Wie bewerten Verkehrssünder ihre Nachschulung?

KfV belegt mit EU-weiter Studie: Teilnehmer an verkehrspsychologischen Nachschulungen trinken nur mehr halb so häufig, wenn sie hinter dem Steuer sitzen. Fast 90 % der Teilnehmer bewerten ihre Nachschulung als sinnvoll und hilfreich

Wien (OTS) - Nachschulung, klingt wie Nachprüfung - und damit verbindet man keine angenehmen Erinnerungen. Dass die verkehrspsychologische Nachschulung allerdings eine ganz andere Bewertung erfahren darf und bei den Verkehrssündern sehr positiv ankommt, beweisen die Ergebnisse einer EU-weiten Kursevaluation mit leitender Funktion des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV).

Überraschend positive Kursbewertung

89,2% der Kursteilnehmer bewerten die Nachschulung als persönlich hilfreich, um in Zukunft weitere "Promillefahrten" zu vermeiden. 75% der Teilnehmer meinen, dass sie aufgrund der positiven Kursinhalte nicht wieder alkoholisiert fahren werden. Inhalte gehen vor Abschreckung: Fragt man die Teilnehmer vor dem Kurs, meinen immerhin noch 18%, er werde allein wegen seiner Abschreckung positiv auf ihr künftiges Verhalten im Straßenverkehr wirken. Nach dem Kurs sind nur mehr 8,5% der Teilnehmer dieser Meinung.

Geläuterte Alko-Lenker - Nachschulung besser als ihr Ruf

Auch die Arbeitsmethoden - individuelle Problemlösungen wurden von den Teilnehmern selbst erarbeitet - wurden nach dem Kurs besonders positiv bewertet. "Dieses gute Ergebnis ist besonders beachtlich, da keiner der Alkosünder freiwillig an der Nachschulung teilnimmt", kommentiert KfV-Direktor Dr. Othmar Thann, dieses erstmals EU-weit anonym erhobene Kundenfeedback. "Offenbar ist die Nachschulung in den Augen der Teilnehmer viel besser als ihr Ruf", so Thann weiter.

Welche Einstellungen werden im Kurs verändert?

In den Kursen wird in erster Linie über Persönliches, nicht über Sachinhalte diskutiert. Manchmal werden dabei auch unangenehme Themen angesprochen. Jene Teilnehmer, die vor dem Kurs befragt wurden, gaben an, dass sie unangenehme persönliche Themen im Kurs vermeiden möchten und lieber über Sachinhalte diskutieren wollen. Nach dem Kurs war die Situation eine komplett andere: Die Teilnehmer hielten es für besonders hilfreich an ihren persönlichen Problemen zu arbeiten und dabei auch Unangenehmes nicht auszusparen. Diese positive Veränderung im Vorher-Nachher-Vergleich beweist, dass die Kursleiter/innen eine positive Arbeitsbeziehung zu ihren unfreiwilligen Klienten herstellen konnten. Eine bestmögliche psychologische Ausbildung der Kursleiter/innen ist daher unbedingte Voraussetzung für den Kurserfolg, lautet eine der Empfehlungen der Wissenschaftler, die in diesem EU-Projekt zusammengearbeitet haben. "Diese Einstellungsänderung im Vorher-Nachher-Vergleich ist ein wesentlicher Mosaikstein für den Erfolgsnachweis der Nachschulungen", so Dr. Gregor Bartl, KfV-Verkehrspsychologe und Leiter dieser EU-Studie.

Einstellungsänderungen brauchen Zeit!

In erster Linie wird Gefahrenbewusstsein geschaffen. So meinen beispielsweise die Teilnehmer vor dem Kurs noch, dass sie davon überzeugt sind, auch nach ein paar Bieren noch sicher Autofahren zu können. Danach sind sie persönlich eher überzeugt, dass es schon ab ein, zwei Bieren gefährlich wird. "Eine Nachschulung darf nicht schnell abgespult werden. Die Kurserfahrungen müssen allmählich mit dem Alltagsleben verknüpft werden. Das kann nur in über Wochen verteilten Sitzungen gewährleistet werden", weiß Bartl.

Mit Nachschulung 50% weniger Rückfälle

Alle zur Endausscheidung gelangten Studien der EU-Erhebung (Österreich, Deutschland, England, USA) zeigten eine Gemeinsamkeit:
Nachschulungen reduzieren das Rückfallrisiko um rund 50%. So wurden beispielsweise nach zwei bis drei Jahren Beobachtungszeitraum, etwa 30% der Alko-Lenker ohne Nachschulung wieder von der Polizei alkoholisiert hinter dem Lenkrad erwischt, hingegen nur etwa 15% jener Alkolenker, die eine Nachschulung absolvierten. Studienleiter Bartl attestiert der Nachschulung somit, dass sie die beste Ergänzung zur Strafe sei, um die Allgemeinheit vor den Alkolenkern zu schützen, aber auch, um die Alkolenker vor sich selbst zu schützen. Denn schon bei 0,8 Promille ist das Unfallrisiko vier bis fünfmal höher als im nüchternen Zustand.

"Aufbauend auf diese Erfahrungen fordert das KfV in Zukunft auch die Erarbeitung spezieller Kurse für Drogenlenker und noch intensivere Langzeit-Kurse für die kleine Gruppe der unbelehrbaren Wiederholungstäter", so Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV).

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031016 Jul 02

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