Gusenbauer schlägt Alarm: Mindestens 15.000 Jugendliche im Sommer ohne Lehrstelle

Allein Lehrplätze im öffentlichen Dienst schrumpfen um bis zu 2.000 - SPÖ fordert Einrichtung eines Lehrlingsfonds

Wien (SK) Auf die "alarmierende Situation" der Lehrstellensuchenden machte SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer am Montag bei seinem Betriebsbesuch in der Lehrwerkstätte von Opel Austria in Wien aufmerksam. Laut offiziellen AMS-Zahlen würden nach dem Schulschluss Österreichweit derzeit 11.669 Lehrstellensuchenden lediglich 7.887 offenen Lehrplätze gegenüberstehen. "Erfahrungsgemäß kommen zu dieser bereits Besorgnis erregenden Zahl über den Sommer noch einmal 3.000 bis 4.000 Lehrstellensuchende hinzu, die derzeit noch AMS- und sonstigen Schulungen absolvieren", betonte Gusenbauer gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. Nach Prognosen des AMS kommen im Jahr 2002 3,3 Lehrstellensuchende Jugendliche auf eine freie Lehrstelle. ****

"Verharrt die Bundesregierung weiter in ihrer wirtschafts- und beschäftigungspolitischen Ohnmacht, stehen im September mindestens 15.000 Jugendliche ohne Lehrstelle auf der Straße", sieht Gusenbauer akuten Handlungsbedarf, denn jetzt sei es für Maßnahmen noch nicht zu spät. Der SPÖ-Vorsitzende appelliert deshalb an Arbeitsminister Bartenstein, der immerhin großspurig jedem Jugendlichen einen Ausbildungsplatz garantiert habe, aktiv zu werden und umgehend die regionalen Beschäftigungsgipfel, die sich u.a. aus Sozialpartner und den Landesschulräten konstituieren, einzuberufen. Eile sei geboten. Im vergangenen Jahr habe sich die Regierung dabei zu viel Zeit gelassen - die Maßnahme sei im November bereits viel zu spät gekommen.

"Angesichts dieser dramatischen Entwicklung am Lehrstellenmarkt ist es zynisch und verantwortungslos, dass die blau-schwarze Regierung statt in Aus- und Weiterbildung zu investieren und damit jungen Menschen eine Perspektive für die Zukunft zu geben, zig Millionen Euro für sinnloses Kriegsspielzeug zum Fenster hinauswirft", erteilt der SPÖ-Vorsitzende dem Ankauf der Abfangjäger eine klare Absage.

Auch die Zahl der angebotenen Lehrstellen im öffentlichen Dienst sei rückläufig, sagte Gusenbauer. In der Verwaltung werden junge Menschen zum Großteil zu VerwaltungsassistentInnen ausgebildet, was dem Berufsbild einer Bürokauffrau bzw. eines Bürokaufmanns entspricht. "Im Jahr 2001 befanden sich noch 5.773 Lehrlinge in der öffentlichen Verwaltung in Ausbildung. Das waren bereits um knapp 500 Lehrlinge weniger wie im Vorjahr. Es ist zu befürchten, dass die Zahl heuer auf knapp 5.000 Lehrlinge schrumpfen wird", gab Gusenbauer zu bedenken.

"Durch die Einsparungen im Zuge der Verwaltungsreform ist aber zu befürchten, dass die Zahl der Lehrplätze im öffentlichen Dienst in den nächsten Jahren um 1.000 bis 2.000 weiter schrumpfen wird", warnte der SPÖ-Vorsitzende. Gusenbauer fordert, dass es im Bundes-und Landesdienst für Lehrlinge keinen Aufnahmestopp geben dürfe und Lehrplätze nicht in die Planstellen eingerechnet werden dürften - der öffentliche Dienst müsse vielmehr in Sachen Lehrlingsausbildung "Vorbildwirkung für die Privatwirtschaft tragen".

Die Opel-Lehrwerkstätte bezeichnete Gusenbauer als "Vorzeigemodell, das Österreich weit für die Wirtschaft zur Anwendung kommen sollte", weil es sich dabei um eine Lehrwerkstätte handelt, die im Verbund mit anderen Unternehmen (Otis, Kohne, Opel-Beyschlag) bei der Lehrlingsausbildung zusammenarbeitet und gegen Ersatz der Ausbildungskosten Lehrlinge auch für andere Betriebe ausbildet. Gusenbauer erneuerte in diesem Zusammenhang die Forderung der SPÖ nach Einrichtung eines Lehrlingsfonds, mit dem ein Lastenausgleich zwischen den Betrieben, die Lehrlinge ausbilden und solchen, die das nicht tun, geschaffen werden könnte. (Schluss) hm

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