Pjeta gegen Fusion von Krankenkassen

Zusammenlegung verschlechtert Gesundheitsversorgung - Mehr Wettbewerb im bestehenden Pflichversicherungs-System überlegenswert

Wien (OTS) - Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr.Otto Pjeta, sprach sich am Montag in einer Presseaussendung gegen die Fusionierung von Krankenkassen aus. "Die Schaffung von Einheitskassen bringt eine Reihe von Nachteilen für die Bevölkerung und die Patienten mit sich. Die größte Gefahr sehe ich in einem schleichenden Qualitätsverlust des medizinischen Angebots der Sozialversicherungen durch eine Vereinheitlichung auf niedrigem Niveau", sagte Pjeta. Im Gegenzug fordert der Ärztepräsident den dosierten Ausbau der Wahlmöglichkeiten zur Förderung der Effizienz der Pflichtversicherungen und der Qualität der medizinischen Versorgung.

Bisher, so der Ärztepräsident, gebe es keinen Beweis, dass große und zentralistische Strukturen wirtschaftlicher seien. Pjeta: "Im Gegenteil. Es hat sich gezeigt, dass kleine Krankenkassen mit ihren Mitteln verantwortungsvoller umgehen. Sie arbeiten im Regelfall patientennäher und kostenbewusster."

Die von den Anhängern einer Kassenkonzentration angestrebten Kostensenkungen seien nur dann möglich, wenn die bisher verschiedenen Leistungskataloge in den Bundesländern "nach unten vereinheitlicht" würden, was unweigerlich eine "Minimalisierung" des Kassenangebotes zur Folge habe. An diesem absoluten Mindestmaß würden sich dann die Kassen orientieren, so Pjeta. Damit würden die letzten Funken an Konkurrenz und des Bemühens um die Versicherten "mutwillig" ausgelöscht. Der Ärztepräsident hält diese Absicht für sehr gefährlich, da sie notgedrungen zu einer erheblichen Verschlechterung in der Gesundheitsversorgung führen würde.

Pjeta: "Die Zeit der großen Staatsmonopole ist Gott sei Dank vorbei. Umso unverständlicher ist es, dass man jetzt solche Monopole über die Krankenkassen wieder einführen will." Dabei sei es doch klar, dass die Anforderungen etwa in Tirol oder im Burgenland andere seien als in Wien. Aus den regionalen Gegebenheiten folge eine unterschiedliche Bedarfssituation, die in den sozialen Deckungsumfang der Gebietskrankenkassen Eingang gefunden habe, so Pjeta.

Die Monopolisierung des sozialen Krankenversicherungs-Systems widerspreche darüber hinaus dem internationalen Trend. Als Beispiel führte der Ärztekammer-Präsident Deutschland an, wo es fast 600 soziale Krankenkassen gebe, die hinsichtlich des Leistungsangebotes, aber auch hinsichtlich der Krankenversicherungsbeiträge verglichen würden. "Gerade Elemente verstärkter Wahlmöglichkeiten innerhalb des bestehenden Plichtversicherungs-Systems fördern die Nähe zu den Versicherten und verbessern die Qualität. Die Zusammenlegung widerspricht daher den vorliegenden Erfahrungen", so Pjeta abschließend. (Schluss)

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