Mailath-Pokorny: "Diskussion auf internationale Ebene heben"

Tagung "Sudetenfrage und Benes-Dekrete im historischen und aktuellen Kontext" des Demokratiezentrums Wien eröffnet

Wien, (OTS) Die "Notwendigkeit zu einer zeitgeschichtlichen, reflexiven Auseinandersetzung" hob Wiens Stadtrat für Kultur und Wissenschaft, Andreas Mailath-Pokorny, heute Freitag bei der Eröffnung der internationalen Tagung "Sudetenfrage und Beneš-Dekrete im historischen und aktuellen Kontext" hervor. Es sei besonders wichtig, die Frage der Benes-Dekrete grundlegend auf internationaler Ebene und im internationalen Kontext zu diskutieren.

Das Demokratiezentrum Wien, das die Tagung "Sudetenfrage und Benes-Dekrete" im Rahmen der von Stadtrat Mailath-Pokorny initiierten Veranstaltungsreihe "Dialog.Diskussion.Demokratie" organisiert hat, hat renommierte Wissenschaftler aus Tschechien, Deutschland, Österreich, Frankreich und den USA eingeladen, um den Dialog über Hintergründe, Ursachen und Folgen der Vertreibung der deutschen und der "vergessenen" ungarischen Minderheit aus der Tschechoslowakei bzw. der Slowakei nach den politischen Explosionen während des tschechischen Wahlkampfes fortzusetzen.

Gemeinsam werden bisher kaum berücksichtigte Themen wie die internationale Verantwortung für die Vertreibung, aber auch die aktuelle Einschätzung der europäischen Staatengemeinschaft diskutiert, um eine europäische Dimension zu suchen und das Thema nicht nur aus der Perspektive der derzeitigen politischen Meinungsführer Österreich, Tschechien und Deutschland zu hinterfragen.

Dieser Perspektivenwechsel soll auch dazu beitragen, die dominierenden Geschichtsbilder in der Tschechischen Gesellschaft ebenso in Frage zu stellen wie die Erinnerungen der Sudetendeutschen der ersten und zunehmend vor allem der zweiten Generation, die kaum in dieser Diskussion gehört werden. Die "Übersetzung" historischer Erkenntnisse in den gesellschaftlichen Raum soll auch durch den Dialog zwischen Vertretern der zweiten Generation der Sudetendeutschen - unter ihnen Peter Becher, Sohn des Präsidenten der Sudetendeutschen Landsmannschaften der 1970er Jahre - und der Tschechen, die nach 1945 aufgewachsen sind, gefördert werden.

Zum Abschluss der öffentlichen Tagung wird der ehemalige Hohe Kommissar für Bosnien und Herzegowina, Wolfgang Petritsch, selbst Historiker, Ursachen und Wirkungen von "ethnischer Säuberung" in Europa hinterfragen, von der im 20. Jahrhundert über 60 Millionen Menschen betroffen waren. Es ist kein Zufall, dass dieses "alte" negative Prinzip "Bevölkerungstransfer" zur Schaffung "ethnisch" geschlossener Nationalstaaten gerade in Zeiten steigender Bedeutung der Wahrung von individuellen Menschenrechten Widerspruch erfährt.

Informationen zur Tagung stehen online auf der Internetplattform des Demokratiezentrum Wien zur Verfügung:
http://www.demokratiezentrum.org/

Im Modul Network finden Sie das Programm der Tagung sowie Abstracts zu den Vorträgen der ReferentInnen und weiter gehende Informationen zu diesen (Biographie und ausgewählte Bibliographie). Auf der Startseite existiert ein Link zu einem themenspezifischen Informationspaket (Tagung Sudetenfrage/Beneš-Dekrete), das ausgewählte Artikel, ein ausführliches Glossar, Linkhinweise und eine Chronologie umfasst. Dieses Angebot wird in den nächsten Tagen und Wochen weiter ausgebaut werden. (Schluss) sas

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