Polen: Bulletin Kultur

Polen - Russland: Kulturzusammenarbeit

Wien (OTS) - Am 28. Juni unterzeichneten die Kulturminister Polens und der Russischen Föderation Andrzej Celinski und Michail Schwydkoj in Warschau einen zweijährigen Vertrag über die Kulturzusammenarbeit zwischen beiden Staaten. Auf dem Königsschloss in Warschau findet die Ausstellung "Polnisches Silber in russischen Sammlungen" statt. Das Zentrum für Moderne Kunst in Warschau und das Zentrum für Moderne Kunst in St. Petersburg bereiten das gemeinsame Projekt vor. Das Polnische Nationaltheater besucht Moskau und St. Petersburg, während das Große Schauspielhaus aus Warschau sich auf der Bühne des Staatlichen Akademischen Großen Theaters in Moskau zeigt.

Zanussi in Moskau preisgekrönt

Am 29. Juni erhielt der Film "Supplement", der zweite Teil des "Lebens als tödliche, auf dem Geschlechtsweg übertragene Krankheit", von Krzysztof Zanussi auf dem 24. Internationalen Filmfestival in Moskau den Preis der internationalen Journalistenverbands FIPRESCI. Vor zwei Jahren gewann das "Leben..." hier den Hauptpreis im Wettbewerb. "Supplement" entstand u.a. aus Motiven und Szenen, die nicht in den ersten Teil des Films eingegangen waren. Wie auf der offiziellen Webseite des Festivals mitgeteilt wurde, nahm Krzysztof Zanussi den Preis nicht persönlich entgegen, da er von Wladimir Putin, dem Präsidenten Russlands, in den Kreml eingeladen worden war. In Vertretung des polnischen Regisseurs verlas der Schauspieler Pawel Okraska das Dankschreiben Zanussis.

Wiedergefundene Meisterwerke in Dylewo?

Am 2. Juli begannen in Dylewo (Wojewodschaft Ermland-Masuren) die Ausgrabungsarbeiten. Es besteht die Chance, dass Werke der antiken Kunst und äußerst wertvolle verschollene Skulpturen von Adolfo Wildt ausgegraben werden, von denen Europa seit 50 Jahren nichts gehört hat. Archäologen von der Warschauer Universität werden einen Monat lang vier Ar Grasfläche erkunden, die sich an die Überreste des Schlosses in Dylewo anschließt, wo sich derzeit eine Schule befindet. Der im Zweiten Weltkrieg von einer sowjetischen Bombe zerstörte Schlosskörper barg rund 200 Kunstwerke, die von dem deutschen Sammler Franz von Rose zusammengetragen worden waren. Das war die größte Sammlung von Kunstwerken vom Ende des 19., Anfang des 20.Jahrhunderts, ergänzt durch antike Originale, in Preußen. Die Ausgrabungskosten werden auf 30.000 PLN geschätzt. "Ich weiß, was ich finden will. Ich suche den antiken Sarkophag", sagte der die Arbeiten leitende Prof. Tomasz Mikocki, Direktor des Instituts für Archäologie der Warschauer Universität, der sich auf antike Bildhauerkunst spezialisiert. Der über zwei Meter lange Sarkophag wog ungefähr eine Tonne. Nach der Bombardierung musste er wie viele andere schwere Werke nach unten fallen. Er steckt irgendwo in den mit Erde überschütteten Trümmern. Die Ausgrabungen in Dylewo sind nicht typisch - man weiß, was vom Gras bedeckt ist. Die Enkelin des Sammlers schickte den Plan des Schlosses, Aufnahmen und Dokumentationen. Die Frage ist nur, ob die Werke, die heute sehr gut ein polnisches Museum bereichern könnten, dem Zahn der Zeit standgehalten haben. Es ist bekannt, dass die Gemälde, Stiche und Bücher den Brand nicht überdauern konnten. Aber es besteht eine große Chance, dass es gelingt, die verschollenen Skulpturen von Adolfo Wildt wieder zu finden, des lombardischen Symbolisten vom ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Wildt ist on the top und sehr geschätzt. Er gilt als zweitgrößter italienischer Marmorbildhauer nach Canova.

Mariusz Trelinski filmt "Balladyna"

Mariusz Trelinski plant, das aus dem 19. Jahrhundert stammende romantische Drama "Balladyna" von Juliusz Slowacki zu verfilmen. "Ich denke, dass überzeitliche Romane lebendig sind und man ihren Helden keine Jeans anziehen muss, damit sie modern denken. "Balladyna" wird das Porträt eines Menschen werden, der bei seinem Bestreben, sein Ziel zu erreichen, eins nach dem anderen aufgibt: Ethik, Liebe, Glauben und sogar die eigene Identität, darunter sein Geschlecht, um am Ende ein leeres Wrack zu werden, das - oh, Ironie des Schicksals! - sich an die Spitze der sozialen Hierarchie setzt", sagte Mariusz Trelinski. Eine so verstandene "Balladyna" soll in der Erfassung des Schöpfers der "Egoisten" und der "Sanften" eine Parabel des Schicksals des Menschen des 20. Jahrhunderts sein. Der Regisseur plant, den Originaltext Slowackis beizubehalten. Dabei betont er, dass ihm vor allem daran liegt, den Geist des Dramas wiederzugeben. Man kann Slowacki als ersten Postmodernisten bezeichnen. Bewusst und konsequent vermengt er die Zeit des Romans, die historische und die natürliche, mischt er die Jahreszeiten. Die Handlung spielt im heidnischen Polen [frühes Mittelalter], aber die Helden rufen den katholischen Gott an. Es gibt viele solche Anachronismen, darunter sogar die Einführung bestimmter Realien des 19. Jahrhunderts, den Lebzeiten Slowackis. Das baut eine überzeitliche, irreale, grotesk-absurde Vision der Welt. Der Film nutzt die strukturellen Merkmale des Urbilds und geht von den ältesten Zeiten bis in die Gegenwart. Auch die Ästhetik des Films wird evalvieren - beginnend bei der malerischen Engelhaftigkeit der Prä-Raffaeliten über den Expressionismus bis hin zum Minimalismus. "Ändern wird sich auch die Balladyna selbst", fügte der Regisseur hinzu. "Ich habe das Drehbuch von Mariusz Trelinski noch nicht gelesen. Nach Gesprächen mit ihm weiß ich lediglich, dass die Heldin, die ich spielen soll, keine direkt dem Drama Slowackis entsprungene Gestalt sein wird", sagte Maja Ostaszewska, welche die Titelheldin spielen wird.

Dokumentarfilm von Ewa Borzecka

Ewa Borzecka beendet den 90-minütigen Dokumentarfilm "Golden Street 83", der in den Kinos gezeigt werden soll. Ewa Borzecka ist eine hervorragende Dokumentarfilmregisseurin, die viele Preise bei internationalen Filmfestspielen errungen hat, eine Regisseurin, die sensibel ist gegenüber der Welt und den Menschen um sie herum. Ihre vorangegangenen Filme - beginnend bei ihrem Debüt "Die Sache des Sheriffs" über "Arizona" und "Dreizehn" bis hin zu "Frauen- und Männersachen" - stießen stets auf ein lebhaftes Echo. Die Straße im Titel (Zlota 83) ist die Adresse eines Warschauer Bürgerhauses im Zentrum der Stadt - ein Hinterhof, wo sich das Leben wie in einer Mikrowelt abspielt. Junge und alte Menschen, ein vollständiger Querschnitt der Gesellschaft. Eine Lehrerin, Studenten, die "Baronin", Henio, der gerade erst seine Strafe wegen Mordes abgesessen hat. Familien, die hier oft einige Jahrzehnte gelebt haben. Es sind auch solche darunter, die nur auf dem eigenen Hof leben und fast gar nicht heraus kommen. Jetzt haben alle den Räumungsbefehl erhalten. An dieser Stelle soll ein Hotel entstehen oder ein kleiner Supermarkt. Das weiß keiner. Seit einigen Monaten dauern die Umzüge. Das Haus wird allmählich leer. "Das ist ein Film über das Ende einer Welt, über Abschiede, über Menschen, die sich an einen Ort gewöhnt hatten. Ich war dort mit der Kamera bei der ersten Zwangsräumung und bei allen folgenden. Ich habe gesehen, wie die, die schon in neue Wohnungen umgezogen waren, sehnsüchtig auf ihren Hof zurückkehrten. Ich habe mich selbst sehr an diese Menschen gewöhnt, so manches habe ich mit ihnen erlebt. Ich glaube und weiß, dass sie mich nicht betrogen haben, dass sie mir nichts vorspielen, dass sie ehrlich sind", sagte die Regisseurin. Ewa Borzecka glaubt, dass die Zuschauer solche authentischen Geschichten brauchen, sich mit den Helden identifizieren, auf der Leinwand ihre eigenen Unruhen und Sehnsüchte wiederfinden wollen. "Golden Street 83" wurde schon zu dem von Vaclav Havel firmierten Festival "Eine Welt" nach Prag und in die Filmakademie nach Los Angeles eingeladen, wo die Regisseurin im vergangenen Jahr eine Revue ihrer Filme präsentierte.

Eurimages fördert die "Pornografie"

Ende Juni überwies das Kulturministerium auf das Konto des Europarates den zweiten Teil des Beitrags für Polens Teilnahme am Programm Eurimages 2002. Auf der am 3. Juli beendeten Sitzung dieses Fonds erhielt der polnische Film "Pornografia", eine Co-Produktion mit Frankreich, auf der Grundlage des Romans von Witold Gombrowicz in der Regie von Jan Jakub Kolski, einen Zuschuss.

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