GEMEINSAM FÜR DEN HEIMISCHEN FILM Staatssekretär Morak und die Kultursprecherinnen zur Situation

Wien (PK) - Im Anschluss an die Stellungnahmen der ExpertInnen skizzierte Staatssekretär Franz Morak Leitlinien für eine österreichische Filmpolitik. Er sei sich dessen bewusst, dass die Förderungen des Bundes in der Höhe von 16,7 Mill. € zuzüglich 4,36 Mill. € seitens des ORF und 12 Mill. € der Länder für das Medium Film zu wenig ist. Man werde daher ohne zusätzliche Investitionen nicht auskommen, so Morak. Auch er sieht aufgrund
der gemeinsamen Sprache mit Deutschland eine große Chance für kommerzielle Filme und wies darauf hin, dass der Anteil an österreichischen Kinofilmen in den letzten vier Jahren 7,57 % betragen habe. Das Filmmarketing dürfe nicht als ein notwendiges Übel betrachtet werden, sondern müsse als fixer Bestandteil am Beginn eines jeden Projektes stehen, sagte der Staatssekretär.

Morak legte dezidiert ein Bekenntnis zum künstlerischen österreichischen Film ab, für dessen Förderung es eigene Kriterien geben müsse: die kulturelle Vielfalt, die Qualität und die Behauptung des europäischen Films gegenüber dem amerikanischen. Morak sprach sich auch für eine stärkere Einbeziehung der Produzenten bei der Finanzierung von Filmen aus
und trat dafür ein, dass die Rechte für die Filmverwertung nach einem bestimmten Zeitraum wieder an die Produzenten zurückfallen.

Als weiteren wesentlichen Schritt nannte der Kunststaatssekretär die Ausschöpfung der Verwertungskette im Filmbereich, etwa den Verkauf an Pay-TV. Da der Fernsehbereich der größte Auftraggeber sei, zeigte sich Morak froh, dass es nun einen zweiten terrestrischen Anbieter gibt und verlieh seiner Verwunderung Ausdruck, dass der ORF das Film-Fernseh-Abkommen seit 1994 nicht mehr erhöht hat. Als alternative Finanzierungsmittel kann sich Morak verschiedene Modelle vorstellen, wie die
privatwirtschaftliche Tochterunternehmung der ARD. Dadurch, dass
der deutsche Medienfonds bereits zu greifen beginne, eröffneten sich auch für Österreich Finanzierungsmöglichkeiten. Er, Morak, werde auch bei der Steuerreformkommission die steuerliche Absetzbarkeit der Förderung von Filmproduktionen zur Diskussion stellen. Abschließend versprach er für das nächste Budget eine abermalige Aufstockung der Mittel für das Österreichische Filminstitut um 2,18 Mill. €, wovon vor allem junge
Filmschaffende profitieren sollen.

Im Anschluss an die Diskussion zogen die vier Kultursprecherinnen der Parlamentsfraktionen ein Resümee. Abgeordnete Christine Muttonen (S) verwies auf das Selbstverständnis Österreichs als Kulturnation und meinte, dementsprechend müsse dem Film als Kulturgut adäquate Aufmerksamkeit zuteil werden. Man dürfe hier nicht in Marktanteilen denken, denn "das Neue, das Kreative komme von den Rändern". Um dies auch weiterhin zu ermöglichen, brauche es eine massive Erhöhung der finanziellen Zuwendungen sowie die Erschließung neuer Ressourcen. Der ORF müsse in die Lage versetzt werden, den österreichischen Film besser zu unterstützen, und
auch die Länder sollten hier in die Ziehung genommen werden.

Abgeordnete Brigitte Povysil (F) erklärte eingangs, ihre Fraktion wolle den internationalen Publikumserfolg für den
österreichischen Film. Dieser sei ein wichtiger kulturstiftender Faktor und kurble auch die heimische Wirtschaft an. Filmförderung sei daher immer auch Wirtschaftsförderung. Es gelte aber, den künstlerischen Erfolg von Streifen wie "Nordrand", "Die Klavierspielerin" und "Hundstage" auch in kommerziellen Erfolg umzumünzen, hätten doch in den letzten 20 Jahren nur zwei Filme -"Müllers Büro" und "Hinterholz 8" - das "Goldene Ticket"
erhalten. Das Publikumsinteresse müsse also verstärkt geweckt werden, dazu seien entsprechende Reformen erforderlich: neue Wege der Finanzierung, der Ausbau der Filmakademie zu einem Thinktank für die Weiterentwicklung der heimischen Filmlandschaft und eine verbesserte Einbindung des ORF in die Umsetzung der genannten Zielsetzungen im Interesse der österreichischen Filmwirtschaft.

Abgeordnete Andrea Wolfmayr (V) zeigte sich von der Qualität der Enquete beeindruckt und meinte, mit der heutigen Veranstaltung
habe man Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit geschaffen sowie das kollektive Wissen vermehrt. Es gelte, künftig den Weg, den man heute begann, konsequent fortzuschreiten, wobei der vermeintliche Widerspruch - entweder Avantgarde- oder Publikumsfilm -
aufzuheben und in ein "sowohl als auch" umzuwandeln sei. Wolfmayr sprach sich für ein Zusammenspiel aus "etatistischem" (verstärkte staatliche Förderung) und "neoliberalem" (mehr Publikumserfolg)
Weg aus und befasste sich auch mit Fragen von Vertrieb und
Verleih. In finanzieller Hinsicht argumentierte die Abgeordnete
im Sinne ihrer Vorrednerin.

Abgeordnete Eva Glawischnig (G) ortete "extremen
Handlungsbedarf". Sie habe heute einige konkrete Zusagen gehört, doch die Zeit dränge, liefen die Budgetverhandlungen doch bereits jetzt. Es gebe Bereiche, die massive Förderungen erhielten (etwa die Landwirtschaft), das sollte auch für den Film möglich sein,
so Glawischnig, die sich für "einen großen Wurf" in finanzieller Unterstützung aussprach. Generell brauche es ein vielfältiges kulturelles Angebot, darunter sollte eben auch Qualität ihren
fixen Platz haben. Dazu sei ein deutliches ORF-Paket
erforderlich. Glawischnig meinte abschließend, sie gehe wie viele andere ÖsterreicherInnen gerne ins Kino, das solle auch so
bleiben können. (Schluss)

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