"profil": Busek und Neisser kritisieren Schüssel wegen Verhalten in Stadler-Affäre

Ex-ÖVP-Obmann wirft seiner Partei vor "nichts zu sagen, nur um nicht eine Koalition zu verlieren" - Neisser vermisst bei Schüssel "klare Absage an Geschichtsverständnis Stadlers"

Wien (OTS) - Der frühere ÖVP-Obmann und Ex-Vizekanzler Erhard Busek kritisiert in einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" Bundeskanzler Wolfgang Schüssel wegen dessen zurückhaltenden Erklärungen zu den umstrittenen Aussagen von FPÖ-Volksanwalt Ewald Stadler. Busek: "Die ÖVP hat eine viel zu bedeutende Geschichte beim Aufbau des Österreich-Bewusstseins, als dass die es sich leisten könnte, ständig nichts zu sagen, nur um nicht eine Koalition zu verlieren." Kritik übt der Ex-ÖVP-Obmann auch an den Vertretern der katholischen Kirche, die zum Fall Stadler geschwiegen hätten.

Auch der ehemalige Zweite Parlamentspräsident Heinrich Neisser (ÖVP) zeigt sich vom Verhalten des Bundeskanzlers in der Affäre-Stadler enttäuscht. Neisser vermisst in Schüssels Ansprache im Nationalrat "eine klare Absage an das Geschichtsverständnis Stadlers". Nach Meinung des früheren Nationalratspräsidenten, der den Rücktritt Stadlers fordert, sollte die ÖVP-Spitze "viel energischer gegen Stadlers Geschichtsbild auftreten". Schüssels Bemerkung, man müsse die Geschichte als Ganzes sehen, hält Neisser für kontraproduktiv: "Das ist doch Wasser auf die Mühlen Stadlers, der einen Bogen von 1934 bis 1955 gespannt hat."

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