"Kleine Zeitung" Kommentar: "Schwarze Herde" (von Hubert Patterer)

Ausgabe von 27.06.2002

Graz (OTS) - Seit jeher war das größte Sicherheitsrisiko der ÖVP die ÖVP. So gehört die Lust am Königsmord zur Triebkultur dieser Partei, sie ist fixer Bestandteil ihres genetischen Codes.

Zwei Jahre lang ließen die Landesvogte Wolfgang Schüssel im Glauben, dass unter ihm alles anders sei und er das strahlende Machtzentrum. Mit der rabiaten Revolte gegen das Kassensanierungspaket erinnern die Herzöge ihren Obmann an die Fahrlässigkeit dieser Annahme.

Selbst ein ausgebildeter Kettenhund wie Andreas Khol, den Schüssel ins Gebiet der Aufständischen schickte, vermag den Widerstand der Fürsten nicht zu brechen. Er zeigt, dass die Geschlossenheit der Partei ein Trugbild ist. Da gibt es zwar Minister, die mit dem Obmann fidel konzertieren, aber die Musik spielt weiter in den Ländern. Das ergibt in Summe ein ungetaktetes, atonales Durcheinander: Salzburg bläst in offenen Briefen zur Rebellion, Pröll sekkiert Schüssel mit periodischen Klestil-Kränzchen und die Steirer frieren in Permanenz wegen der sozialen Kälten.

Wie ein Wolf, sagt man, habe Schüssel vor der Wende seine Schafherde umkreist und in Schach gehalten. Zwei Jahre später kreist die Herde um den Wolf - und alles hat wieder seine Ordnung in der ÖVP. ****

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