WOLFMAYR: ES GEHT UM EINEN ÖSTERREICHISCHEN WEG ZUM FILMSTANDORT ÖSTERREICH

ÖVP-Kultursprecherin bei der Filmenquete im Parlament

Wien, 3. Juli 2002 (ÖVP-PK) Als positives Signal sieht ÖVP-Kultursprecherin Abg. Dr. Andrea Wolfmayr die heutige Filmenquete im Parlament, die aufgrund eines vier-Parteien-Antrages zustande gekommen ist. "Das zeigt, dass es im Grunde eine hohe Übereinstimmung zwischen allen Parlamentsparteien, Kunststaatssekretär Franz Morak und den beteiligten Filmschaffenden gibt. Es geht - unbeschadet der persönlichen oder politischen Weltanschauung - um den Filmstandort Österreich. Diese Grundlage wollen wir ernsthaft nützen, um jene Rahmenbedingungen und Entwicklungsmaßnahmen zu erarbeiten, die den heute begonnenen Prozess fruchtbringend fortsetzen", so Wolfmayr heute, Mittwoch. ****

In der Vergangenheit sei die öffentliche Diskussion von den Differenzierungen "künstlerischer Film versus Publikumsfilm" und "öffentliche Finanzierung versus kommerzielle Finanzierung" geprägt gewesen. Beiden Differenzierungen erteilte Wolfmayr in ihrem Statement eine klare Absage: "Das Entweder Oder ist durch ein Sowohl als auch zu ersetzen. Beides ist möglich, beides ist notwendig, aber beides muss nicht notwendig gleichzeitig eintreten. Wir brauchen auf künstlerischer Seite sowohl die Avantgarde als auch das Publikum, und bezüglich der Finanzierung sieht der österreichische Weg anders aus:
Österreich kann es sich um seiner Identität willen und angesichts des Nachholbedarfes auf internationalen Märkten nicht leisten, auf öffentliche Filmförderung zu verzichten. Auf der anderen Seite kann und will es sich wohl kein Filmschaffender, der gut beraten ist, mehr leisten, die kommerzielle Seite hintanzureihen."

Handlungsmöglichkeiten und -bedarf sieht Wolfmayr in folgenden Bereichen:

- "Wir müssen die Angebote der Europäischen Investitionsbank, die einer inländischen Co-Finanzierung bedürfen, viel stärker wahrnehmen. Die Banken sollten sich hier mehr engagieren und auf politischer Ebene wird es hilfreich sein, eine Art "Filmfinanzierungsdrehscheibe", zu schaffen, die echtes Service für die Beteiligten bietet. Die Strukturen sind in diesem Bereich zersplittert, durch entsprechende Bündelungen sollten daher Synergien lukriert werden, die allen nützen."

- "Wir brauchen echtes Venture-Capital für Filme. Wenn die österreichische Kontrollbank etwa Export-Finanzierungsgarantien in alle möglichen Länder organisiert, frage ich mich, ob es etwas ähnlich Wirksames nicht auch für den österreichischen Film geben kann?"

- "Wir müssen die Frage der Rechte für die Filmschaffenden im Detail angehen."

- "Impulse erwarte ich mir aus der Sicht der Auftraggeber: privates terrestrisches Fernsehen sollte demnächst dazu beitragen, den Markt ein großes Stück weiterzubringen. Das gilt auch für Werbewirtschaft und Industrie als wichtige Filmauftraggeber."

- "Wir brauchen neue Berufsfelder und Berufsausbildungscurricula. Hier sind auch die Sozialpartner gefordert, die sogenannten ‚neuen Medien‘ müssen integriert werden, wir brauchen viel mehr von unseren bestausgebildetsten Profis am Werk."

- "Wir müssen den Vertrieb österreichischer Filme ins Ausland mit allem Nachdruck forcieren. Dabei haben wir auf der einen Seite schon rein sprachlich eine gute Ausgangsbasis in anderen deutschsprechenden Ländern, andererseits aber auch entsprechende Konkurrenz. Die AFC (Austrian Film Commission) könnte und sollte österreichische Filme besser als bisher ins Ausland verkaufen. Die Platzierung bei Festivals und Verkauf findet bis jetzt nur marginal statt, hier gibt es - auch beim ORF - dringenden Handlungsbedarf."

- "Verleih und Vertrieb in Österreich befinden sich im Schlagschatten der öffentlichen Aufmerksamkeit. Hier kann noch einiges bewegt werden, um den österreichischen Film an das österreichische Publikum zu bringen."

- "Aus undurchschaubaren Gründen, manchmal sogar mit wohlwollender Unterstützung der öffentlichen Hand, hat in der Kinoszene seit einigen Jahren ein Verdrängungswettbewerb eingesetzt, der auf mittlere Sicht keine Gewinner kennt: nicht das Publikum, nicht die Kinobetreiber und auch nicht die Investoren der in den Markt drängenden Kino-Center. Hier sind Länder und Kommunen gefordert, durch Flächenwidmungen und Unterstützung der ‚Film-Nahversorgung‘ dafür zu sorgen, dass Österreich nicht zur Kino-Wüste wird."

- "Es braucht dringend Verbesserungen und einen Neubeginn bei der Ausbildung, Stichwort Drehbuch. Denn hier liegt einiges im Argen: das Drehbuchforum erreicht seine Klientel nicht. Nötig sind mehr Sorgfalt und Gewichtung bei der Stoffentwicklung", hier sieht Wolfmayr große Chancen für österreichische SchriftstellerInnen.

- "Ich bin sicher, dass der Finanzminister Bedeutung und Potenzial der Film- und Kreativwirtschaft für die künstlerische und wirtschaftliche Entwicklung in Österreich erkennen wird. Wir brauchen von ihm einige klare steuerrechtliche Regelungen, die das Aufbringen von Sponsorkapital erleichtern. Letztendlich rechnet sich Film-Sponsoring (ebenso wie Kunst- und Kultur-Sponsoring) sicher auch für den Finanzminister."

Die Politik werde die Entwicklung genau zu beobachten haben. "Wir werden daher Kunststaatssekretär Morak und Wirtschaftsminister Bartenstein ersuchen, uns in regelmäßigen Abständen einen validen Bericht auf wissenschaftlicher Grundlage über die Situation der österreichischen Film- und Kreativwirtschaft vorzulegen", kündigte Wolfmayr an.
(Schluss)

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