Ernst& Young: Österreich könnte mit einer "Broadband Policy" zu einem der Top 3 Infrastrukturländer Europas werden

Wien (OTS) - Die skandinavischen Länder und die USA sind in ihrer Breitbandentwicklung sowie in ihrer politischen Strategie mit dem Ausbau der Breitbandinfrastruktur zwei Entwicklungssprünge vor dem Rest der Welt. Österreich könnte an diese Frontrunner mit einem gezielten Infrastrukturplan anschließen. Wirtschaftspolitische Möglichkeiten über Regulierungsincentives, regionale Subventionen und Steuererleichterungen.

Die Breitbandtechnologie wird eine Boomtechnologie. In Schweden gilt seit März 2000 die Schaffung einer nationalen Informationsgesellschaft als Staatsziel. Der IT-Bill gibt Weisungen darüber ab, wie der Breitbandzugang für alle Realität wird. Die dänische Regierung diskutiert derzeit über den Masterplan für die nationale Infrastrukturplanung. In den USA hat Präsident Bush persönlich am 14. Juni 2002 eine Breitband-Offensive ausgerufen. Die Bush-Administration hat mit 53 Mrd. US-$ das größte Technologie-Budget der Geschichte verabschiedet, um unter anderem den Breitband-Rollout zu beschleunigen.

"Diese Aktivitäten und Diskussionen zeigen deutlich auf, dass der Aufbau und der Einsatz von Breitbandinfrastruktur ein wichtiges wirtschafts- und versorgungspolitisches Thema ist. Skandinavien und die USA haben dies sehr früh erkannt und nützen den Vorsprung, um wieder einmal weltweite Frontrunner dieser neuen Technologie zu sein", fasst Dipl.BW Rolf von Rössing, Technologieexperte und Senior Manager bei Europatreuhand Ernst & Young, zusammen. Schweden führt in Europa mit einer Breitbandpenetration bei DSL und Kabelmodems von 18%, an zweiter Stellen liegen Kopf an Kopf Österreich und die Niederlande mit je 10% (gerechnet in % aller Haushalte, Quelle:
Juniper MMXI). Die USA gab für Ende vergangenen Jahres eine Penetrationsrate von 13% an (Quelle: GartnerG2).

"Österreich liegt auf einem guten Platz. Um aber an die besten anzuschließen, bedarf es erstens eines klaren Bekenntnisses zum Ausbau einer modernen, flächendeckenden Infrastruktur und zweiten gezielter staatlicher Eingriffe", weiß Rössing aus seiner Recherchearbeit. "Ohne staatliches Ankurbeln wurde noch keine Autobahn errichtet."

Die Methoden, die Österreich in Anlehnung an Skandinavien und die USA offen stehen: "Über Regulierungsincentives, Subventionen und Steuererleichterungen kann der rasche Ausbau von High Tech Standorte gewährleistet werden, um sich den Vorsprung zu sichern. Wenn Österreich hier in den kommenden zwölf Monaten aufsetzt und mit ähnlichen Instrumenten steuernd eingreift, könnte es zu einem der Top 3 der Technologie-Boomer Europas werden", ist Rössing überzeugt.

Europas Infrastruktur-Benchmark: Förderungsmodelle in Schweden

Grundsätzlich herrscht in Schweden parteiübergreifender Konsens, dass jedem Bürger der Zugang zum Breitbandnetz ermöglicht sein muss. Um dieses Ziel zu erreichen, sind laut Recherchen von Ernst & Young Steuerungselemente auf vier verschiedenen Ebenen installiert. Für den landesweiten Infrastrukturenaufbau ist eine staatliche Direktförderung in Höhe von 580 Mio. EUR bereitgestellt worden; dies entspricht 10% bis 15% der geschätzten Gesamtkosten für den Infrastrukturaufbau. Regionalnetze werden mit 119 Mio. EUR, 30% bis 35% der Gesamtkosten, gefördert, während in lokale Netze 160 Mio. EUR investiert werden, die den Gemeinden zur Verfügung stehen. "Einerseits werden damit Betreiber im ihrem Innovationsschub unterstützt, andererseits Gemeinden für die Errichtung von Hochleitungsnetzen vor Ort interessiert. Als vierte Möglichkeit bietet Schweden auch Modelle an, wonach Steuererleichterungen für Einzelpersonen oder KMUs für die Anschaffung von PCs für Teleworking und Heimarbeit gewährt werden", berichtet Rössing.

"Vor allem auf die Förderung peripherer Regionen, in denen 30% der Schweden leben und die nicht zu Marktbedingungen versorgt werden könnten, legt die Regierung besonderes Augenmerk. Zwingende Voraussetzung für die Förderung ist aber die Neutralität gegenüber dem Operator."

Zweites Erfolgsgeheimnis: Neue Formen der Regulierung

Neben der Förderung von moderner Infrastruktur unterscheiden sich die skandinavischen Länder und die USA auch in ihrem Regulierungsdenkansatz von anderen europäischen Staaten. Das sogenannte Phasing Out der Regulierung wird in Dänemark schon realisiert. Hier geht es darum, den Wettbewerb zu beaufsichtigen, nicht den Sektor zu. Ähnliches setzen die Niederlande um: Die sektorspezifische Regulierung wurde aufgehoben und in die allgemeine Wettbewerbsaufsicht eingegliedert. In den USA hat die dortige Regulierungsbehörde Kabelmodems aus dem Telekommunikationsdienstangebot ausgenommen und sie daher nicht der carrier-Regulierung unterworfen. Nun geht sie noch einen Schritt weiter und will alle DSL-Services regulierungsfrei halten.

"Staatliche Förderung bei gleichzeitiger Freiheit für die Entwicklung neuer Märkte dürfte das Erfolgsgeheimnis dieser Länder sein. Auf beiden Schienen parallel zu agieren, könnte auch Österreich den Sprung nach vorne in die Topliga der Infrastrukturländer sichern", so Rössing abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Europatreuhand Ernst & Young,
Dipl Bw Rolf von Rössing,
Tel.: +43/1/211 70-1023,
rolf.von-roessing@at.eyi.com
HOCHEGGER COM,
Mag. Gerhild Deutinger,
Tel.: +43/1/505 47 01-13,
g.deutinger@hochegger.com

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | HOC/HOC/OTS