Qualifizierungsoffensive für berufstätige Frauen in Wien

Rieder und Brauner präsentieren Info-Offensive des waff

Wien (OTS) - "Mit `FRECH - Frauen ergreifen Chancen` wird die Beratungs- und Servicepalette für berufstätige Frauen in Wien um eine innovative und maßgeschneiderte Facette erweitert", erklärten am Mittwoch Wiens Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Dr. Sepp
Rieder und Frauenstadträtin Mag. Renate Brauner. FRECH, entwickelt vom Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds, sei ein Angebot vor allem an berufstätige Frauen, die sich weiter qualifizieren wollen und/oder am momentanen Arbeitsplatz mit Problemen zu kämpfen haben. Geboten werde sowohl eine individuelle Beratung als auch konkrete finanzielle Unterstützungen bei Weiterbildungskursen in Höhe von 90 Prozent der Kurskosten, im Einzelfall maximal 3.700 Euro. Insgesamt stellt die Stadt Wien über den waff im Jahr 2002 für das Programm 908.410 Euro zur Verfügung.

Am Mediengespräch nahmen neben Rieder und Brauner der Geschäftsführer des waff, Mag. Fritz Meißl, sowie die Leiterin des Projektes FRECH, Mag. Astrid Schwarz, teil.

Rieder: "Für Wien ist die Entwicklung am Arbeitsmarkt nicht nur ein Nebenschauplatz der wirtschaftlichen Entwicklung. Wir haben daher im Gegensatz zum Bund frühzeitig auf die sich schon im Vorjahr abzeichnende Entwicklung am Arbeitsmarkt reagiert."

Konkret wurden unter anderem folgende Maßnahmen getroffen:

o Zur kurzfristigen und flexiblen Finanzierung u.a. auch von Maß nahmen für den Arbeitsmarkt wurde bereits 2001 für das Budget 2002 eine eigene Budgetpost "Wirtschaftliche Notstandsmaßnahmen" mit 14 Mio. Euro dotiert.
o Im Februar 2002 wurde ein zusätzliches Wiener Konjunkturpaket in Höhe von 72 Mio. Euro von der Stadtregierung beschlossen.
o Gemeinsam mit dem AMS Wien und den Sozialpartnern hat die Stadt Wien im April 2002 ein zusätzliches Maßnahmenpaket für Jugendliche, ältere Arbeitslose und Langzeitarbeitslose geschnürt. Dafür erhielt das AMS Wien 7 Mio. Euro vom Bundes-AMS, 3,3 Mio. Euro schoss die Stadt Wien zu. Insgesamt stehen damit für diese schwierigen Zielgruppen am Arbeitsmarkt
inklusive der vom AMS Wien schon vorgesehenen Mittel von 15 Mio. Euro mehr als 25 Mio. Euro zur Verfügung.****

Gleichzeitig gingen durch die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung und durch Maßnahmen der Bundesregierung - Personalabbau im öffentlichen Dienst, die höchste Steuerquote aller Zeiten oder Sparen bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik - allein in Wien rund 10.000 Jobs verloren. Rieder: "Und gleichzeitig 'sitzt' Arbeitsminister Dr. Martin Bartenstein weiterhin auf Reserven des AMS in Höhe von 109 Mio. Euro, die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt wurden und irgendwann offensichtlich still und heimlich zur Rettung des immer unwahrscheinlicher werdenden Nulldefizits herangezogen werden sollen."

Frauen am Wiener Arbeitsmarkt

Wien hat traditionell die höchste Frauenerwerbsquote Österreichs. Mehr als 71 Prozent der Frauen zwischen 15 und 65 sind berufstätig, österreichweit liegt dieser Wert derzeit bei 59 Prozent. International liegt Wien damit gleichauf mit Berlin, darüber liegen Göteborg (72,3 Prozent), Kopenhagen (75,7 Prozent) und Stockholm (79,8 Prozent) (EU-Zahlen aus 1996). Insgesamt leben 26 Prozent aller berufstätigen Frauen Österreichs in Wien, das sind 365.607.

Rahmenbedingungen für die Erwerbstätigkeit von Frauen

Die hohe Wiener Frauen-Erwerbsquote sei der Erfolg einer konsequenten Frauenpolitik, so Brauner. Wien habe von allen Bundesländern in absoluten Zahlen, aber auch pro Kopf die meisten Kinderbetreuungsplätze. "Auch dem starken Bedarf nach flexiblen Öffnungszeiten kommen die Kinderbetreuungseinrichtungen der Stadt Wien zunehmend nach. In Wien wird den Frauen signalisiert, dass ihre Berufstätigkeit erwünscht ist. Die Schaffung von Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist dabei zentral", erklärte Brauner. Dennoch sind Frauen aber generell mit einer Vielzahl von Benachteiligungen am Arbeitsmarkt konfrontiert. Dazu zählen u.a. die Doppelbelastung durch Familie und Beruf, ungünstige Arbeitszeiten sowie schlechtere Aufstiegs- und Karrierechancen. Die Bundesregierung habe durch die Abschaffung der Kindergartenmilliarde und der Bildungskarenz zusätzlich falsche Signale gesetzt. Brauner forderte auch ein Recht auf Teilzeit-Arbeit und die Rückkehr auf einen vollen Arbeitsplatz.

Unmittelbar mit Frauenarbeitslosigkeit verbunden sind die Faktoren Jugend, Alter, ausländische Herkunft sowie ein zu geringes bzw. falsches Qualifikationsniveau.

2001 hatten 44,2 Prozent der arbeitslosen Frauen in Wien nur einen Pflichtschulabschluss, rund 21,6 Prozent eine abgeschlossene Lehre. Etwa 12 Prozent konnten keinen Pflichtschulabschluss vorweisen. Die verbleibenden 22 Prozent der arbeitslosen Frauen verfügen über einen Bildungsabschluss höher als ein Lehrabschluss. In den Unternehmen gleiche Chancen für Frauen und Männer zu schaffen, sei nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch ein handfester Wettbewerbsvorteil. Das beinhalte vor allem den Zugang zu Weiterbildungsmaßnahmen für MitarbeiterInnen, die gerade in Karenz sind, so Brauner.

Für die Wiener Frauenpolitik und den waff ist die Erwerbstätigkeit von Frauen das zentrale Anliegen. In einem Grundsatzbeschluss haben die Stadt Wien und der waff festgelegt, dass frauenspezifische Maßnahmen ein zentraler, strategischer Faktor in der Wiener Arbeitsmarktpolitik sind. Das beinhaltet sowohl die Schaffung von konkreten Maßnahmen für Frauen als auch die Berücksichtigung von Fraueninteressen innerhalb anderer Gruppen, wie etwa unter den jugendlichen Arbeitssuchenden. So sind etwa für 2003 konkrete Projekte für Mädchen im IT-Bereich geplant. Darüber hinaus werden für arbeitssuchende Frauen, aber auch für erwerbstätige Frauen die sich höherqualifizieren möchten, ein hochwertiges Beratungsangebot sowie beträchtliche finanzielle Mittel zur Unterstützung von Kursbesuchen bereitgestellt. Für die aktuellen Schwierigkeiten von Frauen am Arbeitsmarkt, die stark mit Qualifikationsdefiziten zusammenhängen, gibt es nun als ganz konkrete Maßnahme "FRECH - Frauen ergreifen Chancen".

FRECH - Beratung und konkrete Förderung

Die Initiative FRECH ruht auf zwei Säulen. Zum Einen wird ein individuelles Beratungsgespräch angeboten, zum Anderen ein persönliches Förderprogramm, um einen beruflichen Umstieg oder Aufstieg zu ermöglichen. Dazu werden die Frauen bei Kursen und Lehrgängen konkret finanziell unterstützt. Die Förderhöhe beläuft sich auf 90 Prozent der Kurskosten, max. 3.700 Euro. Ein Eigenanteil von 150 Euro ist zu tragen.

Zielgruppen bzw. Voraussetzungen für die Inanspruchnahme von Leistungen von FRECH sind:

o Frauen mit einem Lehrabschluss oder einem Abschluss einer berufsbildenden mittleren Schule.
o ASVG-Versicherte, neue Selbstständige (GSVG-Versicherte ohne Gewerbeschein), erwerbslose Frauen, Wiedereinsteigerinnen, Sozialhilfeempfängerinnen oder Migrantinnen ohne Arbeitsbewilligung.
o Mindestalter 18 Jahre.
o Nachweis über einen aktuellen Wohnsitz in Wien.

Von der Heimhilfe zur Pflegehelferin, von der Erzieherin zur Lebens- und Sozialberaterin

Bereits jetzt laufen Weiterbildungskurse für Frauen, die sich beruflich verändern wollen.

Zum Beispiel:

o Eine Heimhilfe macht einen Kurs zur Pflegehelferin
o Ein zahnärztliche Assistentin macht eine Weiterbildung in Mundhygiene und Prophylaxe
o Eine Erzieherin wird zur Lebens- und Sozialberaterin
o Eine Apothekengehilfin macht einen Kurs zur Ernährungsberatung
o Eine Friseurin bereitet sich auf die Meisterprüfung/Selbstständigkeit vor
o Eine Krankenschwester erlernt Coaching und Supervision

Erste Erfahrungen von FRECH

Im Rahmen eines Modellversuchs gibt es FRECH bereits seit dem 15. April dieses Jahres. In diesen drei Monaten wurde das Angebot trotz bescheidenen Werbeaufwands voll angenommen.

o 340 Frauen haben eine telefonische Erstinformation oder Erstberatung erhalten.
o 153 Frauen haben eines oder mehrere persönliche Beratungsgespräche in Anspruch genommen. Davon waren 48 Prozent erwerbstätig und 30 Prozent Arbeitslosengeld- oder Notstandshilfebezieherinnen.
o 7 Frauen haben bisher im Rahmen von FRECH einen Förderantrag zur Qualifizierung für ihre berufliche Veränderung gestellt.
o 47 Prozent der Frauen, die eine Beratung in Anspruch nehmen, kommen aus dem Bereich Büro, Verkauf und Gastronomie/Tourismus.

Analog zu FRECH bietet der waff bewährte Projekte zur Unterstützung von Mädchen und jungen Frauen an: Die Beratungsstelle Amandas Matz (Berufs- und Bildungsberatung für erwerbslose oder von Erwerbslosigkeit bedrohten Mädchen), Radita (Berufsvorbereitungs- und Berufsorientierungskurs für Mädchen aus MigrantInnenfamilien) und Matadora (Berufsvorbereitung und -begleitung für Mädchen in Technik, Handwerk und Ökologie).

Der waff fördert außerdem Maßnahmen speziell für Frauen, wie z.B. "abzwien.women@web", "come2technology" und "karenz plus works!". Finanziert werden die Maßnahmen vor allem aus Mitteln des Territorialen Beschäftigungspaktes Wien.

o SERVICE:
FRECH - Frauen ergreifen Chancen
Mag. Astrid Schwarz
Implacement Beratung
Tel.: +43-1-217 48-621

(Schluss) nk

Rückfragen & Kontakt:

***OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER
VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

OTS0097 2002-07-10/11:41

101141 Jul 02

PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Norbert Kettner
Tel.: 4000/81 845
norbert.kettner@gfw.magwien.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK/OTS