Astl reagiert in Leserbrief auf Presse-Kommentar "Weiter Weg"

Agrar-Standort Österreich nur mit dauerhafter Förderung zu halten

Wien, 25. Juni 2002 (AIZ). - Der Generalsekretär der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern August Astl reagierte in einem offenen Leserbrief auf einen heute in der Tageszeitung "Die Presse" veröffentlichten Kommentar mit dem Titel "Weiter Weg" von Josef Urschitz. Urschitz kritisierte darin das agrarische Förderungssystem und habe, so Astl, "eine Reihe von unrichtigen Behauptungen" aufgestellt, die nicht unwidersprochen bleiben dürften. Der offene Leserbrief erging sowohl an die Presse als auch an das AIZ und die APA.

Im Wortlaut heißt es in dem Leserbrief: "So schreibt Urschitz, dass die Agrarförderungen zu vier Fünftel an die 'oberen' 20% der größten Betriebe gingen. Hier wäre zuerst einmal zu klären, was unter einem 'großen Betrieb' zu verstehen ist. Echte Großbetriebe mit über 1.000 Hektar gibt es in Österreich nur sehr wenige. Die Mehrzahl der hierzulande als 'groß' bezeichneten Betriebe ist im internationalen Vergleich eher klein. Bei den 'großen' Betrieben handelt es sich um solche, die im Vollerwerb geführt und mehr als drei Viertel der Flächen bewirtschaften und vier Fünftel des Produktionswertes des Agrarsektors erzeugen. Da es sich bei den so genannten Förderungen um Leistungsabgeltungen handelt, ist klar, dass diese auch vom Umfang der Leistungen, der natürlich bei einem größeren Betrieb auch umfangreicher ist, abhängen.

Völlig unklar ist auch, wie Urschitz zu der Behauptung kommt, Legebatterien würden 'großflächig' gefördert. In der EU gibt es nämlich weder für Geflügel noch für Schweine Förderungen. Und auch bei Rindern kann keineswegs von Massentierhaltung gesprochen werden. Selbst wenn in manchen Augen ein Rinderstall in Österreich groß erscheinen mag, so sind die heimischen Ställe im internationalen Vergleich äußerst klein dimensioniert. Die Aussagen von Urschitz entbehren also jeglicher Grundlage.

Nicht unerwähnt soll in diesem Zusammenhang bleiben, dass gerade im Rahmen der Agenda 2000, der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP), bei den Maßnahmen der Ländlichen Entwicklung Mindestkriterien für Hygiene, Umwelt- und Tierschutz eine Grundvoraussetzung für die Förderung sind. Wie überhaupt die EU mit der Agenda 2000 die zweite Säule der GAP, die 'Ländliche Entwicklung', massiv gestärkt hat. Umweltauflagen und Produktionsstandards spielen in der EU-Landwirtschaft mittlerweile eine bedeutende Rolle und erhöhen die Kosten für die Bauern.

Noch ein Wort zum Vorwurf der Dauersubvention des Agrarsektors, wie ihn Urschitz erhebt: Es ist offenkundig, dass der Agrarstandort Österreich bei verschärften WTO-Bestimmungen und dem Preisdruck am Weltmarkt nur gesichert werden kann, wenn die Bauern ihre Leistungen auch abgegolten bekommen. Denn schließlich haben die heimischen Landwirte weitaus höhere Produktionskosten zu tragen als beispielsweise ihre Kollegen in Übersee. Dies sei am Beispiel der Löhne illustriert. So kostet eine Arbeitsstunde in Österreich derzeit rund EUR 10,-, in den Mittel- und Osteuropäischen Ländern hingegen EUR 1,-. In den Entwicklungs- und Schwellenländern betragen die Löhne gar nur EUR 1,- pro Tag. Ähnliche Unterschiede gibt es bei anderen Produktionskosten.

Müssten die österreichischen Bauern bei den gegebenen Lohnkosten und den Kosten, die durch verschärfte Produktionsauflagen entstehen, tatsächlich ohne finanziellen Ausgleich zu Weltmarktpreisen produzieren, würde dies ein Ende des Agrarstandortes Österreich bedeuten. Es ist wohl nicht notwendig, zu erläutern, welch gravierende Auswirkungen dies nicht nur auf den ländlichen Raum, sondern auf die gesamte Wirtschaft, vor allem auch den Tourismus, hätte.

Dass eine Landwirtschaft zu Weltmarktpreisen allein in modernen Industrieländern nicht möglich ist, mussten sogar die USA einsehen. Sie mussten ihren ursprünglich vorgesehenen Weg der Verringerung der Agrarstützung sehr rasch revidieren. Mit dem neuen Farm-Gesetz wurde die Unterstützung des Agrarsektors massiv erhöht, um die Existenz der US-Farmer, die im Schnitt mindestens zehn mal größer sind als vergleichbare europäische Betriebe, nicht zu gefährden.

Zuletzt eine Bemerkung zum Ökostrom: Urschitz bemängelt, dass die Landwirtschaft in Österreich eine auf 15 Jahre angelegte Fixierung der Einspeistarife für Ökostrom ins Stromnetz verlangt. Der Vorwurf, dass unter dem Titel 'Biomasse' dem Agrarsektor ein neues Dauersubventionsfeld eröffnet wird, ist absurd. Österreich hat vor kurzem das Kyoto-Protokoll zur Verringerung der Treibhausgase unterzeichnet und sich verpflichtet, diese bis 2012 um 13% zu verringern: Neben zahlreichen anderen Maßnahmen ist vor allem eine Umstellung der heimischen Energieversorgung auf CO2-neutrale Primärenergieträger eine zentrale Maßnahme, um dieses Ziel zu erreichen. Um potenzielle Investoren zu Investitionen in solche Projekte zu gewinnen, ist es notwendig, Rahmenbedingungen zu schaffen, die ihnen eine entsprechende Kapitalverzinsung für solche Projekte ermöglicht. Ohne ausreichende Gewinnerwartung für das investierte Kapital wird kein Anleger bereit sein, das Geld in diese Projekte zu investieren. Die Mehrkosten für Ökostrom müssen daher abgegolten werden. Andernfalls können solche Projekte nicht umgesetzt werden.

Mittelfristig wäre das Kyoto-Ziel, von dem Österreich momentan ohnehin sehr weit entfernt ist, nicht erreichbar. Es ist daher mehr als manipulativ, wenn Urschitz behauptet, die Kosten zur Erreichung der Klimaziele wären eine Dauersubvention für die Landwirtschaft", so Astl in dem Leserbrief abschließend.
(Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Tel: 01/533-18-43, pressedienst@aiz.info
http://www.aiz.info
FAX: (01) 535-04-38

AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AIZ/AIZ