"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Selbstaufgabe für den Bruder (von Claudia Grabner)

Ausgabe vom 14.07.2002

Klagenfurt (OTS) - Sagen wir es auf gut Kärntnerisch und sagen wir es freundlich: In der Causa "Vergangenheitsanalyse" eines Ewald Stadler hat die ÖVP tramhapat protestiert: Die erste Reaktion trudelte um Tage verspätet ein; und war dann auch noch von der Marke "lauwarm".

Will man sich nicht in kärntnerischer Rücksicht üben, muss sehr deutlich deponiert sein: Die Kanzlerpartei hat versagt. Versagt, als es darum ging, sich auf den Grundkonsens unserer Republik ohne Wenn und Aber zu besinnen; ihn zu verteidigen vor irgendwelchen Ewiggestrigen, die sich derart geschickt und abstoßend beeilen, Opfer gegeneinander aufzurechnen.

Ja, die ÖVP hat versagt. Hat sich verkrochen. Hat gekuscht - dem blauen Bruder zuliebe. Den Höhepunkt an Absurdität hat wohl der Kanzler selbst geliefert: Seine "Erklärung" versumpfte als Nano-Nanet-Statement. Schlimmer noch: Als ein Statement, das sämtlichen Stadlers dieses Landes, sämtlichen Biertischanalysten zum Reinwaschen gereichte...

Doch welche Überraschung: Just aus eigenen Reihen traf den Kanzler die Schelte am subtilsten: Schüssels Vorgänger an der Parteispitze, Erhard Busek, rang sich zur vernichtenden Deutung durch: "Die ÖVP darf es sich nicht leisten, ständig nichts zu sagen, nur um nicht eine Koalition zu verlieren." Punktgenau.

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131830 Jul 02

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