Verkehrswirtschaft wirft italienischen Mautbetreibern "unsensibles Vorgehen" vor

Lkw brauchen gleichzeitig bis zu fünf Maut-Kästchen - Bollmann: "Anachronistische Lösung!"

Wien (PWK501) - Als "unsensibel, wenn nicht gar überheblich" weist der Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr, Komm.Rat Harald Bollmann, jüngste Aussagen von "Europass", der Österreich-Tochter des italienischen Lkw-Maut-Betreibers Autostrade, zurück, wonach wegen der mangelnden Kompatibilität der elektronischen Mautsysteme die Lkw-Fahrer ‚"notfalls eben mehrere Maut-Kästchen einbauen und mit sich führen" müssen. Im Klartext würde das bedeuten, dass Lkw-Fahrer bis zu fünf solcher "On-Borad-Units" (OBUs) haben müssen, was angesichts des Zusammenwachsens in Europa doch eine eher seltsame und anachronistische Lösung sei, meint Bollmann.

Im einzelnen wären, kritisiert Bollmann, je ein eigenes Kästchen für die Ökopunkte für die österreichische Lkw-Maut, für Deutschland, für die Schweiz und vermutlich auch für Italien notwendig. Abgesehen von den Installations- und Wartungskosten werde dies auch zu einer rein platztechnischen Frage, zumal auch das Armaturenbrett bzw. die Windschutzscheibe eines Lkw nicht unbegrenzt verstellt werden kann. "Das Kastl-Chaos ist bald einmal komplett".

Bollman erinnert daran, dass sich die Verkehrswirtschaft immer für eine Systementscheidung im Gleichklang mit Deutschland ausgesprochen habe. Es sei bedauerlich, dass die Entscheidung der ASFINAG nicht zugunsten des modernsten Systems gefallen sei. Daher können auch nicht, wie in Deutschland vorgesehen, mit der Einführung der Lkw-Maut zusätzliche Mehrwertdienste, wie z.B. Routenführung oder Stauvermeidung in Anspruch genommen werden.

Die Wirtschaft nehme die Entscheidung natürlich zur Kenntnis, erinnert die Errichter- und Betreibergesellschaft des neuen Lkw-Maut-Systems allerdings daran, dass diese jetzt für alle mit der Systementscheidung verbundenen Konsequenzen die volle Verantwortung trägt.

Auf EU-Ebene wird gegenwärtig eine Direktive über die "Schnittstellen" zwischen den einzelnen europäischen Mautsystemen vorbereitet. Derzeit steht nicht fest, ob Lkw beispielsweise mit deutscher On-Board-Unit auch von österreichischen Mautstellen erkannt werden, und umgekehrt.

Den Zuschlag für den Aufbau des auf Mikrowellentechnik beruhenden Mautsystems in Österreich hatte die Österreich-Tochter von Autostrade Ende Mai d.J. erhalten. Autostrade, mit 3.100 Autobahnkilometern Europas größter Mautbetreiber, will nach jüngsten Zeitungsberichten bereits im vierten Quartal 2003 mit der Mauteinhebung in Österreich beginnen. Als offizieller Starttermin des neuen Systems gilt weiterhin der 1. Jänner 2004. (hp)

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