"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Darf's ein bisserl mehr sein? (von Claudia Grabner)

Ausgabe vom 06.07.2002

Klagenfurt (OTS) - Die Fassade bröckelt - doch wen kümmert's? Auch im Jahr drei setzt die Wendezeit auf Attrappenpolitik: ignoriert, was ihr zur Falle wird (Gaugg-, Stadler-, Forstinger-, Irak-Affäre); und glänzt mit Worthülsen, die dem gemarterten Wählervolk heiße Wünsche von den Lippen lesen. Für politische Selbstdarsteller kein Problem. Verbal, versteht sich...

Verbal hat's die blaue Macht ohnehin "dick" drauf: Selbst dort, wo es heißt, den Gegner als linkslinken Chaoten zu denunzieren. Darf's ein bisserl mehr sein? Aber freilich, hat sich da gestern FPÖ-Geschichtsumdeuter Ewald Stadler gedacht und rundheraus erklärt:
Er lasse sich weder von Meinungsterror noch vom linken Mob kleinkriegen...

Ach ja. Gut zu wissen. Gut zu wissen, dass der berechtigte Aufschrei gegen ewiggestriges Gedankengut als Meinungsterror des linken Mob gebrandmarkt wird. Gut zu wissen auch, dass sich Ewald Stadlers Definition für FP-Kritiker auf gnadenlose Gutmenschen und Tugendterroristen reduziert. Doch ehrlich gesagt: Wen zwickt's? Ob ein Herr Stadler die Bevölkerung so oder anders ohrfeigt, darf mit herzlicher Wurstigkeit an ihr vorüberziehen. Nicht so aber des Volksanwaltes Geschichtsverständnis: Naziterror mit der Besatzungsmacht der Alliierten auf dieselbe Stufe zu katapultieren, ist von einer Dimension, die nur eine Konsequenz erlaubt: das Aus für Stadler.

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