AK-Tumpel fordert Gütesiegel für die Weiterbildung

Angebot an Weiterbildungskursen undurchsichtig: Großes Risiko für ArbeitnehmerInnen, viel Geld für den falschen Kurs auszugeben

Wien (AK) - Preisunterschiede bis zum Vierfachen bei Kursen vergleichbarer Qualität. Eine Unterrichtseinheit kostet bei einem Anbieter 6,2 Euro und bei einem anderen Anbieter bis zu 24,4 Euro. Das ergibt eine in Österreich bisher einzigartige Erhebung von Qualität und Kosten bei 14 Wiener Anbietern von Kursen zur Vorbereitung auf den Europäischen Computerführerschein (ECDL), die AK Präsident Herbert Tumpel heute, Mittwoch, bei einer Pressekonferenz vorstellte. "Diese AK-Studie zeigt: ArbeitnehmerInnen haben ein großes Risiko viel Geld für den falschen Kurs auszugeben", sagt AK Präsident Tumpel. Er fordert daher von der Regierung ein Gütesiegel für die Weiterbildung und eine flächendeckende kostenlose Bildungsberatung. "Die Arbeitnehmer geben viel Geld für ihre Weiterbildung aus", sagt Tumpel, "sie brauchen die Sicherheit, dass sie auch den richtigen Kurs mit der entsprechenden Qualität auswählen." Denn die Preise für die Weiterbildung explodieren. Das zeigt eine weitere AK-Studie: Seit 1986 haben sich die Preise für Kurse zur beruflichen Weiterbildung mehr als verdreifacht - und in nur einem Jahr, von 1999 auf 2000, sind sie drei Mal so stark gestiegen wie die Inflation. ****

Berufliche Weiterbildung für viele zu teuer
Wer sich in Österreich für den Beruf weiterbilden will, muss mit saftigen Preisen rechnen. Das zeigte schon vor einem Jahr eine Studie des Österreichischen Instituts für Berufsbildungforschung (öibf) im Auftrag der AK: Sie ergab zwischen 1986 und 1999 einen Preissprung bei Kursen für berufliche Weiterbildung um 202,16 Prozent. Und der Trend zur Verteuerung der Weiterbildung verstärkt sich sogar, zeigt das update der Studie für den Zeitraum 1986 bis 2000:

+ In einem einzigen Jahr stiegen die Preise für EDV-Kurse drei Mal so stark wie die Preise allgemein. Sie verteuerten sich von 1999 auf 2000 um 7,2 Prozent. Die allgemeine Preissteigerung betrug im Vergleich dazu 2,3 Prozent.

+ Rasant ist der Preisanstieg auch im gesamten Untersuchungszeitraum:
Kurse zur beruflichen Weiterbildung wurden von 1986 bis 2000 um 223,9 Prozent teurer, Sprachkurse um 72 Prozent. Der allgemeine Preisanstieg betrug zwischen 1986 und 2000 35,7 Prozent.

Preisunterschiede bis zum Vierfachen
Preisunterschiede bis zum Vierfachen bei Kursen vergleichbarer Qualität. Eine Unterrichtseinheit kostet bei einem Anbieter 6,2 €-und bei einem anderen Anbieter bis zu 24,4 €! Das zeigt eine Erhebung von Qualität und Kosten bei 14 Wiener Anbietern von Kursen zur Vorbereitung auf den Europäischen Computerführerschein ECDL. Diese Erhebung im Auftrag der Arbeiterkammer ist bisher einzigartig in Österreich Beurteilt wurden 14 Anbieter von Vorbereitungskursen für den Europäischen Computerführerschein ECDL (European Computer Drinving Licence) in Wien. Der ECDL wird in ganz Europa als Nachweis der wesentlichen Computerkenntnisse anerkannt.

Die Angebote der 14 Kursanbieter unterscheiden sich vor allem nach den Preisen pro Kurseinheit und nach der Länge - nicht aber in der Qualität

+ Die teuerste Einheit für den ECDL-Kurs kostet im BIT Schulungscenter Wien mit 24,42 € vier Mal so viel wie das günstigste Angebot pro Einheit: 6,23 € im Seminarzentrum Mariahilf.

+ Die Qualität der Kurse ist überall annähernd gleich gut - höhere Preise sind anscheinend nicht gleichzusetzen mit höherer Qualität (und umgekehrt). Bei allen Kursen konnten die Tester ein durchgehend hohes und für die EDCL-Prüfung ausreichendes Niveau feststellen -konkret hinsichtlich Trainer-Qualität, technischer Ausstattung und Kursinhalten.
Risiko falscher Kurs
Wegen der hohen Preisunterschiede und der unterschiedlichen Kursdauer ist das Risiko für ArbeitnehmerInnen hoch, nicht den für sie optimalen Kurs zu finden.

"Weiterbildung wird für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer immer wichtiger", sagt AK Präsident Herbert Tumpel, "das zeigt auch, dass innerhalb weniger Monate mehr als 16.000 Wiener ArbeitnehmerInnen den 100-Euro-Bildungsgutschein der AK bestellt haben." Gerade weil die Weiterbildung so wichtig ist und weil die Arbeitnehmer immer mehr Geld dafür ausgeben müssen, müsse der Entwicklung zu teuren und unübersichtlichen Kursangeboten gegengesteuert werden, sagt Tumpel. AK fordert Gütesiegel und mehr kostenlose Bildungsberatung
+ Österreichisches Gütesiegel für Weiterbildung: Mit einem solchen Gütesiegel sollen ArbeitnehmerInnen auf einen Blick erkennen können, ob ein Kurs die entsprechende Qualität hat. Voraussetzung für die Vergabe eines Gütesiegels soll auch eine Stornoversicherung sein, damit KursteilnehmerInnen nicht auch dann zahlen müssen, wenn sie einen Kurs etwa wegen Krankheit absagen müssen. Darüber hinaus müssen die Kursanbieter den exakten Preis pro Unterrichtseinheit angeben, damit Interessenten besser vergleichen können.

+ Flächen deckende kostenlose Bildungsberatung: Weil die Orientierung auf dem stark wachsenden Bildungsmarkt immer schwieriger wird, muss das Angebot an hochwertiger und gebührenfreier Bildungsberatung und -information ausgebaut werden - noch ist das Angebot so unübersichtlich, dass ArbeitnehmerInnen nur allzu leicht zu viel Geld für den falschen Kurs ausgeben. Wie groß der Bedarf der ArbeitnehmerInnen an Bildungsberatung ist, zeigt, dass allein die AK Wien pro Jahr 17.000 kostenlose Bildungsberatungen durchführt.

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