"WER EINER BRANCHE DAS EXISTENZMINIMUM KÜRZT, BRINGT SIE UM" Parlamentarische Enquete zur Zukunft des österreichischen Films

Wien (PK) - "Wer einer Branche das Existenzminimum kürzt, bringt sie um." So drastisch formulierte der Regisseur Michael Haneke
seine Botschaft an die Politik im Rahmen der Parlamentarischen Enquete zur Zukunft des österreichischen Films, die heute im Parlament stattfindet. Der österreichische Film brauche vor allem eine finanzielle und eine inhaltliche Garantie für eine kontinuierliche Talententwicklung, betonte der Regisseur, der zuletzt mit seinem Film "Die Klavierspielerin" nach dem Roman von Elfriede Jelinek auch international Furore gemacht hat. An die Politiker appellierte Haneke, auf die Fachleute zu hören - und
das seien die Kulturschaffenden, nicht die Kulturfunktionäre.

Nationalratspräsident Heinz Fischer, der die Enquete eröffnete
und die TeilnehmerInnen begrüßte, erinnerte an die öffentliche Diskussion über das Thema österreichischer Film Ende der 70er Jahre, die 1980 zum einstimmigen Parlamentsbeschluss des Filmförderungsgesetzes geführt habe. Davon seien wichtige und positive Impulse ausgegangen, sagte Fischer. Er kam dann auf die jüngsten internationalen Erfolge österreichischer Produktionen zu sprechen und verwies auf eine Empfehlung einer großen deutschen Zeitung, das österreichische System der Filmförderung zu studieren.

Der erste Teil der Enquete unter dem Vorsitz der Obfrau des Kulturausschusses, Brigitte Povysil (F), war internationalen Erfahrungen im Bereich der Filmförderung und -finanzierung gewidmet. Klaus Schäfer (Film Fernseh Fonds Bayern) sprach zum Thema internationale Koproduktionen. Von seiner Fördereinrichtung werde darauf gesehen, dass jede Förderung einen "Bayerneffekt" habe, betonte Schäfer. Er nannte hohe Budgets, die national nicht finanzierbar wären, die Teilhabe an ausländischem Know-how und
die Ausrichtung der eigenen Standards daran, die Notwendigkeit
der Auslastung der eigenen Studios, die Erweiterung des Marktes sowie inhaltliche Zusammenhänge als Gründe für internationale Koproduktionen. Wichtig sei, dass jeder Partner einen wichtigen -auch finanziellen - Beitrag bringe, betonte Schäfer: Sich an
fremde Produktionen unter dem Motto "Wir bringen das Talent" anzuhängen, funktioniere nicht. Für den kleineren Partner, der
das größere Interesse an Koproduktionen habe, sei es schwerer, zu Koproduktionen zu kommen. Bloße Kofinanzierungen seien aus der Sicht der Filmförderung uninteressant.

Sie nehme Einladungen zu ähnlichen Veranstaltungen im Normalfall nicht an, sagte Vibeke Windelov (Zentropa Film, Kopenhagen) einleitend. Zu der Enquete nach Wien sei sie aber gern und aus Interesse am österreichischen Film gekommen. Österreich sei eines der interessantesten Filmländer, sagte sie, "es ist unglaublich, was Sie tun". Sie ging dann auf zahlreiche Beispiele aus Dänemark und seiner Filmförderung ein und nannte Gründe für den Erfolg, wobei sie ein Bekenntnis zur zentralen Rolle des Regisseurs
ablegte. Wenn man einen interessanten Regisseur habe, dann kämen auch junge Talente und sogar Stars, die mit diesem Regisseur arbeiten wollten. In Dänemark versuche man, ein Milieu für den Film zu erzeugen und junge Talente zu fördern, denn damit schlage man "einen Pfad durch den Dschungel", betonte Windelov.

Österreich komme auf der internationalen Filmkarte wieder vor, stelle Michael Haneke fest und fragte sich, woher das "österreichische Filmwunder" komme. An die Adresse der Regierungsparteien gerichtet, formulierte der Regisseur
pointiert: "Nicht durch Sie, sondern trotz Ihrer Filmpolitik"
gäbe es die Erfolge. Seine eigenen Erfolge führte Haneke darauf zurück, dass es ihm möglich gewesen sei, teils im Ausland, in
zehn Jahren seine Filmsprache zu entwickeln. Die Förderung geistiger und künstlerischer Entwicklung sei der Weg für ein kleines Land, betonte Haneke. Kritisch wandte er sich gegen die Haltung von Förderinstitutionen, "Sahne" zu verlangen; es gebe "Sahne" nicht ohne Milch. In der Förderung dürften die künstlerischen nicht hinter die ökonomischen Kriterien gereiht werden.

Erhard Puschnig (CineRenta) stellte als letzter Referent der
ersten Runde die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten für Filmprojekte vor. Vom Beispiel der amerikanischen
Luftfahrtindustrie und der europäischen Erfolgsstory des Airbus ausgehend, sprach Puschnig sich gegen nationale Alleingänge gegen Giganten aus und trat für die Verwertung der Produktionen in
einer gemeinsamen Verwertungsgesellschaft ein.

Nach einer Diskussion der Referate wird die Enquete mit einer
Runde zum Thema "Perspektiven und Maßnahmen für den Filmstandort Österreich" fortgesetzt. (Fortsetzung)

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