Huber: ÖVP-Trinkl verhöhnt Bevölkerung im ländlichen Raum

Offener Brief an Trinkl, der sich über Postämterschließungen in der Steiermark lustig macht

Wien (SK) Empört zeigte sich die steirische SPÖ-Abgeordnete Anni Huber am Donnerstag über die Aussagen des ÖVP-Abgeordneten Trinkl, "der sich im Nationalrat über jene lustig macht, die gegen die Schließung ihres Postamtes kämpfen". In einem offenen Brief richtet sich Huber an den ÖVP-Mandatar und verwahrt sich schärfstens gegen seine Aussagen, wonach "man ruhig einmal um die Ecke gehen kann, um das nächste Postamt zu finden". Konkret sagte der Abgeordnete am Dienstag im Nationalrat, dass in Aumühl bei Kindberg kein Postamt notwendig sei, da jeder dritte Steirer diesen Ort gar nicht kenne. Tatsache sei laut Huber, dass die blau-schwarze Koalition eine Fülle von Maßnahmen beschlossen habe, um die Infrastruktur in den ländlichen Regionen auszudünnen. Rentable Postämter würden dabei ebenso geschlossen wie Gendarmerieposten. Das erwähnte Postamt Aumühl habe stets positiv bilanziert und liege in einem Einzugsgebiet von etwa 3 500 Bewohnern. ****

Der offene Brief an Trinkl im Wortlaut:

"Sehr geehrter Herr NR-Abgeordneter Trinkl! Mit tiefem Bedauern musste ich am Dienstag dieser Woche ihre Rede im Nationalrat zur Kenntnis nehmen, in der sie sich aus meiner Sicht offen über die Bedürfnisse der in ländlichen Regionen lebenden Steirerinnen und Steirer lustig machen. So erklärten Sie etwa, dass in Aumühl bei Kindberg kein Postamt notwendig sei, da jeder dritte Steirer diesen Ort gar nicht kenne. Das ist ein wahrlich schwaches Argument und in meinen Augen eine Verhöhnung all jener, die in diesem Ort leben. In Anbetracht der Rentabilität des Postamtes Aumühl dürften Sie schlicht und einfach keinen stichhaltigen Grund für die Schließung gefunden haben. Wie Sie im Nationalrat erklärten, kennen Sie Aumühl offensichtlich nicht, weshalb Ihnen die Probleme der dort lebenden Menschen egal sind. Zu Ihrer Information: Das Postamt Aumühl bilanzierte stets positiv, war stark frequentiert und betreute 1.000 Haushalte. Im Einzugsgebiet werden gerade 240 neue Wohnungen gebaut, wodurch der Kundenkreis noch größer geworden wäre. Das Postamt war neben der Sparkasse eine wichtige, zentrale Anlaufstelle im Ort und auf Initiative von Bürgermeister Hofmeister wurden 1.600 Unterschriften zum Erhalt dieser Einrichtung bzw. zur Einrichtung einer Postpartnerschaft in einem nahegelegenen Supermarkt gesammelt. Der Kahlschlag im ländlichen Raum beschränkt sich jedoch bei weitem nicht auf die Schließung von Postämtern. Ich möchte Ihnen ein Beispiel der Politik Ihrer Bundesregierung geben: Mit 1. Juli d. Jahres wurde das lokale Bezirksgericht nach Mürzzuschlag verlegt. Es gibt allerdings keine Räumlichkeiten für dieses Gericht in Mürzzuschlag. Gegenwärtig muss der zuständige Richter seine Amtsstunden im Büro des Bürgermeisters von Kindberg verrichten. Wahrscheinlich sind Sie über Vorgänge dieser Art ebenso wenig informiert wie über die Situation in Aumühl. Ich appelliere mit Nachdruck an Sie, Ihren Wissensstand über die Sorgen und Nöte der Bevölkerung im ländlichen Raum zu erhöhen, bevor Sie - wie am Dienstag geschehen - zynische Aussagen treffen wie: 'Man kann ruhig einmal um die Ecke gehen, um das nächste Postamt zu finden.' Wir, die SPÖ Steiermark, werden weiterhin entschlossen gegen die Kahlschlag-Politik von ÖVP und FPÖ kämpfen, weil wir der festen Überzeugung sind, dass alle Österreicherinnen und Österreicher zu gleichen Maßen ein Anrecht auf adäquate Infrastruktureinrichtungen haben. Mit kollegialen Grüßen, Anni Huber." (Schluss)

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