Bartenstein: Beschäftigtenzahl nimmt im Juni weiter zu

Anstieg der Arbeitslosigkeit schwächt sich weiter ab - Rückgang gegenüber Mai um 7,8%

Wien (BMWA/OTS) - Ende Juni 2002 lag die Zahl der unselbstständig Beschäftigten (ohne geringfügige Beschäftigungsverhältnisse) mit 3.181.350 (1.755.124 Männer, 1.426.226 Frauen) um 8.430 oder 0,27 % über dem Vorjahreswert. Gegenüber dem Vormonat war dies ein Zuwachs um 25.156 oder 0,8 %. Gleichzeitig waren Ende Juni 191.687 Personen arbeitslos, das ist gegenüber Ende Juni des Vorjahres ein Anstieg um 17,6% oder 28.672 Personen. Damit hat sich die Zunahme der Arbeitslosigkeit erneut abgeschwächt. Im Mai hatte sie noch rund 33.000, im April sogar noch rund 39.800 betragen. Gegenüber Ende Mai war ein Rückgang der Arbeitslosigkeit um 16.173 (-7,8%) festzustellen. Geschlechtsspezifisch differenziert zeigte sich, dass die Frauenarbeitslosigkeit mit +9.965 (+12,7%) weiterhin geringer zunahm als jene der Männer (+18.707; +22,1%). ****

International gesehen hat Österreich nach wie vor eine sehr günstige Position. Für den Mai 2002 (letzt verfügbarer Wert) weist EUROSTAT für Österreich eine Arbeitslosenquote von 4,1% aus Auch die Fortschreibung der Quote für Juni 2002 ergibt einen Wert von 4,1% und liegt damit nach wie vor deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 7,6% (Wert für April). Lediglich Luxemburg mit 2,2% und die Niederlande mit 2,6% (jeweils für April) weisen eine niedrigere Arbeitslosenquote als Österreich auf.

Darüber hinaus zeigten sich Ende Juni am Arbeitsmarkt folgende Tendenzen:

Arbeitslosendauer

Die durchschnittliche Dauer einer Arbeitslosigkeitsepisode lag im Juni 2002 mit 116 Tagen über dem Vorjahreswert (107 Tage). Im Juni 2000 hat die Verweildauer in Arbeitslosigkeit noch 125 Tage und im Mai 1999 sogar noch 131 Tage betragen.

Langzeitarbeitslosigkeit

Ende Juni waren 12.756 Personen länger als ein Jahr vorgemerkt. Damit liegt ihre Zahl leicht über dem Wert vom Juni 2001 (+2.125 bzw. +20,0%). Ende Juni 2000 waren jedoch noch 19.259 Personen länger als 1 Jahr arbeitslos vorgemerkt. Die Zahl der über 6 Monate vorgemerkten Arbeitslosen (48.202) liegt derzeit um 13.315 (+38,2%) über dem Vorjahreswert. Der Anstieg hat sich damit abgeschwächt.

Jugendliche

Während die Arbeitslosigkeit der 15- bis 18-jährigen Jugendlichen mit 3.495 lediglich um 225 oder 6,9% und damit stark unterdurchschnittlich anstieg, entfiel der überwiegende Teil der Zunahme weiterhin auf die 19- bis 24-Jährigen (+5.139 bzw. +25,2% auf 25.558).

Im internationalen Vergleich der Jugendarbeitslosigkeit liegt Österreich mit 6,8% (Wert für Mai) weiterhin gut, zumal die Jugendarbeitslosenquote im EU-Durchschnitt 15,4% betrug (im April). Österreich weist in der Folge nach den Niederlanden (5,8% im April) nach wie vor die zweitniedrigste Jugendarbeitslosenquote in der Gemeinschaft aus, gefolgt von Irland (8,1%), Dänemark (8,4%) und Luxemburg (8,9%).

Lehrstellenmarkt

Die Zahl der beim AMS gemeldeten sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden ist Ende Juni mit 2.822 gegenüber dem Vorjahr verlangsamt gestiegen (+599 oder +26,9%), zugleich ist die Zahl der gemeldeten offenen Lehrstellen mit 2.620 geringfügig gesunken (-107 oder -3,9%). Die Lehrstellenlücke beim AMS beträgt damit 202. Für Lehrstellensuchende, die keinen Lehrplatz finden, stehen im Rahmen des Jugendausbildungssicherungsgesetzes (JASG) insgesamt 15,6 Mio. Euro zur Verfügung, womit beinahe 2.000 Lehrgangsplätze geschaffen werden können.

Zunahme der Altersarbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen stieg um 5.163 (+13,7%) auf 42.936 an. Während die Zahl der 50- bis 54-Jährigen mit +1.353 (+6,8%) nach wie vor deutlich unterdurchschnittlich und jene der 55-bis 59-Jährigen (+2.912 bzw. +19,5%) nur leicht über dem Durchschnitt zugenommen hat, stand dem ein - relativ betrachtet - kräftiger, allerdings erneut verringerter Anstieg bei den über 60-Jährigen gegenüber (+898 oder +31,8% auf 3.724). Dieser ist neben demographischen Faktoren auf die geänderten Zugangsbestimmungen in die vorzeitige Alterspension und den entsprechenden Begleitmaßnahmen im Arbeitslosenversicherungsgesetz zurückzuführen.

Entwicklung nach Branchen

Die aktuelle Wirtschaftsprognose des WIFO weist auf die deutlich aufwärtsgerichtete internationale Konjunktur hin und erwartet in der Folge eine Belebung der österreichischen Exporte. Für die Bauinvestitionen zeichnet sich allerdings gemäß WIFO erst eine Aufhellung ab 2003 ab. Nach wie vor positiv entwickelt sich hingegen die Nachfrage nach dauerhaften Konsumgütern und der Fremdenverkehr. In Folge dieser Rahmenbedingungen steigt die Arbeitslosigkeit in der Sachgütererzeugung mit +6.078 bzw. +19,8% an. Zuwächse verzeichnen überdies eine Reihe von Branchen des Dienstleistungsbereiches. So nimmt die Arbeitslosigkeit vor allem im Bereich Handel/Instandhaltung (+4.977; +15,5%), aber ebenso bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (+2.081; +19,6%), bei sonstigen öffentlichen und persönlichen Dienstleistungen (+1.672; +20,7%) sowie im Bereich Verkehr/Nachrichtenübermittlung (+1.161; +17,4%) zu. Im Bauwesen beträgt der Anstieg +3.895 (+17,8%), er hat sich damit abgeschwächt. Eher nur moderat fällt die Zunahme der Arbeitslosigkeit im Fremdenverkehr aus (+2.183 bzw. +9,0%).

Entwicklung in den Bundesländern

Die Arbeitslosigkeit stieg weiterhin in allen neun Bundesländern. Prozentuell betrachtet fällt die Zunahme in Oberösterreich (+4.399; +26,3%) etwas stärker als in Vorarlberg aus (+1.245; +23,8%), gefolgt von Salzburg (+1.519; +20,9%). In Wien hat sich der Anstieg merklich verringert, mit +10.521 oder +17,9% stieg sie nur mehr leicht überdurchschnittlich. Unterdurchschnittlich sind die Zuwachsraten in Niederösterreich (+4.520; +17,0%), in Kärnten (+1.466; +15,1%) dem Burgenland (+682; +13,9%) und in der Steiermark (+3.179; +13,8%). In Tirol ist abermals der niedrigste Anstieg der Arbeitslosigkeit zu beobachten (+1.141; +10,6%).

Gleichzeitig war in Wien ein starker Rückgang der Beschäftigung zu verzeichnen (-7.738), in Niederösterreich betrug er -712 und in Kärnten -1. Einen Anstieg der Beschäftigten gab es im Burgenland (2.072), in Oberösterreich (3.268), in der Steiermark (1.526), in Salzburg (4.678), in Tirol (3.407) und in Vorarlberg (1.930).

Arbeitslosigkeit nach Ausbildungskategorien

In allen Ausbildungskategorien sind im Jahresabstand Zunahmen der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Die stärksten Zunahmen sind bei Personen mit Pflichtschulabschluss (+9.916 oder +14,4% auf 78.563) sowie bei Personen mit Lehrabschluss festzustellen (+9,745 oder +17,1% auf 66.746). Bei arbeitslosen Personen, die über keine abgeschlossene Schulausbildung verfügen (8.318), erhöhte sich der Bestand im Vergleich zum Vorjahr um 1.117 oder 15,5%. Auf diese drei Ausbildungskategorien entfallen rund 80% des (Gesamt-)Bestandes an Arbeitslosen und beinahe drei Viertel (72,5%) des Gesamtanstieges der Arbeitslosigkeit.

Schulungen des Arbeitsmarktservice

Die Schulungsaktivitäten des Arbeitsmarktservice haben sich im Juni neuerlich deutlich erhöht. In der Folge betrug die Zahl der in Schulung befindlichen Personen Ende Juni 34.580, ihre Zahl lag damit um 3.776 (+12,3%) über dem Vorjahreswert. Mehr als die Hälfte des Anstieges (53%) entfiel dabei auf jugendliche Schulungsteilnehmer (15- bis 25-Jährige). Mit Ausnahme von Tirol expandieren die Schulungsaktivitäten in allen anderen Bundesländern. Im Unterschied zu den vorhergehenden Monaten haben sich die Schulungsaktivitäten in Wien leicht ausgeweitet (+609; +6,2%). Die Schulungsteilnehmer rekrutieren sich schwerpunktmäßig nach wie vor aus den Berufsgruppen Büroberufe (6.644), Handel (4.412), Hilfsberufe (4.301) sowie Metall-/Elektroberufe (4.299) (zusammen rund 57% aller in Schulung befindlichen Personen).

Rückfragen & Kontakt:

presseabteilung@bmwa.gv.at

Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit
Ministerbüro: Dr. Ingrid Nemec, Tel: (++43-1) 71100-5108
Referat Presse: Dr. Harald Hoyer, Tel: (++43-1) 71100-2058

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | MWA/MWA