Gewerkschaft KMSfB: "An Mitgliedern klein, aber an Ideen und Inspiration groß"

E.W. Marboe lobt "Vier wunderbare Einheiten Kunst, Medien, Sport, freie Berufe"

Wien, (KMSfB/ÖGB). "Diese Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe (KMSfB) ist zwar an Mitgliedern klein, aber das kann nicht heißen, dass sie nicht an Ideen und Inspiration groß und an Individualität stärker ist als eine Massengewerkschaft." Diese Worte von Ernst Wolfram Marboe in seinem Hauptreferat vor dem 15. ordentlichen Gewerkschaftstag der Gewerkschaft KMSfB waren wie Balsam für die mitunter leidgeprüften KMSfB-Funktionäre. Marboe lobte "die vier wunderbaren Einheiten Kunst, Medien, Sport, freie Berufe", welche miteinander "die Richtung vorgeben sollen, weil alle davon profitieren und lernen können." Und "solange die da oben davon nichts verstehen, sollen sie still sein und nichts sagen", formulierte Marboe gewohnt pointiert.++++

Mehrmals rief der frühere ORF-Intendant zur Gemeinsamkeit auf und sprach dabei einen langjährigen Kollegen an: "Zuerst haben wir intern gestritten, dass die Fetzen geflogen sind, aber dann haben wir gemeinsam für die Mitglieder viel erreicht!" In diesem Sinne wandte sich Marboe auch gegen jede Form des politischen Lagerdenkens: "Auf der einen Seite gibt es Bessere und auf der anderen auch! Das Vernünftige muss man gemeinsam finden."

Missbrauch des Theaters als "verlängerter Arm politischer Meinung"

"Freiheit ohne Grenzen ist keine Freiheit mehr," postulierte Marboe unter Applaus in Richtung Schauspiel. "Wenn man das Theater als verlängerten Arm politischer Meinung missbraucht, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Zuschauerzahlen zurück gehen." Schuld daran seien aber weder Schauspieler und Regisseure oder Autoren, sondern jene "Herren in grau", die dies zulassen. Hinsichtlich der Filmförderung ermunterte Marboe die Delegierten, gleich eine Milliarde zu fordern anstatt 100 Millionen, denn "Filmwirtschaft geht nur, wenn man einen großen Wurf macht und für drei Jahre auf einen halben Kilometer Autobahn verzichtet."

"ORF-Gesetz hat eine Delle, ist nicht konstruktiv"

Das neue ORF-Gesetz sei "nicht konstruktiv, es hat eine Delle. Das ist alten Herren eingefallen, die schon ein bisserl destruktiv und pessimistisch denken." Marboe appellierte dann an "mehr Demokratie auch in den Gremien des ORF." Dort sollten offen Ideen eingebracht werden, statt dass "die Fraktionsführer nur ihre Taferln hochhalten." Der Redner spannte dann einen weiten Bogen von der Kunst und den Medien über die Bühnentechniker ("verachtet mir die Meister nicht!") und den Sport bis zu den freien Berufen, die zum Unterschied von den Angestellten "tagtäglich in der freien Wildbahn um ihr Brot rennen müssen."

ÖGB, 21. Juni 2002
Nr. 536

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