Integration und Vernetzung - Praxis therapeutischer Wirklichkeiten

Psychiatrie darf nicht mit Wegsperren, Zwang und Beschränkung gleichgesetzt werden - Symposium im Otto-Wagner-Spital

Wien, (OTS) "Psychiatrie wird heute vielfach noch immer mit Zwang und Beschränkungen gleichgesetzt. Dass sich die Realität verändert hat und wir durch Sozialpsychiatrie und Psychiatriereform eine völlig neue Situation geschaffen haben, wird leider nur selten wahrgenommen. Es geht nicht um das 'Wegsperren', es gibt Orte in der Psychiatrie, an die Menschen freiwillig kommen, um sich von Ängsten oder Zwängen zu befreien", betonte Gemeinderätin Mag. Sonja Ramskogler, die in Vertretung von Wiens Gesundheitsstadträtin Pittermann-Höcker das Symposium "Integration und Vernetzung" im Sozialmedizinischen Zentrum Baumgartner Höhe - Otto Wagner Spital vornahm. Ramskogler unterstrich den politischen und gesellschaftlichen Willen der Stadt Wien zu einer patientengerechten und menschenwürdigen psychiatrischen Behandlung.

Anlass der Tagung ist der 26. Geburtstag des Pavillons 2, einer stationären Einrichtung dessen Schwerpunkt in der Behandlung mit kommunikativen und psychotherapeutischen Methoden liegt. Es werden PatientInnen behandelt, für die ein spezifisches Setting für die optimale Betreuung notwendig ist. Die Abteilung hat sich auf die Behandlung von Menschen mit psychotischen Störungen (Schizophrenie, schizo-affektive Störungen, affektive Störungen), entweder am Beginn der Erkrankung -  um einen malignen Verlauf hintanzuhalten -  oder aber bei häufigen Rückfällen, speziellen Komplikationen oder Selbstmordversuchen spezialisiert. Eine weitere Spezialisierung umfasst die Behandlung von PatientInnen mit Persönlichkeitsentwicklungsstörungen, insbesondere Borderline-Störungen. Bei den unter dieser Diagnose in psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung stehenden PatientInnen handelt es sich in ca. 90 Prozent der Fällen um Frauen. Die Patientinnen sind meistens in der Altersgruppe von 18 bis 35 Jahren und haben bis zu 90 Prozent Erfahrung mit körperlichem, in aller Regel sexuellem Missbrauch, zumeist wiederholt und im familiären Kontext.

Der Inhalt der Tagung

Es werden verschiedene ressourcenorientierte und kompetenzorientierte Therapieverfahren dargestellt, die Patientinnen und Patienten nach integrativen Prinzipien behandeln und sich in vieljähriger Praxis bewährt haben. Ebenfalls thematisiert werden die soziologischen Aspekte von Gesundheit und Krankheit. Ein Schwerpunkt widmet sich den Themenbereichen "Vernetzung und Integration", welche als Prinzipien nicht nur für die innere Erlebnisverarbeitung (intrapersonales System) wichtig sind, sondern auch im Spannungsfeld zwischen dem stationären Setting und der Vor- und Nachbetreuung von entscheidender Bedeutung sind. "Ziel der Veranstaltung ist es, die verschiedenen Möglichkeiten therapeutischer Wirklichkeiten darzustellen und ihre Umsetzungsmöglichkeiten zu hinterfragen", erklärt dazu der Veranstaltungsorganisator Dr. Helmut Jelem, leitender Oberarzt der Abteilung für spezielle psychiatrische Rehabilitation im Sozialmedizinischen Zentrum Baumgartner Höhe - Otto Wagner Spital. Es sei notwendig, neue Erkenntnisse und Erfahrungen ständig weiterzuentwickeln und zu integrieren. Mit dieser Veranstaltung sollen nicht nur die ÄrtztInnen, sondern auch PsychologInnen, Pflegepersonal und andere TherapeutInnen (für Ergotherapie, Bewegungstherapie, Musiktherapie, Bildnerische Therapie  oder Sozialarbeit ) angesprochen werden, so Jelem abschließend. (Schluss) uls

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