UNFALLHILFE FÜR BERUFSKRAFTFAHRER - ANRUF GENÜGT!

Seit Dezember 2001 gibt es das "Notruf-Team44 - Unfallhilfe für Berufskraftfahrer", wo psychologische und rechtlich-soziale Unterstützung in Anspruch genommen werden kann. Das erfolgreiche Projekt wird heute beim Psychotherapie-Weltkongress präsentiert

Wien (OTS) - Im Jahr 2001 ereigneten sich 2.087 Unfälle mit Lkw-Beteiligung (>3,5 t), dabei wurden 2.820 Personen verletzt und 124 getötet. Im Busverkehr ereigneten sich im selben Zeitraum 785 Unfälle. Ein schwerer Unfall kann für Berufskraftfahrer nicht nur physische, sondern auch psychische Belastungen nach sich ziehen, denen häufig zuwenig Beachtung geschenkt wird. Das Projekt "Psychosoziale Nachsorge von Berufskraftfahrern nach schweren Unfällen" - initiiert von Gewerkschaft HTV, Kammern für Arbeiter und Angestellte, Wirtschaftskammer Österreich, AUVA, Institut für Verkehrspsychologie des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) sowie ppm forschung + beratung - kümmert sich genau um diese Belange. Von den Unfallopfern wird diese Nachsorge gerne angenommen: "Wir erhalten positive Rückmeldungen von Unfallopfern, die diese Hilfe in Anspruch genommen haben. Die Wirksamkeit ist vorhanden und schon während des Gesprächs wird eine Änderung des Verhaltens bemerkbar. Auch Organisationen, die akute Krisenintervention betreiben, sehen uns als notwendige Unterstützung und Ergänzung zur Erstversorgung", beschreibt Mag. Helmuth Wolf vom KfV die bisherigen Erfahrungen.

Betreuung muss sofort nach Unfall erfolgen

"Menschen, die einen schweren Verkehrsunfall erlebt haben, leiden unter einer akuten Belastungsreaktion. Diese kann sich in einem plötzlich auftretenden unwillkürlichen Wiedererleben des Unfalls, in Übererregtheit, Schlafstörungen, Gereiztheit, in dem Gefühl der Abgestumpftheit und der Vermeidung von Reizen, die an das Trauma erinnern, äußern. Wichtig ist, dass die psychologische Nachbetreuung bald nach dem Unfall beginnt - am besten innerhalb der ersten 72 Stunden. So kann eine posttraumatische Belastungsstörung gelindert oder gar ganz verhindert werden", erklärt Diplompsychologin Anette Christ-Hohmann vom KfV.

Schnelle Hilfe über Notrufnummer

Unter der Notrufnummer 0664/44 0 44 44 wird das Notruf-Team44, das von der AUVA, vom Verkehrssicherheitsfonds und dem Fonds Gesundes Österreich getragen wird, erreicht. Verunfallten Berufskraftfahrern (Lkw oder Bus) und selbstfahrenden Unternehmern wird psychologische Betreuung zur Verfügung gestellt und sie werden auf Wunsch in sozialen und rechtlichen Belangen beraten. Schon beim Erstkontakt über die Notrufnummer wird der Fahrer tagsüber, auch an den Wochenenden, von speziell geschultem Personal betreut. Der Betroffene erhält, nachdem die wichtigsten Daten erhoben wurden, wenig später von einem Notfallpsychologen den Rückruf, um einen Termin für ein ausführliches Beratungsgespräch zu vereinbaren. Weitere Informationen gibt es unter: www.notruf-team44.at

Ohne Nachbetreuung 20-30% beeinträchtigt

Leidet jemand länger als 6 Wochen unter den genannten Zuständen, liegt eine Posttraumatische Belastungsstörung vor (PTBS oder PTSD). Diese wird als Krankheit gewertet und entsprechende Behandlungen werden zumindest zum Teil von den Krankenkassen mitgetragen. Studien über psychische Folgen durch Verkehrsunfälle berichten davon, dass 20-30% der Beteiligten Beeinträchtigungen durch posttraumatische Belastungsstörungen (PTSD) erfahren, wenn sie keine psychologische Nachbetreuung erhalten. Symptome bei PTSD sind Angststörungen, Depressionen, Gereiztheit, erhöhte Aggressionsbereitschaft, Schlafstörungen usw. Bis zu einem Drittel der Betroffenen - das entspricht pro Jahr in Österreich ca. 200 Menschen - sind langfristig aufgrund dieser schweren emotionalen und psychischen Belastungen in ihrer Handlungsfähigkeit deutlich eingeschränkt und müssen aus ihrem Beruf ausscheiden.

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OTS0047 2002-07-18/09:56

180956 Jul 02

Kuratorium für Verkehrssicherheit
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