SÜDKOREA UND ÖSTERREICH - PARALLELEN UND UNTERSCHIEDE Parlamentarische Freundschaftsgruppen im Gespräch

Wien (PK) - Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Südkorea
und Österreich, vor allem was die letzten Jahrzehnte politischer Entwicklung anlangt, standen im Mittelpunkt einer Begegnung von Vertretern der österreichisch-koreanischen parlamentarischen Freundschaftsgruppe und ihres südkoreanischen Pendants.

Bu Young Lee, Mitglied der Nationalversammlung der Republik
Korea, ein graduierter Poilitikwissenschaftler, verbrachte wegen seines Engagements gegen die Diktatur und für die Demokratie zwischen 1975 und 1989 mehrere Jahre im Gefängnis. Er bedauerte, dass seine zwei Kollegen aus der Freundschaftsgruppe aus Gründen der aktuellen Politik nicht mit ihm nach Österreich hatten kommen können.

VP-Abgeordneter Gerhart Bruckmann, der Vorsitzende der Freundschaftsgruppe, wies bei seiner Begrüßung auf historische Parallelen zwischen Österreich und Südkorea nach dem 2. Weltkrieg hin: Beide Länder seien geteilt gewesen, Dank einer Zufallskonstellation sei für Österreich diese Teilung aber Vergangenheit. Durch diese Parallelität nehme Österreich an der Entwicklung Koreas besonderen Anteil, betonte Bruckmann, vor
allem an den Bemühungen der südkoreanischen Regierung, die Grenze zwischen Nord- und Südkorea wenn nicht zu beseitigen, so doch aufzuweichen.

Lee sah in Österreich ein Vorbild für die koreanische Politik, wies aber auch auf Unterschiede hin. Im Falle Koreas gebe es regionales Konfliktpotential im Kraftfeld China - Japan - USA;
dies könnte für Korea das Modell der Neutralität interessant machen.

Abgeordnete Elisabeth Hlavac (S), die ebenfalls an dem Gespräch teilnahm, meinte dazu, die Auswirkungen eines derartigen
Schrittes könnten schwer abgeschätzt werden, ebenso Auswirkungen wirtschaftlicher Natur im Zusammenhang mit dem Wunsch nach Wiedervereinigung. Ergänzend zur Darstellung der Entwicklung Österreichs wies sie auf die Bedeutung des sozialen Ausgleichs
und den damit verbundenen Beitrag zur Sicherung des Wohlstands
hin. Besonders interessiert zeigte sie sich an der Einschätzung
des Gastes hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Aussöhnungspolitik mit Nordkorea. F-Abgeordneter Anton Wattaul meinte, dass eine Wiedervereinigung umso schwieriger werde, je länger die Trennung gedauert habe. Es könnte daher nötig sein, einen "Mediator" - etwa in Gestalt der Vereinten Nationen -beizuziehen.

Das Treffen der Staatschefs Nordkoreas und Südkoreas sei ein
gutes Ergebnis der Sunshine-Policy gewesen, betonte Lee in seiner Antwort. Damals sei ein Besuch des nordkoreanischen Staatsoberhauptes Kim Yong Il im Süden vereinbart worden, der bisher allerdings nicht erfolgt sei. Südkorea sei an der
Erfüllung des Abkommens interessiert, es leiste auch die vereinbarten Hilfsmaßnahmen. Im Zusammenhang mit dem Wechsel in
der amerikanischen Präsidentschaft, durch Fehler der Regierung
und durch das Ausbleiben von Änderungen in der Politik Nordkoreas sei die Sunshine-Policy aber schwieriger geworden und verliere an Unterstützung, sagte Lee. Die Mehrheit vertrete aber eine Politik der Toleranz, zu der es keine Alternative gebe. (Schluss)

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