Fußgängerproblematik - Rotgeher

KfV präsentiert Pilotstudie zum Thema Fußgängerproblematik -Rotgeher. Zu lange Wartezeiten an den Ampeln verleiten zum Rotgehen. KfV: Grün für alle Fußgänger an bestimmten Kreuzungen sinnvoll

Wien (OTS) - Jeder Verkehrsteilnehmer ist auch Fußgänger. Zwar werden laut österreichischer Mobilitätserhebung nur 27 Prozent der Wege ausschließlich zu Fuß zurückgelegt. Tatsächlich beinhaltet aber beinahe jede Ortsveränderung auch einen Fußweg. Von den motorisierten Verkehrsteilnehmern wird häufig vergessen, dass jeder auch einmal selbst Fußgänger ist - auch wenn es nur der Weg zum Parkplatz oder zur Haltestelle sein sollte. Leider gibt es nach wie vor viel zu viele Unfälle mit den am geringsten geschützten Verkehrsteilnehmern. Insgesamt ist die Zahl der Unfälle mit beteiligten Fußgängern und die der Verletzten gestiegen. Im Jahr 2001 wurden insgesamt 4.494 Fußgänger verletzt - die Altersgruppe der über 64-jährigen ist mit 22% am stärksten betroffen. Ein Viertel aller bei Verkehrsunfällen verletzten Fußgänger waren Kinder unter 14 Jahren. Dazu Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV): "Jedes Jahr gibt es rund 4.500 Fußgänger-Unfälle mit Personenschaden, 650 davon ereignen sich auf ampelgeregelten Kreuzungen - eine der häufigsten Unfallursachen sind Fußgängerquerungen bei Rotlicht. Gründe für das Rotgehen sind häufig Eile und zu lange Wartezeiten an den Ampeln". Bei Unfällen werden die ungeschützten Fußgänger zumeist besonders schwer verletzt. Das höchste Risiko tragen ältere Personen und Kinder.

50% der Fußgänger-Unfälle auf geregelten Kreuzungen werden von Rotgehern verursacht

Fußgänger wurden früher oft als Hemmnis für den Fahrzeug-Verkehr angesehen. Das zeigt sich nicht nur durch die Gestaltung von Ampeln, welche die Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge in den Mittelpunkt stellt, sondern auch in der Sprache der Verkehrsplaner: Der Fußgänger kreuzt nicht, er "quert" - kommt also in die Quere. Kein Wunder also, dass sich manche Fußgänger nicht an die aufgezwungenen Regeln halten. Warum das so ist, beschreibt die nun vorliegende Studie. Diese beschäftigt sich vor allem mit der Problematik der Rotgeher - also jener Personengruppe, die bei Rot eine lichtsignalgeregelte Kreuzung quert. Sie zeigt, dass die daraus resultierende Gefährdung nicht zu unterschätzen ist. Bei 50% der Fußgänger-Unfälle an geregelten Kreuzungen vermerkt die Exekutive Fehlverhalten der Fußgänger.

73 Prozent der Rotgeher sind Erwachsene

9 Kreuzungen in Wien wurden untersucht. Von insgesamt 6.500 beobachteten Fußgängern wurden 996 Rotgeher (gehen bei Rot über die Kreuzung) und Rotläufer (laufen bei Rot über die Kreuzung) gezählt. Erwachsene führen die unrühmliche Statistik an (73%), gefolgt von Senioren (19%). Jugendliche stellen mit 8 Prozent die geringsten Rotquerer, aber - verständlicherweise - den höchsten Anteil an Rotläufern. In der Kategorie Früh- und Spätstarter (Frühstarter:
Personen betreten 1-5 Sekunden vor Beginn der Grünphase bei rotem Licht für Fußgänger die Fahrbahn; Spätstarter: Personen betreten 1-5 Sekunden nach Beginn der Grünphase bei rotem Licht für Fußgänger die Fahrbahn) zählen vor allem die Senioren mit 41% zu den Spätstartern.

Warum geht man bei Rot ?

Studienautor DI Klaus Robatsch vom KfV erklärt: "36 Prozent der befragten Personen gaben an, dass sie es eilig hatten, für 25 Prozent war die Wartezeit an der Ampel einfach zu lang. Weitere 25 Prozent rechtfertigten sich, dass es ohnehin gleich grün würde (Frühstarter) und 18 Prozent gaben an, dass sie anderen Rotgehern folgten. Häufig wurden auch als Gründe angegeben, dass ein Verkehrsmittel erreicht werden wollte oder dass man ‚nicht alleine stehen bleiben möchte'".

Bei Verkehrsplanung Rücksicht auf ungeschützte Verkehrsteilnehmer nehmen!

"Anhand dieser Studie sollen nicht nur die Beweggründe der Rotgeher erfasst werden. Es soll auch festgestellt werden in welchem Ausmaß dadurch die Verkehrssicherheit gefährdet ist. Hohe Rotgeheranteile sind auch auf nicht fußgängergerecht konzipierte Lichtsignalanlagen bzw. Straßengestaltung zurückzuführen. Dabei sind Kriterien für die Verkehrsplanung und Verkehrsorganisation abzuleiten, die auf das Mobilitätsbedürfnis der Fußgänger Rücksicht nehmen. Ungeschützte Verkehrsteilnehmer werden in der Planung oft nicht berücksichtigt", erklärt Thann.

Grünzeitverteilung an Verkehrsverhältnisse anpassen!

Laut KfV müssen Lichtsignalanlagen die Sicherheit, Leichtigkeit und Flüssigkeit der Verkehrsabläufe und die Bewegungsfreiheit von Fußgängern berücksichtigen - der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer muss übergeordnete Bedeutung zukommen. "Rotgehen ist laut der vorliegenden Studie in erster Linie als Folge von nicht auf den augenblicklichen Verkehrsverhältnissen entsprechenden Grünzeitverteilungen zu sehen. Dadurch entstehen nicht nachvollziehbare Wartezeiten, die von vielen nicht akzeptiert werden", erläutert KfV-Direktor Thann die Situation.

Geringere Querungslänge hilft älteren Menschen

Die Studienautoren DI Klaus Robatsch und Dr. Markus Mailer führen das Rotgehen in erster Linie darauf zurück, dass der Fußgänger "Rot" hat, obwohl kein Auto vorbeifährt: "Die während der Morgen- und Abendspitzenzeiten vom Kfz-Verkehr benötigten langen Grün-Phasen sind außerhalb der "Rush Hour" nicht sinnvoll. Es genügen kürzere Grünzeiten, welche die Wartezeit für den Fußgänger verringern. Die Verkehrsregelung wird logischer und nachvollziehbarer. Außerdem sollten die Querungslänge für den Fußgänger-Verkehr möglichst gering sein, um auch älteren oder behinderten Menschen zu ermöglichen, die ganze Fahrbahn bei Grün zu queren". Laut KfV wäre eine Kürzung der Querungslängen z.B. durch Gehsteigvorziehung oder ausreichend breite Mittelinseln ebenso hilfreich wie die Verkürzung der Ampelphasen (Umlaufzeiten).

Dass jemand noch schnell bei Rot über die Kreuzung läuft, um Bus oder Straßenbahn zu erwischen, kommt häufig vor - ist aber besonders gefährlich. Um das "Rotlaufen" zu verhindern, schlägt das KfV eine einfache Regelung vor: Sobald das öffentliche Verkehrsmittel in die Haltestelle einfährt sollen alle Fußgänger "Grün" bekommen. Haltestelleninseln müssen an beiden Enden und von beiden Straßenseiten gesichert erreicht werden können.

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OTS0047 2002-07-23/10:30

231030 Jul 02

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