KMU sind Opfer des Typhoons

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Arne Johannsen

Wien (OTS) - Noch sind die neuen Abfangjäger des Typs "Typhoon" nicht einmal gestartet, und schon gibt’s am Boden die ersten Opfer zu beklagen. Österreichs Klein- und Mittelunternehmen sind beim Rennen um das neue Fluggerät auf der Strecke geblieben - entgegen allen Beteuerungen von Ministern und Funktionären.

Zwar kündigte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein medienwirksam an, bei den Gegengeschäften speziell auf KMU zu achten. Und auch Wirtschaftskammer-Generalsekretär Christian Domany trompetete noch vor wenigen Wochen laut, es sei besonders wichtig, den Fokus auf die Förderung neuer Technologien und die Kooperation mit KMU zu legen.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Als interessierte High-Tech-Betriebe und Start-Ups, die auf den Listen von Saab und Lockheed stehen, bei EADS die Möglichkeiten einer Zusamenarbeit ausloten wollten, gab's aus dem Eurofighter-Cockpit in Ottobrunn eine klare Ansage: Kein Interesse an kleinen Quetschen.

Und so finden sich auf der Gegengeschäfts-Liste von EADS denn auch vor allem Branchenriesen wie Magna, Siemens und Böhler-Uddeholm -nicht gerade klassische Vertreter des österreichischen Mittelstandes.

Um nicht zu offensichtlich gegen die Ausschreibungsbedingungen zu verstossen, die eine Mindest-Einbeziehung von KMU verlangen, wurden ein paar kleine Alibi-Unternehmen wie Alulight auf die Liste gehievt. Doch über konkrete Projekte ist dort noch mit niemandem auch nur ein Wort gesprochen worden. Wenn so die Einbeziehung der KMU aussieht, dürften in dem EADS-Gegengeschäfts-Paket noch einige Überraschungen lauern.

Und auch die einseitige Konzentration auf die Automobil- und Luftfahrttechnik deutet nicht darauf hin, dass die Rüstungsmultis von der österreichischen Technologie-Entwicklung beeindruckt oder gar begeistert wären. Biotech und Medizintechnik wurden bei EADS gar nicht erst berücksichtigt. Dabei sind gerade sie Hoffnungsträger.

Manches spricht für den Eurofighter, etwa die europäische Perspektive oder die Über-Ausstattung mit modernster Technik. Nur:
Die viel beschworenen Segnungen für die Klein- und Mittelbetriebe wird es nicht geben. Während die Grossen sich die Hände reiben, kehren die Kleinen bereits die Scherben zusammen. Sie sind abgestürzt, noch vor dem Abheben.

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