Eurofighter - mehr als ein Flieger

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Gerhard Marschall

Wien (OTS) - Österreich kriegt also neue Abfangjäger, der Eurofighter "Typhoon" soll es werden. Unklar ist nur noch, ob wir uns 24 Stück kaufen, wie sich das die Militärs wünschen, oder vorerst weniger, bis wir uns eine komplette Flotte leisten können. Jetzt wird einmal verhandelt.

Karl-Heinz Grasser macht kein Hehl daraus, dass er nicht bis an das Ende seiner Tage Finanzminister bleiben will und sich sehr wohl ein Leben nach der Politik vorstellen kann. Eines in der Privatwirtschaft, am besten im gehobenen Management eines Multis. Was das mit den Abfangjägern zu tun hat? Vielleicht nichts und womöglich doch allerhand.

Angesichts eines wieder aus den Fugen geratenden Budgets musste Grasser für die billigste Variante - 18 gebrauchte F16-Bomber aus dem Hause Lockheed-Martin - eintreten. Er hat das auch engagiert getan und einen veritablen Streit mit dem Parteifreund Verteidigungsminister riskiert. Der wiederum hatte sich explizit für den schwedischen "Gripen" stark gemacht. Jetzt wird - gegen die beiden hauptbeteiligten Minister - weder billig noch bei Saab eingekauft. Der Eurofighter ist die teuerste Lösung, Grasser und Scheibner sind die Verlierer der Stunde.

Selbstverständlich ist diese Entscheidung unter Aussendruck erfolgt. Die Eurofighter-Betreiber - Deutschland, Grossbritannien, Italien und Spanien - sehen ihren Flieger als Träger einer künftigen europäischen Luftverteidigung. Will sich Österreich einer EU-Militärallianz annähern, muss es sich in der Ausrüstung integrieren.

Klar war von Anfang an auch, dass sich eine so grosse Investition in die Rüstung mit Sachargumenten alleine nicht begründen lässt. Schon gar nicht in Österreich, das sich einer diffusen Neutralität verpflichtet fühlt. Kompensationsgeschäfte sind die Krücke, die Botschaft ist von überzeugender Schlichtheit: Das viele Geld für die Jets kommt hintenherum doppelt wieder herein. Einen solchen Basar wird es zwar nicht geben, Folgegeschäfte aber doch. Das meiste davon wird sich im Bereich der Autobranche abspielen, schliesslich gehört DaimlerChrysler dem Eurofighter-Konsortium an.

Der Finanzminister Grasser mag jetzt ein Verlierer sein, für den Manager in spe kann sich diese Niederlage durchaus in einen Sieg verwandeln. Wer nicht aus schnöder Sparsamkeit dem grossen Ganzen im Wege steht, hat sich für neue, höhere Aufgaben empfohlen.

Und ein Verteidigungsminister kann sowieso nur still und heimlich jubeln, wenn er in Sparzeiten das teuerstmögliche Fluggerät bekommt.

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