Caritas fordert: Geschlechtsspezifische Verfolgung muss als Asylgrund anerkannt werden

Frauen auf der Flucht brauchen besonderen Schutz

Wien (19.6.2002 OTS) Frauen und Männer flüchten vor Krieg und politischer oder religiöser Verfolgung. Frauen haben aber noch andere entsetzliche Gründe, die sie in die Flucht zwingen. Sie sind Opfer von Genitalverstümmelung, sie werden gezwungen abzutreiben oder einer ungewollten Heirat zuzustimmen. Deshalb fordert die Caritas am Internationalen Flüchtlingstag, Frauen besonderen Schutz zu gewähren: durch gesicherte Aufnahme in Bundesbetreuung, Vermeidung von Schubhaft und besonders sensiblen Umgang bei der Einvernahme im Asylverfahren. "Geschlechtsspezifische Verfolgung muss in den Asylentscheidungen als Asylgrund anerkannt werden", fordert Caritas-Präsident Franz Küberl.

Im Asylverfahren wird Flüchtlingsfrauen beispielsweise zugemutet, ihre Gewalterfahrungen sofort und detailliert männlichen Beamten anzuvertrauen. "Wer keine Details schildert oder erst im Laufe des Verfahrens darüber berichtet, wirkt für die Behörden unglaubwürdig", berichtet Küberl und verlangt vor diesem Hintergrund, dass weibliche Beamte in den Bundesasylämtern in größerem Ausmaß eingesetzt werden, damit Frauen in diesen heiklen Situationen weibliche Gesprächspartnerinnen haben. Bei Anzeichen für sexuelle Übergriffe sollte eine Psychologin beigezogen werden.

Nach wie vor wenden sich viele asylsuchende Frauen und Familien
an die Caritas und bitten um Unterkunft, weil sie keinen Platz in der Bundesbetreuung bekommen. "Kein Flüchtling sollte in Österreich der Obdachlosigkeit preisgegeben werden, bei Frauen ist diese Situation jedoch skandalös", meint Küberl.

Auch bei der Schubhaft wird auf die besondere Situation von
Frauen keine Rücksicht genommen. Der Zugang zu Frauenärzten aus der Schubhaft ist keine Selbstverständlichkeit und Frauen werden selbst in Polizeigefangenenhäusern angehalten, wo es kein weibliches Wachpersonal gibt, obwohl sich auch der Menschenrechtsbeirat massiv gegen diese Praxis ausgesprochen hat. Neben der Beseitigung dieser Missstände fordert die Caritas das generelle Verbot, Schwangere, stillende Mütter und Opfer von Frauenhandel in Schubhaft anzuhalten.

"Die Caritas möchte an diesem Tag in Erinnerung rufen, dass die Genfer Konvention ein Schutz für Flüchtlinge und nicht ein Schutz vor Flüchtlingen ist", so Küberl.

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