Kommentar: EU-Gipfel a la mode

Klagenfurt (OTS) - Selbstverständlich ist es den eurpäischen Führern bei ihrem Gipfel in Sevilla klar, dass sie in ihrem öffentlichen Diskurs Flucht, Asyl, Verfolgung, Hunger, Armut und Not kriminalisieren und gleichzeitig die tatsächliche, organisierte Schwerkriminalität wohl auch meinen mögen, aber verbal nicht benennen und somit auch nicht zum öffentlichen Thema machen. Der ganze EU-Gipfel steht unter dem widerstandslosen Schlagwort der "illegalen Einwanderung", als wäre der Hungernde "illegal" und nicht jener, der ihm das letzte Brot dafür gestohlen hat, dass er ihn in einem Waggon in Richtung Europa ersticken oder erfrieren lässt.

Was soll die beschämend sinnlose Drohung mit der eigenen Großherzigkeit, "vorerst" noch keine Entwicklungshilfe streichen zu wollen? Als wären die Dritte-Welt-Länder auch noch schuld an unserer Xenophobie. Wer immer nach Europa drängt, er tut es, weil es ihm dreckig geht, und nicht, weil er "illegal" Mensch ist. Das Stigma der Illegalität verpasst ihm weder der "Drittstaat" noch die Mafia, sondern wir.

Europa stigmatisiert in Sevilla einmal mehr die Armut, anstatt mit tatsächlich aller Entschlossenheit und Härte, polizeilicher und militärischer, gegen die Schlepperbanden und Menschenschmuggler, gegen die Sklavenhändler und Erpresser vorzugehen. Die Mafia durch angedrohte Kürzungen der Entwicklungshilfe ausschalten zu wollen, ist ja wohl das Dümmste, das sich Europa einfallen lassen kann. Aber Entwicklungshilfe und Einwanderung gleichzeitig zu stoppen entspricht halt der politischen Mode der Le-Penisierung.

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