"Einheitskrankenkasse": Breite ärztliche Ablehnungsfront

ÄK-Präsidenten von Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark warnen gemeinsam vor Zentralisierung: "Schwerer Schaden für die Gesundheitsversorgung"

Wien (OTS) - In einer gemeinsamen Erklärung lehnten die Präsidenten der vier größten Ärztekammern Österreichs die Schaffung einer "Einheitskrankenkasse" entschieden ab. Eine Zentralisierung des jetzt schon kaum überschaubaren Systems würde die Kontrolle erschweren, die Verwaltungskosten vermutlich erhöhen und die Qualität der medizinischen Versorgung senken, warnen Otto Pjeta (OÖ und ÖÄK-Präsident), Walter Dorner (Wien), Lothar Fiedler (NÖ) und Wolfgang Routil (Stmk.)

Eine Einheitskasse könne auf die strukturellen Unterschiede in den einzelnen Bundesländern nicht so Rücksicht nehmen wie es eigenständige Landesgebietskrankenkassen tun, argumentieren die Ärztesprecher. Letztlich würde damit die Beziehung zu den Patienten anonymer und unpersönlicher. "Die individuelle Patientenbetreuung wird erschwert - darunter leiden Patienten und Ärzte", befürchten die vier Präsidenten.

Die erhofften Rationalisierungspotenziale seien nur theoretisch gegeben: Aus den Erfahrungen mit der verstaatlichten Industrie und der Verwaltung wisse man, dass Zentralisierung tatsächlich aber zu Verlangsamung von Reformen und zu Geldvernichtung führe. Für ein Krankenversicherungssystem, das an Geldnot leide "und nicht gerade von Reformfreudigkeit gekennzeichnet sei" wäre die Schaffung eines Einheitssystems der sichere Weg ins Verderben: "Eine Zentralkrankenkasse wird unregierbar und ist nur mit sich selbst statt mit der Gesundheit der Österreicher beschäftigt. Das bedeutet einen schweren Schaden für die Gesundheitsversorgung."

Auch alle Leistungsanreize gingen verloren: "Jetzt bemühen sich die einzelnen Kassen zumindest, besser und erfolgreicher zu sein als andere. Diese Motivation geht dann völlig verloren." Ein Einheitssystem würde damit unweigerlich zu Qualitätseinbußen führen.

Jedenfalls müsse man vorab die tatsächlichen Eigentümer und Financiers der Krankenkassen - die österreichischen Krankenversicherten - befragen, meinen die vier Ärztepräsidenten. Denn mit einem Einheitssystem würde die reale Sozialverfassung Österreichs massiv verändert. (Schluss)

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