Gewerkschaft kritisiert "neue Sklavenarbeit"

Auch das Pflegepersonal kommt unter die Räder

Wien (KMSfB/ÖGB). Was im Frächterskandal angeprangert wurde, ist beim Pflegepersonal Usus. Der in der Öffentlichkeit wenig diskutierte Pflegenotstand besteht für Wien und Niederösterreich seit vielen Jahren, stellt die Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe (KMSfB) fest.++++

Verschleiert wird die Problematik durch Mehrstundenleistung von atypisch beschäftigtem Pflegepersonal, sei es von Diplomierten oder Hilfsdiensten, über sogenannte "Poolfirmen" in praktisch allen Wiener und Niederösterreichischen geriatrischen Einrichtungen, Belegspitälern oder Ordenskrankenhäusern. Pflegepersonal arbeitet, zumeist neben einer regulären Dienstverpflichtung, bis zu 40 und mehr Stunden pro Woche zusätzlich auf Honorarbasis. Allein in Wien sind ca.36.000 Arbeitsstunden pro Monat dokumentiert, Tendenz steigend.

Manche Agenturen kontrollieren nur sehr mangelhaft Berufsberechtigung, Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen, Ausbildungsnachweise, geschweige denn Arbeitszeiten. Für die Vermittlung eines Zwölf-Stunden Dienstes werden bis zu 120 Prozent des Honorars, das die Pflegekraft erhält, an Vermittlungsprovision kassiert.

Illegal vermitteltes, nicht diplomiertes Personal erhält brutto oft nur 6,75 Euro pro Stunde als Entgelt für die harte Arbeit in der Geriatrie. Diplompersonal ist mit durchschnittlich brutto zehn Euro auch nicht gerade überbezahlt. Die Institutionen sparen auf diese Art mit "Poolpersonal" - bei Anteilen bis 80 Prozent des Personalbedarfes - Lohnnebenkosten in beträchtlichen Ausmaß, Agenturen verdienen sich goldene Nasen. Übrig bleiben Pflegepersonal und die in ihrer Obhut stehenden Bewohner von Heimen, sowie die Patienten.

Auf diese Weise ist eine "neue Sklavenarbeit" entstanden, stellt der Vorsitzende-Stellvertreter der Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe dazu fest. Die Politik ignoriert diese Situation leider, offensichtlich infolge der Kompliziertheit der Materie, meint die Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe. Sie kündigt weitere Aufklärungsarbeit über die Situation des Pflegepersonals an.

ÖGB, 16. Juli 2002
Nr. 604

Rückfragen & Kontakt:

***OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER
VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

OTS0139 2002-07-16/13:44

161344 Jul 02

Alexander Leitner: 0676/3359064
Ulli Pleschiutnigg: 0676/9185614

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/KMSfB/ÖGB