den Beständen der "Biblioteca Marciana Venezia". Der Venezianer Baldassare Galuppi war einer der großen italienischen Stars des 18. Jahrhundert. Seine Opern wurden praktisch in ganz Europa gespielt. In der Biblioteca Marciana in Venedig sind einige wertvolle Kompositionen von ihm erhalten.

Die erste Ausgabe der "Unica"-Reihe "Musik aus Brixen" ist als Ö1-Doppel-CD im ORF-Shop Tel. Nr.: 01/501 70/373, Fax 01/501 70/375, Mail: orfshop@orf.at und im Fachhandel zum Preis von Euro 28,90 (für Ö1-Clubmitglieder Euro 26) erhältlich.(ih)

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