Der Dollar ist wieder das Problem der USA

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Ruth Reitmeier

Wien (OTS) - The Dollar is our Currency and your Problem (Der
Dollar ist unsere Währung und euer Problem). Dieser Satz des unter US-Präsident Richard Nixon amtierenden Finanzministers John Conally hat das währungspolitische Gefüge dieser Welt geprägt. Bis zur Einführung des Euro hatte der US-Dollar auf den internationalen Finanzmärkten kein echtes Gegengewicht. Das machte die USA zur währungspolitischen Supermacht. Anders als kleine Währungen ist der Dollar von aussen nicht ernsthaft unter Ab- oder Aufwertungsdruck gekommen. Die US-Notenbank dirigierte seinen Kurs. Spekulative Kursbewegungen gegen den Greenback - undenkbar.

Das ist Geschichte. Die Angst geht um, dass noch ein, zwei US-Bilanzierungsskandale eine Dollar-Währungskrise auslösen könnten. Bei Horst Köhler, Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), läuten die Alarmglocken. Er liess den Devisenmärkten via Financial Times ausrichten, dass er einem Dollar-Absturz nicht tatenlos zusehen werde (siehe Seite 16). Im Falle einer rapiden Dollar-Abwertung müsse mit Interventionen des IWF und einer konzertierten Aktion der grossen Notenbanken der Welt gerechnet werden.

Finanzexperten interpretieren Köhlers Worte als eine Beruhigungspille für die hypernervösen Märkte. Wie sieht dieses Horror-Szenario der Finanzwelt aus? Der Dollar verfällt, losgelöst von den Fundamentaldaten der US-Wirtschaft, in einer spekulationsgetriebenen Spirale und im Turbotempo. Am Ende steht der Greenback bei 1,10 oder weniger zum Euro.

Für die US-Wirtschaft ist das kein wünschenswertes Szeanrio. Okay, die Wettbewerbsfähigkeit der US-Exportbetriebe würde sich schlagartig verbessern. Doch die USA sind eher eine Import- als eine Exportnation. Das US-Handelsbilanzdefizit von aktuell rund 36 Milliarden Dollar spricht Bände. Eine Dollar-Abwertung verteuert die Importe in die USA. Damit wird eine höhere Inflation importiert. Die US-Wirtschaft würde den niedrigen Dollarkurs mit höheren Zinsen bezahlen. Und die fressen sich ins US-Wirtschaftswachstum.

Ein solches Wechselkursszenario wäre aber auch die Bremsspur für Europas Exporte und das Wirtschaftswachstum der EU und dem Rest der Welt. US-Finanzminister Conally muss zu Beginn des dritten Jahrtausends neu zitiert werden: "Der Dollar ist unsere Währung und unser aller Problem."

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OTS0205 2002-07-05/16:47

051647 Jul 02

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