DER FILM ALS WIRTSCHAFTSWARE UND ALS KULTURGUT ExpertInnen zu Perspektiven für den Filmstandort Österreich

Wien (PK) - Mit Statements von ExpertInnen zu Perspektiven und Maßnahmen für den Filmstandort Österreich wurde die Parlamentarische Enquete zur Zukunft des Österreichischen Films
im europäischen Kontext fortgesetzt.

Dany Krausz vom Verband der Österreichischen Filmproduzenten stellte die dramatische Situation für die Filmbranche nach den zahlreichen Insolvenzen börsennotierender Firmen, insbesondere
nach dem Zusammenbruch der Kirch-Gruppe, dar. Ergänzt werde diese angespannte Situation dadurch, dass auch die Werbebranche massive Einbrüche und bis zu 50-prozentige Umsatzrückgänge verkraften müsse. Die Folgen davon seien sinkende Budgets der Sender und
damit sinkende Auftragserteilung an die Filmwirtschaft. So könne zum Beispiel der ORF trotz Griff in die Reserven nur 80 % seiner Verpflichtungen gegenüber der heimischen Filmwirtschaft erfüllen. Diese Entwicklung habe nun, einer logischen Kettenreaktion
folgend, auch die Produzentenlandschaft erfasst, wo - vorerst hauptsächlich in Deutschland - Insolvenzen an der Tagesordnung seien.

In einer derartigen Zeit, wo "Wirbelstürme die Branche erfasst", hätten, sei daher keine Muße für Sandkastenspiele angebracht, beschwor Krausz die anwesenden PolitikerInnen. Die Kultur-,
Finanz- und Wirtschaftspolitik müsse daher jetzt mit der AV-Branche abgestimmte Handlungen setzen. Dany Krausz nannte in
diesem Zusammenhang die Schaffung steuerlicher Rahmenbedingungen für die audio-visuelle Branche, etwa nach dem Luxemburger Modell, die Sicherung der urheberrechtlichen Stellung der Filmhersteller, die Einführung einer Statistik-Verpflichtung zur Erhebung objektivierbarer Daten und die Neuordnung der Ausbildungsstätten für Filmschaffende nach künstlerischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kriterien. Krausz sprach sich auch für die Änderung des ORF-Gesetzes aus und forderte ausdrücklich die Aufhebung der Werbebeschränkungen, die Refundierung der Gebührenbefreiung, eine fakultative Gebührenerhöhung mit Widmung für die heimische Produktion und die Erhöhung des fixierten Programmanteils von EU-Produktionen, mit einem definierten österreichischen Anteil. Darüber hinaus sollte das Budget des Film- und Fernsehabkommens verdoppelt werden. Weiters hält der Experte eine Anhebung des Budgets des Österreichischen Filminstituts auf 20 Mill. € für notwendig, er sprach die Erhöhung des Budgets für das Bildungs-Medien-Abkommen an und verlangte den Ausbau der Initiativen der
Bundesländerinvestitionen im AV-Bereich sowie die Schaffung einer einheitlichen Koordinationsstelle.

Der Schauspieler Herbert Fux machte sich vor allem für die Ausweitung der Co-Produktionen stark. Seiner Meinung nach hängt
der Auf- und Ausbau eines Filmstandortes vom Ausmaß der
nationalen sowie der Co-Produktionen ab. Österreichs
Filmwirtschaft habe den Vorteil eines gemeinsamen Sprachraums von rund 90 Millionen Menschen. Mit der Durchfinanzierung der österreichischen Filme aus Steuergeldern und Fernsehgebühren
seien aber die österreichischen Produzenten nicht mehr auf Co-Produktionen angewiesen gewesen, womit die ursprünglich deutsch-österreichische Zusammenarbeit erloschen sei. Die Chance auf Co-Produktionen müsste daher wieder genützt werden, denn für Erfolgschancen am deutschen Markt sei die Zusammenarbeit mit deutschen Firmen und Verleihern von Anfang an, nämlich bei der Stoffauswahl und der Drehbucherstellung, nötig. Die Auswahlkommission sollte daher höhere Beträge für Co-Produktionen genehmigen. Fux sprach sich hinsichtlich der Durchführung staatlicher Filmförderung für eine Intendantenlösung aus und forderte für Wien die Schaffung eines Förderungsfonds aus dem Wirtschafts- und Tourismusbudget.

Esther van Messel, die die Firma Firsthandfilms in Zürich und Berlin betreibt, welche Filmlizenzen aus aller Welt und in alle
Welt verkauft, unterstrich die Qualität und Attraktivität österreichischer Filme. Diese hätten viele Preise gewonnen und
ein intelligentes und breites Publikum bedient, das sich regelmäßig neben dem Mainstream den Luxus von Kultur leiste. Österreich, so van Messel, werde nie eine internationale
Weltmacht des Films werden. Es könne aber eine wichtige Stimme im Konzert der europäischen Kultur bleiben. Dazu müsste man jedoch das nationale Förderetat zumindest verdoppeln. "Vertrauen sie den Filmschaffenden, die sie hier haben, die gezeigt haben, dass sie
es können. Lassen sie Hollywood in Amerika. Wir leben in Europa", so der Appell Esther van Messels.

Klaus Keil von der Filmbord Berlin-Brandenburg GmbH befasste sich mit dem Film als Ware und Kulturprodukt. Der Erfolg eines Films spiegle sich daher auch in zwei Aspekten wider, nämlich im wirtschaftlichen Erfolg und in seinen künstlerisch-kreativen Auswirkungen. Wesentlich erschien es ihm, dass man sich im Film wiedererkenne. Der Film sei jedoch ein sehr teures Medium,
weshalb dessen Grundnahrungsmittel Geld sei. Er brauche auch Talente, Fachleute, Professionalisierung und Fachwirtschaft. Co-Produktionen stellen seiner Auffassung nach nur einen Teil des Erfolges dar. Wie im Spitzensport müsse man auf einer breiten
Basis aufbauen, um Begabungen fördern zu können. Seine Vorstellungen für die Verbesserung der Filmwirtschaft fasste er
mit den Forderungen nach einer Weiterentwicklung der
Filmförderung und der Filmproduktion, insbesondere durch den ORF, zusammen und stellte die Idee einer neuen Filmabgabe in den Raum. Alle, die vom Film profitieren, sollten ihr Scherflein dazu beitragen, so Keil.

Der Programmdirektor des ORF, Reinhard Scolik, wies auf die 202 Festival-Einladungen für österreichische Filme und auf zahlreiche erfolgreiche Fernsehproduktionen hin, was die Breitenwirksamkeit
des österreichischen Films unter Beweis stelle. Auch er betonte
die Notwendigkeit des Exports in den deutschen Sprachraum, da Österreich ein kleiner Markt sei und auch aufgrund mangelnden wirtschaftlichen Potenzials nicht in der Lage sei, nennenswerte Mittel aus privaten Fördertöpfen bereitzustellen. Scolik machte sich für einen eigenständigen österreichischen Film stark, wofür es öffentliche Förderungen gebe müsse. Darüber hinaus sollten die Mittel auch sinnvoll für die Nachwuchsförderung eingesetzt
werden. Auch er trat für die Refundierung der Gebührenbefreiungen ein und bedauerte, dass es dem ORF nicht gelungen sei, das vorjährige Niveau für Filmproduktionen zu halten. Für die Zukunft stellte er einen regelmäßigen Sendeplatz für Dokumentarfilme in Aussicht.

Tillmann Fuchs von ATV ließ mit einer Kritik an der gegenwärtigen Situation aufhorchen, indem er die "kulturelle Geschenkidee" in Österreich dem erleichterten Zugang zu Fördermittel im Ausland gegenüberstellte. Die Filmförderung dürfe sich nicht als "Naturschutzgesetz für den österreichischen Film" definieren, meinte Tillmann Fuchs pointiert. Der Film müsse sich als ein Exportartikel verstehen, so sein Credo, da sich der
österreichische Film aus dem österreichischen Markt allein nicht finanzieren könne. Daher müsse er modern sein und einen universellen Charakter haben. Unser Bodenschatz sei die deutsche Sprache und diese Chance sollte genützt werden. Der Experte brach auch eine Lanze für das duale Fernsehsystem, das in Österreich erst seit kurzem existiert. Dadurch könnte eine Plattform für den Nachwuchs geschaffen werden. ATV habe für Eigen- und Auftragsproduktionen 15 Mill. € bereitgestellt, berichtete Fuchs.

Zu den Aktivitäten der Europäischen Investitionsbank nahm Paolo Munini Stellung. Laut seinen Ausführungen böten die Europäische Kommission und die Europäische Investitionsbank-Gruppe (EIB-Gruppe) der europäischen Film- und Audiovisuellen Industrie eine Reihe von Finanzprodukten und Hilfen aus dem EU-Haushalt. Dabei
habe man vier Ziele im Auge: die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, die Unterstützung bei der Produktion europäischer Werke, die verstärkte Einbindung des Finanz- und Bankensektors und die Einführung neuer Technologien. Mit der Initiative "i2i-Audiovisuell" der EIB-Gruppe würden in enger Abstimmung mit dem Programm Media Plus der Europäischen
Kommission beträchtliche Finanzierungsmittel mobilisiert, sagte Munini. Media Plus habe eine Laufzeit von fünf Jahren (2001 bis 2005) und sei mit 400 Mill. € ausgestattet.

Die EIB wolle in erster Linie die audiovisuellen Medien auf KMU-Ebene unterstützen, wobei man für diesen Bereich zwei Finanzinstrumente konzipiert habe. Einerseits die Bereitstellung
von Kreditlinien, die durch öffentliche Mittel ergänzt und durch Garantien Dritter besichert werden können, und andererseits die stärkere Beteiligung an der Finanzierung von Risikokapital-Fonds. Die EIB unterstütze aber auch die Investitionen großer privater und öffentlicher Unternehmen aus den Bereichen Fernsehen, Filmherstellung und Filmbetrieb.

In Österreich seien jedoch noch keine Finanzierungen durchgeführt worden, stellte Munini fest. Die EIB-Gruppe sei jedoch bereit,
die an österreichische Banken vergebenen Globaldarlehen auch für Finanzierungen im Medienbereich zu öffnen. In Österreich bedürfe es aber darüber hinaus noch weiterer Schritte. Sowohl auf Seiten der Banken als auch auf Seiten der Projektträger müsse mehr Know-how entwickelt werden. Munini schlug auch die Gewährung von Bürgschaften für Darlehen an den audiovisuellen Sektor vor und
hob hervor, dass auch nicht-österreichische Banken Mittel zur Verfügung stellen können. (Fortsetzung)

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