Müller: "Stadler wurde mißverstanden"

"Diskussion über die österreichische Geschichte jeder Epoche muß möglich sein"

Wien,2002-07-11 (fpd) - "Österreich ist frei", rief Leopold Figl, nachdem er im Prunksaal des Belvederes die Unterschrift unter den Staatsvertrag gesetzt hatte. Im Anschluß daran stellte er noch in Anwesenheit der alliierten Außenminister fest, "daß ein 17 Jahre lang dauernder grauenvoller Weg der Unfreiheit nun beendet wurde". Außenminister Figl, ein Politiker von Format und Größe, zählte die Jahre der grauenvollen NS-Herrschaft gleichermaßen mit denen der alliierten Besatzung zusammen, so FPÖ-Abg. Hans Müller. ****

Selbst Adolf Schärf sprach noch in einer Zeit, in der wir noch keinen Staatsvertrag hatten "von einem Zustand, wo Österreich noch nicht die volle Freiheit besitzt" und auch Bürgermeister Jonas stellte in seiner Rathauskorrespondenz fest: "Erst wenn die Außenminister der vier Mächte die Unterschrift unter den Staatsvertrag gesetzt haben, hat damit die Geburtsstunde unserer endgültigen Freiheit und Unabhängigkeit geschlagen." Dieser Ansicht schließen sich laut einer OGM Umfrage von dieser Woche auch 58 Prozent der Österreicher an, betonte Müller.

Nach seiner Rede bei der Sonnwendfeier in Seebarn stellte Volksanwalt Ewald Stadler klar fest, daß der Vorwurf, er habe die Besatzungszeit nach 1945 mit jener der NS-Zeit gleichgesetzt, eine niederträchtige Unterstellung sei. Das Naziregime sei in der Geschichte einmalig und die Millionen Opfer eine Mahnung für alle Zukunft.

"Persönlich möchte ich dazu feststellen, daß ich diesen Nazi-Terror zutiefst verurteile und ich kann nur hoffen, daß eine solche Zeit nie wieder über unsere Heimat kommt", so Müller wörtlich.

Was für sehr viele Menschen den Stein des Anstoßes und der Empörung darstellt, war die Feststellung, daß Stadler die Besatzungsmächte als nächste Tyrannei bezeichnete. "Gerade bei uns in Niederösterreich haben die Bewohner unter der Herrschaft der Roten Armee großes Leiden ertragen müssen. Selbst in meiner Heimatgemeinde wurden Männer und Frauen von den Russen ohne Angaben von Gründen abgeholt und für sie gab es keine Wiederkehr", sagte Müller.

Aber auch Oskar Helmer schilderte in dem Buch "50 Jahre erlebte Geschichte" von der Ermordung seines Bruders und dem anschließenden Selbstmord seiner Schwägerin. Viele Menschen können von dieser Zeit über Morde, Vergewaltigungen und Vertreibungen berichten. Aber auch die Vertreibung der Sudetendeutschen durch die Tschechen war ein Akt eines Völkermordes. "Daß jetzt eine mediale Hinrichtung von Volksanwalt Stadler erfolgt, ist nicht gerecht, da er weder das NS-Regime verharmlost, noch dessen Opfer beleidigt hat. Die Forderung, man möge eine Historikerkommission einsetzen, die die Zeit von 1945 - 1955 aufarbeiten möge, ist legitim", so Müller.
"Es ist wünschenswert, daß Ewald Stadler in seiner Eigenschaft als Volksanwalt in Zukunft vielen Österreicherinnen und Österreichern mit Rat und Tat zur Verfügung stehen kann", schloß Müller. (Schluß)

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