Heim- und Freizeitunfälle: Wieder mehr Verletzte und Invalide

Das Institut "Sicher Leben" und der Hauptverband der Sozialversicherungsträger präsentieren die Unfallstatistik 2001. Das Ergebnis: Insgesamt 805.000 Unfälle - ein bedrohlicher Anstieg bei Heim- und Freizeitunfällen

Wien (OTS) - Die aktuelle Bilanz des Unfallgeschehens in
Österreich macht deutlich, dass vor allem im "Privatbereich" Präventivmaßnahmen unzureichend sind. Von insgesamt 805.000 Unfällen im Jahr 2001 fallen rund 70 Prozent in die Kategorien Heim, Freizeit und Sport. Besonders alarmierend ist auch der Anstieg von Invalidität nach schwersten Verletzungen: bereits 8.800 Menschen jährlich tragen Dauerschäden nach Verletzungen davon, rund zwei Drittel dieser schweren Verletzungen sind auf Tätigkeiten zu Hause und in der Freizeit zurückzuführen, geben "Sicher Leben" und der Hauptverband der Sozialversicherungsträger bei einer Pressekonferenz bekannt.

Besonders gefährdet: Kinder und Senioren

Heim- und Freizeitunfälle legen im 5-Jahresvergleich bei allen Indikatoren (Verletzte, Dauerschäden, Spitalsfälle, Getötete) zu. Mit einem Prozent fiel die Zunahme bei den tödlichen Unfällen am geringsten aus, dennoch starben aber 1.481 Menschen aufgrund von Unfällen im Heim-, Freizeit- und Sportbereich. "Das ist vergleichbar mit dem Untergang der Titanic - und das jedes Jahr", verdeutlicht Dr. Rupert Kisser, Leiter des Institutes "Sicher Leben". Hauptbetroffene sind vor allem ältere Menschen und Kinder. Bei den Senioren verunfallten 1.020 im Privatbereich tödlich (ohne Verkehrsunfälle) und - besonders tragisch - 62 Kinder. Für Kinder sind Unfälle damit Todesursache Nummer 1. Die dramatische Zunahme bei den Freizeitunfällen ist zum Großteil auf ältere Menschen zurückzuführen. Kisser führt diesen Umstand vor allem auf die Bevölkerungsentwicklung zurück: "Unsere Gesellschaft wird immer älter, aber Bauwerke, Verkehrsmittel, Haushaltsgeräte sind auf Junge zugeschnitten. Weiters gibt es einen Trend zu einer aktiv gestalteten Freizeit. Die Zunahme der Unfälle macht deutlich, dass insbesondere im Privatbereich viel mehr gegengesteuert werden muss - als im Arbeitsbereich, wo Unfallverhütung bereits selbstverständlich ist."

Weniger Tote im Gesamtunfallgeschehen, aber mehr Invalide

Die Bilanz über das Unfallgeschehen wird in Österreich von "Sicher Leben" seit nunmehr zehn Jahren erstellt. Daten über das gesamte Unfallgeschehen in Österreich werden zusammengeführt und für die Gesundheitspolitik aufbereitet. Eine erfreuliche Entwicklung ist der Rückgang der tödlichen Unfälle im Gesamtunfallgeschehen, dem steht aber eine massive Zunahme der Dauerschäden gegenüber. Bei den Freizeitunfällen stieg die Invaliditätsrate in 5 Jahren sogar um 64 Prozent! "Weniger Tote durch Unfälle sind natürlich in jedem Fall begrüßenswert. Aber auch schwere Verletzungen bringen viel Leid - und es muss gesagt werden - auch hohe Kosten für das Gesundheitswesen. Die soziale Unfallversicherung - sie ist zuständig für Arbeitsunfälle und Unfälle auf dem Weg zur Arbeit, die rechtlich genau verankert und entsprechend unterstützt wird, hat in punkto Unfallverhütung beachtliche Erfolge vorzuweisen.

Hauptverband unterstützt Präventions-Maßnahmen

Auch im Heim- und Freizeitbereich sind verstärkte Unfallverhütungs-Maßnahmen notwendig. Im Jahr 1992 wurde den sozialen Krankenversicherungen per Gesetz die Aufgabe übertragen, Gesundheitsförderung und Unfallverhütung in ihren Leistungskatalog zu übernehmen. Seither wurde der Stellenwert der Prävention und Unfallverhütung maßgeblich aufgewertet. Im Jahr 2000 hat die Sozialversicherung für Leistungen und Maßnahmen im Bereich der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention (Rehabilitation) insgesamt mehr als 1 Milliarde Euro aufgewendet. Kandlhofer: "Der Hauptverband hat seit der Übertragung dieser Aufgabe entsprechende Maßnahmen unterstützt und wird auch in Zukunft Maßnahmen zur Prävention von Heim- und Freizeitunfällen fördern. Für den Verunfallten ist es nämlich uninteressant, ob er sich bei einem Verkehrs-, Arbeits- oder Sportunfall verletzt. Er erwartet sich für alle Bereiche den gleichen Schutz. Wenn es schon einmal passiert ist, verfügt er in Österreich im Rahmen der Krankenversicherung über eine optimale medizinische Versorgung. Im Präventionsbereich, wie auch im Rehabilitationsbereich, gibt es allerdings noch erhebliche Unterschiede zwischen den Risken am Arbeitsplatz und in der Freizeit."

Menschen wollen Unfallverhütung

Menschen erwarten sich in einer leistungs- und konsumorientierten Gesellschaft auch entsprechende "Leistungen" wenn es um den Schutz vor Unfällen geht und sie sind sogar bereit dafür selbst initiativ zu werden. Besonders erfolgreiche Projekte wie "Sichere Gemeinden" in Vorarlberg, "Sicher Gehen über 60" und "Sichere Josefstadt" in Wien liefern entsprechende Information. Durch die Initiative "Sicher Gehen über 60" in Wien konnte beispielsweise die Zahl der gefürchteten Oberschenkelhalsbrüche im Vergleich zu Restösterreich deutlich gesenkt werden. Auch die "Sicheren Gemeinden" in Vorarlberg zeichnen sich durch einen starken Unfallrückgang aus.

Nationales Programm zur Unfallverhütung gefordert!

"Sicherheit im Heim- und Freizeitbereich liegt nicht nur in der Verantwortung des Bürgers. Die Sicherheit von Dienstleistungen und Produkten im weiteren Sinn muss von der öffentlichen Hand mit Rahmenbedingungen bedacht werden. Wir schlagen vor, die Prävention in diesem Bereich auszubauen und fordern die Entwicklung eines nationalen Sicherheitsprogramms mit einem eindeutigen Reduktionsziel für tödliche Unfälle", so Kisser. Innerhalb von zehn Jahren können mit Hilfe dieses Programms die Zahl der tödlichen Unfälle bei Kindern um 50 Prozent reduziert werden, bei Senioren um 25 Prozent. Ein nationales Sicherheitsprogramm schließt Unfallverhütungs-Maßnahmen in den Bereichen Erziehung und Ausbildung, Bauordnung, Produktsicherheit und Sicherheit von Dienstleistungen mit ein. Verbindliche Präventionsaufträge für das Gesundheitswesen sowie Beratungsstellen müssen in allen Bundesländern geschaffen werden.

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