Tabubrüche mit System (von Michael Kuscher)

Ausgabe vom 9. Juli 2002

Klagenfurt (OTS) - Die wohl in jeder Hinsicht unverdächtige Radiosendung "Von Tag zu Tag" sorgte letzten Freitag für einen Schock in der Ö1-Hörer-Familie. Ein junger Mann aus Tirol namens Grünbaum wurde zu seinen Reisegewohnheiten interviewt. Eine Anruferin namens Wagner fragte, warum ihre reisenden Söhne nie interviewt würden. Ob Herr Grünbaum Jude sei? Man müsse doch Jude sein, um von Ö1 interviewt zu werden. Eine weitere Anruferin gab mit bebender Stimme ihrem Entsetzen darüber Ausdruck, mit welcher Schamlosigkeit Antisemitismus wieder öffentlich zur Schau gestellt wird. Sie wehrte sich.

Was hat das mit Ewald Stadler zu tun? Sehr viel. Frau Wagner und Ewald Stadler bedienen sich des Tabubruchs, der immer häufiger und immer frecher und systematisch zum Alltags-Bestandteil gemacht wird. Haider schüttelt Saddam Hussein die Hand, Stadler setzt die Signatarmächte mit dem Nazi-Terror gleich und Frau Wagner fragt, warum Juden ihren Söhnen vorgezogen wwürden. So wird der Grundkonsens, auf dem unsere Republik gründet, nicht nur in Frage gestellt, sondern als Ausgeburt von "Meinungsterror" geleugnet.

Für die FPÖ-Chefin Riess-Passer sind die Reaktionen auf die Tabubrüche "hysterisch". Ob sie damit auch Klestils Aufforderung an alle Demokraten, sich zur Wehr zu setzen, meint?

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