"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Entscheidung" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 6. Juli 2002

Graz (OTS) - Ewald Stadler hat die Besatzungsjahre der wiedergeborenen Republik mit der Blutherrschaft der Nazis gleichgesetzt. Er wisse nicht, sagte er, "was schlimmer" gewesen sei.

Einen Maturanten, der so etwas ausspräche, würde man zurück zur Schulbank geleiten, um ihm den Unterschied nahe zu bringen zwischen illegalen Übergriffen der Besatzer nach 45 und legalem Massenmord vor 45, zwischen Republik und Terrorregime.

Das einem ausgewachsenen Rustikus wie Stadler entgegenzuhalten, ist müßig: Ein Unbelehrbarer haut sich ab über Pädagogik. Da greift kein noch so radikales Besserungsprogramm: Wer sich des Argumentariums von Rechtsradikalen bedient, so wie er die Baumgrenze hinter sich lässt, gehört aus der Politik suspendiert.

Gesetzlich geht das nicht. Da müsste die Parteichefin ein Machtwort sprechen. Aber die spricht kein Wort und schon gar kein Machtwort. Wie im Fall Gaugg lässt sie auch diese Baustelle unsaniert.

Die Vizekanzlerin wollte die FPÖ als normale, regierungsfähige Partei etablieren, mit einem störungsfreien Verhältnis zum Grundkonsens dieser Republik. Sie muss sich rasch entscheiden, woran sie festhält: an diesem Ziel oder an Ewald Stadler.

Beides geht nicht mehr. ****

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