Zwei Ausstellungen im Jüdischen Museum

"Ernst Epstein" und "Postkarten"

Wien, (OTS) Das Jüdische Museum der Stadt Wien zeigt ab Sonntag, 30. Juni über die Sommermonate bis 29. September zwei Ausstellungen:
"Ernst Epstein. Der Bauleiter des Looshauses als Architekt" erinnert an den heute weitgehend vergessenen Architekten Ernst Epstein, der mit seinen rund 100 Bauten im Wiener Stadtbild bis heute präsent hat. Die Ausstellung "Die Welt der Jüdischen Postkarten", die das Jüdische Museum Franken in Fürth in Wien zeigt, präsentiert die Postkarten als Kommunikationsmittel im Jüdischen Leben. Beide Ausstellungen sind jeweils Sonntag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, Donnerstag von 10 bis 20 Uhr zu sehen.****

100 Bauten in 32 Jahren

In 32 Schaffensjahren, von 1906 bis 1938 errichtete Ernst Epstein in Wien rund 100 Bauten, zumeist noble Wohn- und Geschäftshäuser in den Innenbezirken oder in Hietzing und Döbling. Im Mai 1938 suchte er aus Angst vor der Verhaftung durch die Gestapo den Freitod.

Epsteins Bauten, die in den verschiedenen Bezirken verstreut sind, werden mit dieser Ausstellung erstmals zusammenfassend präsentiert. Die bis heute zum Großteil erhaltenen Bauten stehen für weit über ein Vierteljahrhundert Wiener Architekturgeschichte und belegen eindrucksvoll den Stilwandel in diesem Zeitraum bis hin zur neuen Sachlichkeit. Epstein stellte sich damit auch mit einigen Bauten in die Nachfolge von Adolf Loos, dessen Haus am Michaelerplatz er als Bauleiter betreute.

Die Ausstellung ergibt auch insofern ein gutes Bild des Baugeschehens im Wien dieser Jahre, weil der überwiegende Teil der Bauten nach Entwürfen von Baumeistern als "anonyme Architektur" geschaffen wurde, ein durchaus qualitätsvolles architektonisches Ambiente, das den Rahmen für Spitzenleistungen wie die Werke von Wagner, Hoffmann, Loos oder Frank bildete. Ernst Epstein war also einer von vielen, die für das bis heute bestehende architektonsiche Gesicht der Stadt verantwortlich zeichnen, die Ausstellung vermittelt mit seinem Schaffen auch ein Bild der Arbeit einer ganzen Generation von Baumeistern. Zur Ausstellung erscheint ein reich illustriertes Begleitbuch im Holzhausen-Verlag als dritter Band der Reihe "Wiener Persönlichkeiten" zum Preis von EUR 26,50.

Postkarten als Massenmedium

Postkarten erlebten als Massenmedium in den beiden Jahrzehnten vor dem ersten Weltkrieg einen ungeheuren Zuspruch und wurden bald zum beliebtesten Mittel schriftlicher Kommunikation. "Jüdische Postkarten", mit denen sich die Ausstellung auseinandersetzt, zeigten jüdische Motive wie die "Bilder aus dem altjüdischen Familienleben" des Malers Moritz Daniel Oppenheim aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, Glückwunschkarten zum jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana, wie sie der Wiener Illustrator Friedrich Kaskeline schuf, oder auch Kunstpostkarten nach Gemälden jüdischer Maler wie Leopold Horowitz oder Stefan Bender.

Wegen der geringen Eignung von Postkarten als Ausstellungsobjekte bedient sich die Ausstellung einer Betrachtungshilfe: kleine, von einem Nürnberger Hersteller seit vierzig Jahren hergestellt "Plastiskope" in Form von Mini- TV-Geräten laden die Museumsbesucher zum aktiven "Erarbeiten" der Ausstellung ein und sollen ein genaueres Betrachten ermöglichen. Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch "Die Welt der jüdischen Postkarten" von Bernhard Purin im Verlag Christian Brandstätter.

Eintritt für das Jüdische Museum: 5 EUR, bzw. 2.90 EUR ermäßigt Führungen in deutscher Sprache: sonntags um 11 und um 14 Uhr, donnerstags um 18.30 Uhr, Informationen: Tel.: 535 04 31, im Internet: http://www.jmw.at/
(Schluss) gab

Rückfragen & Kontakt:

http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Dr. Martin Gabriel
Tel.: 4000/81 842
gab@m53.magwien.gv.atPID-Rathauskorrespondenz:

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK/OTS