Peymann: Berlin-Entscheidung am Dienstag - "Könnte dramatisch werden"

Wien (OTS) - Ex-"Burg"-Chef Claus Peymann, derzeit Intendant des Berliner Ensembles, wird am kommenden Dienstag - nach der Salzburger Festspielpremiere von Turrinis Da Ponte in Santa Fé" - in einem Gespräch mit dem Berliner Kultursenator über seine Zukunft entscheiden. Das erklärt Peymann in einem Interview für die morgen erscheinende NEWS-Ausgabe.

Peymanns Vertrag läuft bis 2004, die Verlängerung macht er von budgetären Zusicherungen der Stadt ab. Peymann, der u. a. mit dem Hamburger Schauspielhaus in Verbindung gebracht wird: "In den letzten vier Wochen gab es ein paar nicht ganz undramatische Gespräche. Meine Verlängerung ist noch nicht wasserdicht. Diese Nachricht hat für eine ganze Reihe von Theatern in Europa Begehrlichkeiten geweckt, die alles Denkbare versprechen. Ich muss abwägen, wie groß das Vertrauen zum Berliner Senat ist. Es könnte noch dramatisch werden."

Peymann weiter in NEWS: Er würde es allerdings vorziehen, in Berlin weiterzuarbeiten., auch, weil er seine Ansage, "Reißzahn im Regierungsviertel" sein zu wollen, noch nicht verwirklicht habe. "Habe ich in Berlin zu viele Freunde und fehlt mir das Wiener Gift? (Gelächter) Nach Bernhards ,Heldenplatz’ war Österreich nicht mehr das gleiche Land wie vorher. Auch in Berlin lagert viel Zündstoff. Die Vorstellungen sollten so hell aufleuchten, dass die Stadt brennt. Jedenfalls werde ich mich nicht als umjubelter, aber harmloser Theateropa verabschieden."

Peymann gibt auch ein originelles Detail am Rande bekannt:
Staatsoperndirektor Holender habe in der Salzburger Turrini-Uraufführung den von Heribert Sasse verkörperten kriminellen Operndirektor Brodnick spielen wollen. Peymann, ironisch: "Die Chance, sich in einem Theaterstück zu verewigen, habe ich ihm aber gründlich vermasselt. Es reicht doch, was er in der Staatsoper anrichtet (Gelächter)."

Peymann zum Burgtheater: ”Ich eigne mich nun einmal nicht zum Verwalter eines Luxushotels. In den 13 Jahren der Direktion Peymann war das Burgtheater immer ein leicht entflammbares Gebilde. Manchmal brannte es lichterloh. Die Menschen haben immer auf das besondere Erlebnis gehofft, haben es oft bekommen und manchmal dafür auch schwächere Qualiät in Kauf genommen.Die heutige "Burg" ist vielleicht in einigen Punkten hundertprozentiger, aber trotzdem auch lebloser, weil sie ganz und gar im Kunstraum bleibt.”

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