SP-Muttonen: Zahlreiche Fragen zum Verkauf des Bundesverlages offen

Wien (SK) Die bisherigen Entwicklungen rund um den geplanten Verkauf des österreichischen Bundesverlages hätten keinesfalls dazu beigetragen, die Sorge um die Zukunft der österreichischen Literatur zu entkräften, erklärte SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen am Freitag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. "Dem Vernehmen nach sollen die Verhandlungen im Sommer abgeschlossen werden; offen ist noch immer, ob der Bundesverlag als Ganzes verkauft oder 'filetiert' an verschiedene Käufer veräußert werden wird". ****

Und damit, so Muttonen weiter, sei beim anstehenden Verkauf dieser sensiblen kulturellen Produktionsstätten eine Reihe weiterer Fragen offen:

* Wie soll konkret eine Sicherung österreichischer Interessen in den Bereichen Kultur und Schulbuch auch unter geänderten Eigentumsverhältnissen erfolgen?

* Durch wen werden die österreichischen Interessen bei einem möglichen Verkauf gesichert?

* Werden und können überhaupt kulturpolitische Auflagen beim Verkauf gemacht werden?

* Wie sollen die neuen Eigentümer der drei Publikumsverlage des Österreichischen Bundesverlags (Residenz, Deuticke und Brandstätter) verpflichtet werden, im Interesse der österreichischen AutorInnen zu agieren?

* Wird es für die Verlagsstandorte Salzburg und Wien Standortgarantien zum Erhalt der Vitalität und Vielfalt der österreichischen Verlagslandschaft geben?

* Wird es die von der IG AutorInnen geforderte Mischkalkulation geben?

* Wird der Verkaufserlös aus der Privatisierung des Österreichischen Bundesverlages in die Verlagsförderung fließen?

* Welche Auswirkungen wird der Verkauf auf die Beschäftigtensituation haben?

"Bisher haben weder der Kunststaatssekretär, noch die Bildungsministerin, noch der Finanzminister zufriedenstellende Antworten auf diese zahlreichen Fragen geben können. Vielmehr wird der Verkauf des österreichischen Bundesverlages hinter verschlossenen Türen unter strengster Geheimhaltung abgewickelt. Dieses Vorgehen schürt Befürchtungen, wonach die Privatisierung des Österreichischen Bundesverlages nach ausschließlich materiellen Gesichtspunkten erfolgt und daher die kulturpolitische Dimension der österreichischen Literatur nur eine untergeordnete Rolle spielen wird", kritisierte Muttonen.

Europaweit werde Literatur zunehmend als Ware betrachtet:
Hauptkriterium sei nicht mehr die Förderung der Schriftsteller, sondern der Umsatz. Logischerweise werde daher eher in Bestseller investiert - und damit sei unbekannte und experimentelle Literatur schwer verkäuflich und bleibe auf der Strecke. "Unter diesem Aspekt ist der Rückzug des österreichischen Staates aus dem Verlagswesen in seiner Rolle als Garant für die Produktion von Qualitätsliteratur fatal. Verlage haben als wichtiger Bestandteil der ‚nationalen Kultur' eine wichtige kulturpolitische Bedeutung, die sich nicht in erster Linie in Zahlen ausdrücken lässt. Der Verkauf des Bundesverlages und seiner drei Publikumsverlage Residenz, Deuticke und Brandstätter wird es dem Großteil der österreichischen AutorInnen deutlich erschweren, ihre Werke einem breiteren Publikum zugänglich zu machen", sagte Muttonen abschließend. (Schluss) up/mp

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