"Kleine Zeitung" Kommentar: "Um den heißen Brei" (Von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 12.07.2002

Graz (OTS) - =

Mit sorgfältig gedrechselten Sätzen redete Wolfgang
Schüssel um den heißen Brei. Es war ein Kunststück, eine Erklärung zur "Wiedererringung der Unabhängigkeit des Landes" abzugeben, ohne den Anlass beim Namen zu nennen.

Ewald Stadler, der sich mit seiner dummen und verdummenden Sonnwendfeier-Rede als Wiederholungstäter betätigte, indem er die Nazi-Diktatur mit der Sowjet-Besatzung in revisionistischer Manier gleich setzte, wurde vom Bundeskanzler nicht einmal erwähnt.

Schüssel ließ es bei der für Feierstunden gültigen Formulierung bewenden: "Es kann keine Vergleiche geben, kein Aufrechnen der Opfer, kein Ausspielen der Gefühle derer, denen vor 1945 Unrecht geschah oder nach 1945."

Niemand wird widersprechen. Und doch blieb die Mahnung unvollständig, also auch unwahr, weil es Schüssel vermied, den Volksanwalt als jenen anzuprangern, der gegen diesen Grundkonsens verstoßen hat und sich hartnäckig weigert, seine Aussagen in dem vom Bundeskanzler geforderten Sinn zu korrigieren.

Vorrang vor der Klarstellung hatte die Koalitionsräson. Am Fall Stadler zeigt sich exemplarisch, dass Machterhaltung das eigene Profil verwischt. ****

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OTS0262 2002-07-11/20:07

112007 Jul 02

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