Semperit stirbt - Schwarz-Blau sieht zu

Chemiegewerkschaft kritisiert die Untätigkeit der Regierung

Wien (GdC/ÖGB). Am Freitag, den 19. Juli 2002, fällt der letzte Reifen im österreichischen Traditionswerk Traiskirchen vom Förderband. "Damit ist die Reifenproduktion im Werk Traiskirchen zu Ende", sagt der Vorsitzende der Gewerkschaft der Chemiearbeiter, Wilhelm Beck und kritisiert die Untätigkeit der Regierung hinsichtlich der Rettung von Semperit. "Es ist schon sehr eigenartig, wie die schwarz-blaue Regierung mit Arbeitsplätzen in einer derart krisengeschüttelten Region umgeht", meint Beck.++++

Nach dem Ende der Reifenproduktion bleibt vorerst die Mischanlage als Zubringer für einige Billiglohnstandorte in Tschechien und Rumänien am Standort Traiskirchen, wobei die künftigen Produktionsauslastungen von der Firma Continental ständig zurückgenommen werden. Fest steht, dass mit einem Schlag rund Tausend Semperit-Mitarbeiter ihren Job und noch eine mindestens doppelt so hohe Anzahl an Mitarbeitern in den Zulieferbetrieben ihre Existenzgrundlage verlieren werden und damit Hunderte Familien vor existenzielle Probleme gestellt sind, stellt die Gewerkschaft fest.

Keine Aktivitäten für neue Arbeitsplätze

Zum fehlenden Einsatz der Regierung zur Rettung von Semperit sagt Beck: "Es ist symptomatisch für die derzeitige Regierung, dass man mit vollen Händen Steuergelder in unnütze Abfangjäger investiert und Arbeitsplätze mutwillig vernichtet werden. Eine Verhöhnung der betroffenen Arbeitnehmer ist es mittlerweile vom Wirtschafts- und Arbeitsminister Bartenstein, wenn er im südlichen Wien von Hunderten oder Tausenden Arbeitsplätzen im sogenannten Automobilcluster spricht. Dazu ist zu bemerken, dass keinerlei Aktivitäten in diese Richtung gesetzt werden und die betroffenen Arbeitnehmer der Semperit und sämtlicher Zulieferer vor dem Nichts stehen."

Regierung und Landeschef auf Tauchstation

Auch die Reaktion der Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer ist für die Gewerkschaft der Chemiearbeiter "unangebracht": In einer Stellungnahme weist sie lediglich darauf hin, dass sie eigentlich nicht zuständig ist. Der schwarze "Landesvater" Erwin Pröll ist in der Causa Traiskirchen offenbar auf Tauchstation. Eben so wenig erreichbar ist nach Aussagen von mehreren Conti-Managern der Bundeskanzler. "Offensichtlich ist das eine neue Form, wie sich ein Bundeskanzler um die arbeitenden Menschen in diesem Land bemüht", wundert sich Wilhelm Beck.

Auch wenn es bereits zu spät sein könnte sind alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um den betroffenen Arbeitnehmern - geschätzt zwei- bis dreitausend - zu helfen. Wilhelm Beck bringt es auf den Punkt: "Die derzeitige Regierung macht eine kurzsichtige Politik und nicht für die Beschäftigten in Österreich. Fehler wie diese sind so gut wie unmöglich zu reparieren, dass zeigt das Beispiel Semperit. Hunderte Familien sind in ihrer Existenz bedroht, eine gesamte Region in Mitleidenschaft gezogen, Folgewirkungen für Klein- und Mittelbetriebe nicht absehbar. Die Zwischenbilanz dieser blau-schwarzen Koalitionsregierung ist schlicht und einfach vernichtend, die Einführung der Ambulanzgebühren, die Anhebung des Pensionsantrittsalters, die Einführung der Studiengebühr und der Umgang mit Krankenkassen sprechen eine deutliche Sprache. Semperit Traiskirchen ist nur das berühmte Tüpfelchen auf dem i, doch sind nunmehr die Politiker aller Fraktionen dringend aufgefordert, hier sofort im Sinne der arbeitenden Menschen und eines sozialen Friedens zu reagieren."

ÖGB, 18. Juli 2002 Nr. 608

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