Morak: Freundschaftliche und tabufreie Diskussion über historische Erinnerung

Rede zur Festspieleröffnung in Bregenz im Zeichen des Verhältnisses zu unseren tschechischen Nachbarn

Wien/Bregenz (OTS) - "Eine freundschaftliche und tabufreie Diskussion über unsere wechselseitigen Erfahrungen und historischen Erinnerungen" bezeichnete Kunststaatssekretär Franz Morak heute, Mittwoch, anlässlich der Eröffnung der Bregenzer Festspiele als "Voraussetzung für ein gutnachbarschaftliches Verhältnis zwischen Österreich und der Tschechischen Republik". Morak skizzierte in seiner Rede die Grundzüge einer solchen Nachbarschaftlichen Beziehung mit der Tschechischen Republik. An der Schwelle zur Erweiterung der EU muss es uns darum gehen, wechselseitiges Vertrauen aufzubauen und einen gemeinsamen Vorrat an geistigen und kulturellen Erfahrungen den Hypotheken der Vergangenheit gegenüberzustellen. Dazu bedarf es unabdingbar des geduldigen Gesprächs, des gegenseitigen Zuhörens und des gemeinsamen Erforschens der Vergangenheit. Dann wird auch der Zeitpunkt kommen, an dem Fehler sichtbar und das Eingestehen von Schuld möglich wird. Am Ende dieses Prozesses werden eine
gute Nachbarschaft und eine harmonische Kooperation in einem größer gewordenen Europa stehen können", so Morak.

Bei der Oper des Tschechischen Komponisten Bohuslav Martinu "Juliette" werde das Thema "Vergessen" in einem künstlerischen Kontext von höchster Qualität aufgearbeitet. In diesem Zusammenhang "drängt sich die Frage nach unserem Verhältnis zur Realität auf", so Morak. Mit seiner Oper formuliere Martinu
auch etwas, "was wie ein Menetekel über unserem Verhältnis zu unserem Nachbarn steht". Über der Beziehung zwischen Österreich und der Tschechischen Republik "lasten heute die Schatten der Verweigerung der Aufarbeitung der historischen Erinnerung", so Morak weiter, der darauf verwies, dass Österreich und Tschechien ein ähnliches Szenario drohe, wie Michelle in Martinus Oper auf der Suche nach seiner geliebten Julietta: "Dass wir zwar anfänglich wissen, was wir wollen, uns aber allmählich in den Wirrnissen einer unendlichen Abfolge komplexer Augenblicke verlieren und am Ende die Chance zur Vereinigung mit Julietta verpassen. Ich denke, dass wir als Nachbarn die Botschaft dieser Oper aufgreifen sollten", forderte Morak in seiner Rede.

Das in den nächsten Wochen in Bregenz stattfindende Programm der Bregenzer Festspiele "legt einmal mehr Zeugnis ab von der Weltoffenheit dieses Festivals an der Schnittstelle von Österreich, Deutschland, Schweiz und unserem Nachbarn Liechtenstein. In einer exemplarischen Weise gelingt es heuer wieder, internationale Vernetzungen zu schaffen und dabei eine Synthese von Tradition, Moderne und Avantgarde herzustellen", so Morak.

Die Bregenzer Festspiele hätten in den letzten Jahren neben dem Spiel am See ein qualitativ hochstehendes Avantgardeprogramm hochgezogen. Dies sei umso bemerkenswerter, als der Anteil der Eigeneinnahmen der Bregenzer Festspiele in den vergangenen 20 Jahren von damals 30 % auf heute 70 % des mittlerweile auf 20 Mio. Euro angewachsenen Jahresbudgets gesteigert werden konnte, berichtete Morak. "Den Bregenzer Festspielen ist die sprichwörtliche Quadratur des Kreises gelungen - nämlich massenattraktiv zu sein und dabei höchsten künstlerischen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden".

"Diese Erfolgsgeschichte ist ein Verdienst der perfekten Zusammenarbeit des künstlerischen Leiters der Festspiele, Prof. Alfred Wopmann und des kaufmännischen Direktors, Dkfm. Franz Salzmann. Vor allem ist sie dem Geschick und dem Können des Präsidenten der Festspiele, Dipl.-Ing. Günter Rhomberg zuzuschreiben. Er hat Bregenz zu dem geformt, was es heute ist", so Morak abschließend.

Staatssekretär Morak nimmt im Rahmen der Eröffnung der Festspiele an den beiden Eröffnungspremieren teil. Am Donnerstag stattet Morak seinem liechtensteinischen Amtskollegen Minister Alois Ospelt einen Besuch ab und wird im Rahmen seines Aufenthaltes u.a. das Kunstmuseum Vaduz besuchen. Im Anschluss lädt Staatssekretär Morak Minster Ospelt zur Wiederaufnahme der Seeproduktion La Bohème.

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171007 Jul 02

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