EU-Kommission irrt: Sichere Energieversorgung auch ohne Atomkraft

100 % erneuerbare Energieversorgung in Europa sind machbar. Aber ist sie auch gewollt? Die Weichen stellt die Energiepolitik.

Wien (OTS) - Binnen drei Stunden (!) strahlt die Sonne die gleiche Menge Energie auf die Erde, wie pro Jahr von der gesamten Erdbevölkerung verbraucht wird. Obwohl die Technologien zur Nutzung dieser enormen Menge an Sonnenenergie längst am Markt sind, stellte die EU-Energiekommissarin Loyola de Palacio letzten Donnerstag die Atomkraft als "heutzutage einzige Methode, CO2 einzusparen" in den Vordergrund.

Wirtschaftsverbände der Erneuerbaren über Palacios Aussage empört

Bei den Wirtschaftsverbänden Austria Solar, Bundesverband Photovoltaik, Biomasseverband, Kleinwasserkraftverband (ÖVFK) und IG Windkraft stieß die Meldung Palacios auf großes Unverständnis. Bereits 1998 wurde in einer viel beachteten Studie ("Long-Term Integration of Renewable Energy Sources into the European Energy System") des deutschen Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie nachgewiesen, dass Europa in der Lage ist, sich zu 100 % aus erneuerbaren Energiequellen zu versorgen. Und dies mit der Technologie aus dem Jahre 1995, wo Windkraftanlagen ein Viertel so groß waren wie heute, noch kaum solare Großanlagen am Markt waren, und es (in Österreich) keine Pellets gab.

Gelingt die Weichenstellung in Österreich gegen Atomstromimport?

"Erst kürzlich hat Österreich eine nationale Klimastrategie beschlossen, die problemlos ohne Atomkraft auskommt, weil sie auf Energieeffizienz, Sonne, Wind und Biomasse setzt", meint Roger Hackstock von Austria Solar. Ob sich die Bundesregierung allerdings auch in ihren Taten konsequent gegen Atomstrom einsetzt, wird sich in Kürze zeigen. Stefan Hantsch von der IG Windkraft: "Das Potenzial für eine 100% Versorgung ist da. Was den Ausbau einer nachhaltigen Energieproduktion hemmt, sind aber nicht die zu geringen Potenziale, sondern die Verzerrungen, die die Politik am Energiemarkt zulässt. Sie lassen Erneuerbare Energien im Vergleich zu Atom oder Kohlestrom noch immer vermeintlich teurer erscheinen. Unverständlich ist in dem Zusammenhang auch die Obergrenze für Ökostrom, das in den kommenden Tagen vom Nationalrat beschlossen werden soll. Statt einer Obergrenze für Atomstrom wollen FPÖ, ÖVP und SPÖ eine Obergrenze für heimische Ökoenergie einführen."

Verpflichtung Österreichs zu 78 % Ökostrom bis 2010

Dabei hat sich Österreich gemäß den EU-Vorgaben verpflichtet, den Anteil der erneuerbaren Energiestromproduktion bis zum Jahre 2010 auf 78 % zu steigern. "Großwasserkraftwerke sind aus ökologischen Gründen nicht mehr umsetzbar. Dieses ambitionierte Ziel wird daher nur mit einer verstärkten Nutzung der Kleinwasserkraft zu erreichen sein. Die Kleinwasserkraft stellt als günstigste erneuerbare Energieform sicher das Rückgrat zur Erreichung der Zielvorgaben dar. Die verfehlte Politik, alle erneuerbaren Energieformen am Altar der Wirtschaftlichkeit zu opfern, wird den Bemühungen um einen europäischen Atomausstieg einen empfindlichen Rückschlag erteilen" meint Johann Taubinger, Vizepräsident des Österreichischen Vereins zur Förderung von Kleinkraftwerken. Bernd Rumplmayr vom Bundesverband Photovoltaik weist daraufhin, dass "im Weißbuch der EU zu Erneuerbaren Energie 100 Quadratkilometer solargeeignete Dachflächen in Österreich ausgewiesen wurden. Diese sind bislang faktisch ungenutzt. Die Erzeugung von Sonnenstrom mit dieser Fläche ergibt eine Spitzenleistung von 10.000 MW und das ohne Landschaftsverbrauch. Wozu also Atomstrom importierten? Die umweltgerechte Zukunft liegt im Energie-Mix der erneuerbaren Energien!"

Nächste Steuerreform muss Umstieg auf erneuerbare Ressourcen belohnen

"Österreich braucht eine ökosoziale Steuerreform, die den Verbrauch fossiler Energie pönalisiert und den Umstieg auf erneuerbare Ressourcen belohnt", bringt Ernst Scheiber vom Biomasseverband die nächste Herausforderung für die Bundesregierung auf den Punkt.

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Verband Austria Solar
DI Roger Hackstock
Mariahilferstraße 89/22 A-1060 Wien
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Fax: +43 (1) 581 13 27 18
austriasolar@chello.at
http://www.austriasolar.at

Österreichischer Biomasse-Verband
Prof. Dkfm. Ernst Scheiber
Ökosoziales Forum
Franz Josefs-Kai 13, A-1010 Wien
Tel: +43 (1) 533079711
Fax: +43 (1) 533079790
info@oesfo.at
http://www.biomasseverband.at

Bundesverband Fotovoltaik
Ing. Bernd J. Rumplmayr
Rudolf Sallinger Platz, A-11030 Wien
Tel : +43 (0) 664 2522735
Fax : +43 (1) 712684720
rumplmayr.wkw@aon.at

IG Windkraft
Stefan Hantsch
Wienerstr. 22, A-3100 St. Pölten
Tel: +43 (0) 274221955
Fax: +43 (0) 2742219555
s.hantsch@igwindkraft.at
http://www.igwindkraft.at

Österr. Verein zur Förderung
von Kleinwasserkraftwerken (ÖVFK)
Johann TaubingerMuseumstraße 5, A-1070 Wien
Tel.: +43 (0) 664 2229007
johann.taubinger@kittelmuehle.at

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