DER STANDARD-Bericht: "Staatsanteil signalisiert für ÖIAG Stabilität" - Erscheinungstag 17.7.2002

Wien (ots) - Für den neuen ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch haben Staatsbeteiligungen nach wie vor Charme. Voest, Post und Co stünden zwar permanent auf dem Prüfstand. Die Verstaatlichtenholding stehe aber nicht unter Privatisierungsdruck, entscheidend sei der Verkaufspreis.

Der neue Vorstand der staatlichen Beteiligungsholding ÖIAG, Rainer Wieltsch, geht auf Distanz zu Grundpfeilern und "Liebkindern" der schwarz-blauen Wirtschaftspolitik. "Ich glaube, dass durchaus positive Kräfte von Staatsbeteiligungen ausgehen. Sie signalisieren Stabilität", sagte Wieltsch im Gespräch mit dem Standard.

So ist der frühere Finanzchef des Spanplatten- und Getränkeimperiums Egger kein Freund überhasteter Privatisierungen. Zudem verteidigt Wieltsch ganz offen die Rolle der ÖIAG als Kernaktionär - eine Sichtweise, die ÖIAG- Vorstandschef Rudolf Streicher Anfang 2001 seinen Job kostete. Und: Wieltsch nimmt die von Finanzminister Karl-Heinz Grasser anvisierte Auflösung der ÖIAG samt Verkauf aller Beteiligungen bis spätestens 2007 "als sportliche Herausforderung" -unter Zeitdruck will er sich jedoch nicht setzen lassen: "Wir lassen uns prioritär vom erzielbaren Preis und den Verkaufsmöglichkeiten leiten und nicht vom Termin."

Der 58-Jährige sieht sich in keiner politischen Rolle. "Ich habe keine Geschichte in der verstaatlichten Industrie. Ich bin ein Profi und keine politische Besetzung." Sein Vertrag in der ÖIAG laufe drei Jahre, "dann bin ich im Frühpensionsalter", kokettiert Wieltsch.

Zu den einzelnen ÖIAG-Beteiligungen hielt sich Wieltsch sehr bedeckt. Klar sei aber, dass die Beteiligungen wie etwa die Voestalpine permanent auf dem Prüfstand stünden. Dort sei ein Verkauf von neun Prozent bis herunter auf die Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie denkbar. "Wir haben für die Perle Voestalpine Überlegungen in alle Richtungen - von Finanz- bis strategischen Investoren".

Ehe Wieltsch in die ÖIAG kam, war das Gegenteil passiert - die ÖIAG zog zur Hälfte bei der Voest-Kapitalerhöhung mit, um sich die Kontrolle zu sichern.

Dies bedeute aber keineswegs, dass die ÖIAG künftig automatisch bei Kapitalerhöhungen mitziehe. Konkret angesprochen auf die OMV, die aktuell über den Kauf von 27 Prozent an der staatlichen polnischen Ölgesellschaft PKN verhandelt, winkt Wieltsch ab: Er sehe derzeit kein Projekt der OMV, das eine Kapitalerhöhung respektive ein Mitziehen der ÖIAG nötig mache. "Wir gehen über diese Brücke erst, wenn der Fluss da ist."

In OMV-Unternehmenskreisen heißt es jedoch, es könnte bereits Ende August, Anfang September so weit sein. Der Finanzbedarf für das PKN-Viertel wird mit bis zu zwei Milliarden " beziffert.

Schwer verkäuflich

Spekulationen über eine Filetierung des angeschlagenen Anlagenbauers VA Tech wies Wieltsch zurück. Der Schaden aus der Pleite des deutschen Maschinenbauers Babcock sei "viel Pech" gewesen, beeinträchtige das operative Geschäft aber nicht. Obwohl Wieltsch zugibt, dass der Verkauf eines solchen "Konglomerates" schwer sei, gebe es derzeit weder Pläne, das Unternehmen von der Börse zu nehmen, noch die "gesunden" Teile zu verkaufen.

Für den Finanzminister, der möglichst bald ÖIAG-Dividenden sehen möchte, zeigt Wieltsch "Verständnis". Dennoch: Der Abbau der Schulden in Höhe von zwei Milliarden Euro "hat Vorrang".

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