Ärzte boykottieren Inkasso der E-Card-Gebühr (1)

Pruckner: Patientenbetreuung darf nicht in den Hintergrund rücken - Einführung der E-Card gefährdet - Offener Brief an Bundeskanzler, Vizekanzlerin und Gesundheitsminister

Wien (OTS) - Die Ärzte werden das Barinkasso der E-Card-Gebühr und alle damit im Zusammenhang stehenden administrativen und organisatorischen Maßnahmen boykottieren. Dies teilte der Bundesobmann der niedergelassenen Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Jörg Pruckner, Dienstag in einer Aussendung mit. "Die Ärztinnen und Ärzte sind nicht in der Lage und bereit, die Patientenbetreuung für zusätzliche bürokratische Tätigkeiten zurückzustellen. Umso mehr, da sie in die Planung des Chipkarten-Serviceentgeltes in keiner Weise einbezogen waren", sagte Pruckner, für den ein Barinkasso bei einem elektronischen Medium überhaupt ein Anachronismus ist.

Die in dieser Woche zur Beschlussfassung anstehende 60. ASVG-Novelle sieht neben der heftig umstrittenen Ausgleichsregelung für finanziell schwache Krankenkassen auch Detailbestimmungen zur E-Card vor, die 2004 österreichweit eingeführt werden soll. Dabei sollen die Ärzte die Gebühr einheben. Dagegen hat sich in den letzten Wochen massiver Widerstand innerhalb der Ärzteschaft aufgebaut. Am Montag ging ein offener Brief an Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer und Sozial- und Gesundheitsminister Herbert Haupt. Kopien dieses Briefes erhielten im übrigen auch alle Abgeordneten zum Nationalrat. In diesem Schreiben, das von allen Landesärztekammerpräsidenten, den Bundeskurienobleuten der angestellten und niedergelassenen Ärzte sowie der Zahnärzte und ÖÄK-Präsident Otto Pjeta, unterzeichnet ist, wird ausgeführt, dass mit der 60. ASVG-Novelle und dem Inkasso der E-Card-Gebühr einmal mehr "ein völlig unvorbereitetes gesetzliches Faktum" geschaffen werde, das in der Praxis zu ähnlichen Problemen wie die Einführung der Ambulanzgebühr führen würde.

Im weiteren wird in dem offenen Brief der Österreichischen Ärztekammer an die Regierungsspitzen festgehalten, dass sich der geschilderte Sachverhalt in eine Fülle von Maßnahmen einreihe, welche die Ärzte mit überbordender Bürokratie konfrontiere, sodass ernsthafte Sorge hinsichtlich Qualität und Intensität der Patientenbetreuung bestehe. Abschließend betonen die hohen Ärztevertreter: "Wir fühlen uns verpflichtet, Sie darauf hinzuweisen, dass die österreichischen Ärztinnen und Ärzte über Stil und Inhalt dieser Vorgangsweise zutiefst betroffen sind, zunehmend mit administrativen Aufgaben belastet werden und nicht länger bereit sind, ihre Tätigkeit für die Gesundheit der Patienten mit zusätzlichen bürokratischen Anforderungen zu beeinträchtigen." (Forts.)

Rückfragen & Kontakt:

***OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER
VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

OTS0117 2002-07-09/12:24

091224 Jul 02

Pressestelle der
Österreichischen Ärztekammer
Tel.: (++43-1) 512 44 86

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAE/OTS